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Transkript Alumnus Sebastian Scholz

(Birgit Schröder) Herzlich willkommen zu einer neuen Folge. Herzlich willkommen einem neuen Gesprächspartner. Wir nehmen diese Folge ganz direkt nach Weihnachten auf, noch im alten Jahr 2025. Wir wünschen allen, die das jetzt hier hören, dass sie natürlich, schöne, entspannte Weihnachtstage hatten und freuen uns, dass Sie wieder dabei sind. Und wir freuen uns sehr über einen neuen Gesprächspartner, dass Sie heute Zeit haben und ich würde Sie bitten, sich einmal selber vorzustellen.
(Sebastian Scholz) Ja, gerne. Erst mal vielen Dank für die Einladung. Genau, dann stelle ich mich kurz vor: Mein Name ist Sebastian Scholz, ich habe an der Hamburger Fernhochschule, sowohl den Bachelor als auch den Master in Psychologie gemacht und jetzt auch abgeschlossen und bin auch, ich hab extra noch mal nachgeguckt, seit, zweieinhalb Jahren Dozent an der Hamburger Fernhochschule, angefangen im Bereich Soziale Arbeit und jetzt im Bereich Wirtschaftspsychologie.
(Birgit Schröder) Ja, wunderbar, sehr schön. Sie, Sie haben schon gesagt, Sie haben, Bachelor und Master, also sozusagen das volle Programm, geradezu vorbildlich absolviert. Und wir freuen uns natürlich auch immer, wenn ehemalige, Studierende dann, später als Dozierende weitermachen. Insofern, sehr schön. Ich glaube, das ist auch was, wovon Ihre Gruppen dann auch profitieren, ne? Wenn Sie sagen: "Mensch, ich hab das selber alles mal so durchlitten quasi", oder?
(Sebastian Scholz) Ja, durchaus, vor allem die, die Bachelor-Studierenden, die vor allem zum ersten Mal ein Studium machen, die dann ganz viele Fragen zu den ersten Prüfungen haben, zu den ersten Hausarbeiten haben. Da kann eben ich dann wirklich immer sagen: "Hey, ich hab das auch durch. Ich kenne die Unsicherheiten. Ich weiß, wo so die großen Fragen sind, die Baustellen sind." Und das ist dann doch schon, schon sehr hilfreich, auch, wenn ich dann sagen kann: "Oh, die eine oder andere Klausur oder Hausarbeit, die lief bei mir auch nicht so rund wie vorgestellt." Von daher kann ich die Ängste da tatsächlich auch verstehen.
(Sebastian Scholz) Kann auch sagen, das eine oder andere Mal, auch nicht bestanden. Auch das kann man dann immer gut mit den Studierenden besprechen. Auch da kann man sagen, einmal durchfallen ist jetzt kein Beinbruch. Das darf man gerne oder soll man gerne als Chance sehen, zu reflektieren und zu gucken: Hey Mensch, wo muss ich denn da lernen? Wo muss ich vielleicht dieses, Fernstudium, das ja ein großes Selbststudium ist, wo muss ich da noch mal die eine oder andere Schraube justieren, äh zu gucken, wie kann ich das erfolgreich abschließen?
(Sebastian Scholz) Was fehlt mir da vielleicht noch, dass mir genügend Sicherheit gibt, dass ich da alles irgendwie unter einen Hut krieg?
(Birgit Schröder) Und wenn Sie jetzt so auf Ihr Studium zurückblicken, auf den Bachelor, auf den Master, wenn Sie so in, in einem Adjektiv beschreiben: wie war's denn? War's, war's herausfordernd? War's lehrreich? War's anstrengend oder alles mit allem?
(Sebastian Scholz) Boah, in einem Adjektiv ist das, ganz schwer. Da müsste ich jetzt tatsächlich 'n bisschen länger überlegen. Lehrreich, würd ich, würd ich's nennen, in ganz, ganz vielen Bereichen, so einmal über mich selbst. Auch, was kann ich leisten, zusätzlich zum Vollzeitjob nebendran, zu einem kleinen Kind, dann Geburt des zweiten Kindes. Die Hochzeit war noch während des Studiums. Also, was man da über sich selber lernt, das ist schon, schon schön gewesen.
(Sebastian Scholz) Herausfordernd, aber schön. Ich würde... lehrreich würde ich als, das Adjektiv am Ende dann nutzen, tatsächlich.
(Birgit Schröder) Und gibt es irgendwas, wenn Sie so zurückblicken, was Sie heute brauchen, was Sie in Ihrem Studium nicht gelernt haben oder was Sie vielleicht zurückblickend vermissen?
(Sebastian Scholz) Mhm. Ich hab ja vor dem Psychologiestudium, den Bachelor und Master in Sozialer Arbeit absolviert, an einer, an einer Hochschule. Also, regulär mit Präsenztermin, mit, mit Pflichttermin. Und, das war für mich 'n großer Vorteil, weil ich schon mal Hausarbeiten geschrieben hatte. Es gab Module darüber, wie arbeitet man wissenschaftlich? Das hat mir zum Glück nicht gefehlt. Was mir heute, ja, ab und zu fehlt, ist, die praktische Verbindung, also der, der Transfer von, von dem, was man sich selbst so aneignet, was man in den Studienbriefen lernt.
(Sebastian Scholz) Das ist zwar super hilfreich, weil das schon sehr kompakt zusammengefasst ist, aber so wie das vor allem in Psychologie oder sozialer Arbeit ist, ist oftmals die Theorie nicht eins zu eins in die Praxis anwendbar. Und da, das fehlt so im Studium, aber das kann das Studium auch nicht auffangen. Das machen dann die erfahrenen Kollegen vor Ort, wo man dann fragen kann oder eben die Dozenten. Die haben da viel, viel Fragen geklärt und aus ihrer Praxis berichtet.
(Birgit Schröder) Ja, ich glaub, Sie sprechen 'nen ganz wichtigen Punkt an, dieser Theorie-Praxis-Transfer. Das ist natürlich immer das, was man, was man sich wünscht, aber so wie Sie sagen, was natürlich, glaube ich, ganz schwer quasi durch Lehr- und Lernmaterialien zu schaffen ist, ne. Das, das können, glaube ich, immer nur Menschen, die dann irgendwie eigene Erfahrungen mit einbringen und berichten, wie es in der Praxis wirklich läuft. Und das ist ja auch das, wo ich auch so als Studiengangsleitung immer sage: Man kann ja noch so gute Materialien haben.
(Birgit Schröder) Wenn die Leute, aus welchen Gründen auch immer, nicht in die Lehrveranstaltung gehen, dann ist es genau das, was zu kurz kommt, ne. Dann kann ich mir wahnsinnig viel Wissen drauf schaffen. Ich kann auch Prüfungen, glaube ich, durchaus bestehen, keine Frage.... Aber man neigt dann natürlich dazu, diese, diese praktischen Erfahrungen nicht irgendwie mitzukriegen, ne? Also man bleibt dann sozusagen ein Stück weit in der Theorie stecken und das ist eigentlich schade dran.
(Sebastian Scholz) Mhm, genau. Das ist vor allem in der Psychologie ganz, ganz häufig, wenn man sich mal so, so die Theorien und Begriffe anguckt. So das Lieblingsbeispiel ist mal das klassische Konditionieren. Das ist ja das, das Beispiel mit dem, mit dem Hund und ich erzähl das dann immer, wie das bei uns auf der Arbeit abläuft. Ich arbeite als Suchttherapeut in einer Klinik für Abhängigkeitskranke und wir haben so ein Belohnungssystem. Und konditionieren heißt ja, man will ein Verhalten ändern, durch Belohnung oder dem Wegnehmen von Strafe.
(Sebastian Scholz) Und wenn ich das dann so, anhand meiner Praxis berichte, da hab ich viele Studierenden, die dann so einen Aha-Moment haben. Die dann sagen: "Ah, äh, ist das dann so was Ähnliches wie bei mir auf der Arbeit?" Und dann sag ich: "Ja, genau." Und irgendwann sagen die Studierenden: "Ach Mensch, dann versteh ich das jetzt." Ja, und ich sag dann ganz oft: "Ja, das ist der Nachteil am Fernstudium, wenn man jetzt nicht in die Vorlesung geht, wie Sie gesagt haben, und man fragt nicht nach. Viele Aha-Momente hat man gar nicht." Ja, weil man liest diese Begriffe, dann liest man die Theorie dahinter und dann sitzt man da und denkt:
(Sebastian Scholz) "Okay, könnte ich jetzt in der schriftlichen Klausur, könnt ich's beantworten?" Aber so ganz verstanden, wie sieht das denn in der Praxis aus, das hab ich jetzt nicht. Und ich mach das mit, mit den Studierenden in meinen Vorlesungen immer. Ich sag immer: "Versuchen Sie das mal, auf Ihren Freundeskreis zu münzen, weil das klappt eigentlich immer." Ist es Konditionierung? Ist es das Reframing, also irgendwas aus einer anderen Perspektive betrachten, was in einen anderen Rahmen packen? Und da sagen dann viele mal: "Ach so, das mach ich ja regelmäßig."
(Sebastian Scholz) Und dann sag ich: "Ja, genau. Der Unterschied ist, dass es in der Psychologie eben komplizierter beschrieben ist." Aber diese Aha-Effekte, die sind ganz oft eben durch dieses Verdeutlichen: Was ist denn eigentlich diese, dieser... Was heißt das eigentlich im Alltag? So, also diese Transferleistung. Und ich hab auch Studierende, die sind dann da und sagen: "Ach, ich bin jetzt schon zweimal durch die Prüfung gefallen, jetzt geh ich doch mal in die Vorlesung, weil ich da doch die ein oder andere Frage hab." Und, äh, wir besprechen das dann und dann sagen die: "Ach, das ist so einfach."
(Sebastian Scholz) Und dann sag ich: "Ja, ist es." Und das ist, was Sie gesagt haben, das ist im Vergleich zum Regelstudium, wenn man anwesend ist und man hat den Dozent immer vor sich und man sieht den so 'n, so 'n Semester lang und der erklärt einem auch immer was aus seiner Praxis. Das ist so... ich hab mir vorher Gedanken gemacht, sind so Nachteile vom Fernstudium. Hab mir davor noch mal den Podcast mit der Frau Pfaff angehört und die hat auch gesagt: "Ah, wenn man nicht vernetzt ist mit Studierenden, ähm, dann ist man so 'n bisschen hilflos." Und das stimmt leider tatsächlich, ja.
(Birgit Schröder) Ja, also ich glaube auch, man, man muss selber sehen, dass man sich menschliche Kontakte sucht, ne? Also ich glaube immer, der Austausch mit, mit Gleichgesinnten ist wichtig, zu wissen, die Leute strugglen an den gleichen, Fragestellungen oder sind auch mal von den gleichen Themen genervt oder sagen: "Mensch, das fällt mir besonders schwer." Das gibt mir ja auch Sicherheit, dass es quasi nicht an mir liegt, sondern dass es vielleicht 'n schwieriges Thema ist oder 'ne komplexe Geschichte, wo man sich erst so 'n bisschen reinfuchsen muss.
(Birgit Schröder) Also ich glaube, das ist, da sprechen Sie 'n ganz wichtigen Punkt an und deswegen sagen wir ja auch immer, dass es wichtig ist, sich zu vernetzen. Das kann ja regional sein, das kann ja auch überregional sein, das ist ja auch digital durchaus möglich. Aber-
(Sebastian Scholz) Mhm.
(Birgit Schröder) ich glaube, nur so ganz alleine vor sich hin zu studieren, das ist auch für mich persönlich nicht so die Idee eines Studiums. Oder wie sehen Sie das?
(Sebastian Scholz) Ja, das stimmt. Das kann man machen. Es gibt so Menschentypen, die, die, die, die können das, die machen das, die machen das gerne und super gern alleine. Aber wenn man so mal überlegt: Was heißt 'n Fernstudium eigentlich? Fernstudium heißt ja, man studiert fern, also fern von der, von der Uni, fern von der Präsenz. Und ja, das hab ich auch festgestellt, dass das viel Selbst, Selbst ist, also wie in der Selbstständigkeit eigentlich. Und das heißt ja selbst und ständig.
(Sebastian Scholz) Also man muss sich immer selbst motivieren. Man muss sich selbst motivieren, wenn man in schwierigen Lebensphasen steckt. Man muss sich motivieren, wenn man krank ist oder wenn man gar keine Motivation hat. Und das ist einfacher, wenn man da gut vernetzt ist. Wenn man da Kommilitonen hat und man hat Lerngruppen und das klappt ja zum Glück auch bei der HFH digital super gut. Das ist die Erfahrung, die ich gemacht hab, dass man dann sagt: "Mensch, wollen wir uns mal gemeinsam auf die Prüfung vorbereiten? Treffen wir uns mal anderthalb Stunden, schauen wir mal, was hast du für Notizen über das Thema geschrieben?
(Sebastian Scholz) Was hab ich geschrieben?" Aber auch das muss man selbstständig organisieren. Und das ist im Vergleich zu so 'nem Regelstudium an der Hochschule, 'n bisschen mit mehr Aufwand verbunden. Jetzt nicht unmöglich, aber mit 'n bisschen mehr Aufwand verbunden.
(Birgit Schröder) Ja, aber ich glaube, es ist umso wichtiger, ne, dass man, dass man den Wert erkennt und das dann einfach auch macht, ne? Und sagt: "Mensch, hier, ich such mir 'ne kleine Gruppe mit Leuten", wo man vielleicht auch durchaus sich mal privat unterhält. Das muss ja auch nicht immer nur zum Lernen oder nur zur Prüfungsvorbereitung sein. Das kann ja auch wirklich mal ein privates Thema sein, aber ich glaube, das ist schon sinnvoll, ne? Also, Sie haben völlig recht. Natürlich gibt es Leute, die studieren gerne alleine vor sich hin und denen reicht das auch. Das ist ja auch in Ordnung und 'ne ganz individuelle Entscheidung, aber ich glaube eben der Wert eines Studiums steigt doch deutlich mit der Vernetzung, ne?
(Birgit Schröder) Weil viele Kontakte überdauern ja auch das Studium. Das finde ich ja dann immer besonders schön, wenn man noch mit Leuten Kontakt hat, vielleicht auch Jahre später. Natürlich ist das schwieriger und natürlich wird das weniger. Das ist ja auch ganz normal, aber so den einen oder anderen Kontakt, sich dann zu erhalten, das ist, glaube ich, 'ne ganz, 'ne ganz schöne Geschichte einfach.
(Sebastian Scholz) Ja.
(Birgit Schröder) Ja, ich würde gerne noch mal auf Ihren Arbeitstag zu sprechen kommen. Sie haben ja schon erzählt, was Sie machen. Wie sieht denn so ein perfekter Arbeitstag aus, wenn Sie sich einen wünschen dürften?
(Sebastian Scholz) Ich bin, äh, kein Perfektionist. Ich mag tatsächlich die Herausforderung und so ein perfekter Arbeitstag, den fänd ich persönlich langweilig. Ich glaub auch, das ist so ein bisschen der Arbeit als Psychologe geschuldet und der Arbeit mit Menschen. Ich glaub, da gibt's keinen perfekten Arbeitstag. Schön ist es, wenn die Menschen, mit denen man arbeitet, diese Aha-Effekte haben, ja, sowohl als Dozent als auch jetzt die Rehabilitanten, mit denen ich arbeite. Aber auch wenn, wenn da keine sind und wenn da schwere Krisen grade sind oder irgendwas ansteht, ja, da gibt's, für mich gibt's da keinen, keinen perfekten Arbeitstag.
(Sebastian Scholz) Hingehen, arbeiten und dann, entspannt vielleicht dann noch nach Hause gehen zu können, das ist dann schon fast ein perfekter Arbeitstag.
(Birgit Schröder) Ein vorbildlicher Arbeitnehmer, würd ich sagen.
(Sebastian Scholz) Ja, geduldig. Ja, so, so, so könnte man sagen, ja.
(Birgit Schröder) Also mein perfekter Arbeitstag besteht ja unter anderem schon darin, wenn er nicht so vollgestopft ist mit Terminen. Ich finde das immer ganz wunderbar, wenn ich meinen Kalender morgens öffne und, und, weiß, man ist nicht so durchgetaktet. Das finde ich immer schon ganz wunderbar. Also wenn ich mir was wünschen dürfte, dann wär's tatsächlich ein Tag, der nicht so voll ist. Also nicht so voll mit geplanten Terminen, damit eben ausreichend Zeit ist für alles das, was so drumherum noch anfällt.
(Sebastian Scholz) Ja, stimmt, das wäre schön, wenn man dann auch auf die Bedürfnisse seiner, jetzt in meinem Fall Rehabilitanten eingehen könnte, die dann auch, so klassischerweise immer fünf Minuten vor Ende des Einzelgesprächs dann kommen und sagen: "Das ist eigentlich das Thema, mit dem ich heute gekommen bin." Ja, und man dann, ja, wie Sie sagen, auf die Uhr guckt und sagt: "Oje, danach hab ich aber die nächste Besprechung, das kann ich jetzt nicht machen." Ja, das, das wäre schön, aber auch das, ist dann eine Herausforderung und das muss man dann auch als, als Lerneffekt dann vielleicht ein bisschen auch an die Rehabilitanten dann weitergeben und sagen:
(Sebastian Scholz) "Mensch, wenn du so ein wichtiges Thema hast, nächstes Mal ein bisschen, bisschen früher kommen." Aber Zeit ist, hätte, glaub ich, jeder gerne ein bisschen mehr, auch zwischendurch vielleicht mal durchatmen zu können.
(Birgit Schröder) Aber wenn ich jetzt zu Ihnen komme, wirklich fünf Minuten vor Ende unserer Zeit mit einem ganz wichtigen Thema, wär das dann so, dass Sie sagen: "Das, das passt jetzt nicht, das besprechen wir quasi beim nächsten Mal" oder würde ich das trotzdem quasi ansprechen und Sie dann fünf Minuten überziehen?
(Sebastian Scholz) Überziehen tun wir eigentlich immer, weil das ist so, so, so wie in jeder menschlichen Interaktion, wenn man so abrupt dann sagt: "So, du hast noch genau dreißig Sekunden, danach ist hier Feierabend, weil danach muss ich weg." Das macht keine gute Beziehung. Ja, dann sagt das Gegenüber ja dann auch: "Gut, mit dem brauche ich nicht mehr reden, der ist da so, so festgefahren." Das ist dann die Kunst, die man dann zum Beispiel im Studium nicht lernt. Ja, wie gehe ich denn eigentlich damit? Jetzt habe ich 'ne halbe Stunde und der kommt zwei Minuten vor Ende, mit, weiß ich nicht, dem Thema Suizid zum Beispiel. Was mache ich denn damit?
(Sebastian Scholz) Ja, und dann kann man ja wirklich nicht sagen: "Gut, du hast noch zwei Minuten, dann beenden wir das Ganze hier." Das muss man dann gucken. Ich handle das ganz oft so: Ich schau dann in meinen Kalender und sag dann: "Okay, das schaffen wir heute nicht mehr, weil der Kalender so voll ist, aber morgen hätt ich noch mal zwanzig Minuten. Da kommen Sie da noch mal, wenn Sie wollen, und dann können wir da noch mal drauf gucken." Also Optionen anbieten, also wirklich das Thema wahrnehmen und dann auch erst mal so die ersten Affekte abfangen, so die ersten negativen Gefühle so stabilisieren und sagen:
(Sebastian Scholz) "Okay, hab ich wahrgenommen. Ja, das ist auch super, dass du drüber sprichst, aber jetzt ist ja ein bisschen stressig, kriegen wir jetzt nicht unter. Aber wir machen das, sobald wir noch ein Zeitfenster haben."
(Birgit Schröder) Aber Sie arbeiten nicht mit Weckern. Ich frag deswegen, weil ich ganz viele als Anwältin ganz viele Psychiater schon, schon seit vielen Jahren vertrete und die arbeiten tatsächlich auch mit so einem Wecker, der dann klingelt.
(Sebastian Scholz) Ja, mhm. Hatt ich, meine Kollegin, die hat das auch so gemacht. Nee, ich hab 'ne Uhr auf meinem Tisch stehen, sodass die Rehabilitanten die Uhr sehen können. Und ich sag immer so in den ersten beiden Gesprächen, sag ich immer: "Schauen Sie, das ist die Uhr. Da können Sie gucken, wann Sie welches Thema wie einbringen." Es gibt ja auch nur Themen, da will man nur mal den kleinen Finger reinstecken und dann sagen: "Ach ja, ähm, Herr Schulz, ich hab da noch was für nächste Woche."
(Sebastian Scholz) Und dann gucken die dann schon und dann wissen die genau, jetzt habe ich noch ungefähr dreißig Sekunden, dann mache ich das mal. Und auch da sage ich dann so immer so fünf Minuten vorm Ende, dann sage ich: "Dann schauen Sie mal auf die Uhr. Wir nähern uns dem Ende. Jetzt müssen wir, jetzt müssen wir schauen, wie, wie lösen wir das jetzt? Oder wie fassen wir das zusammen? Was können wir aus dem Gespräch lernen?" Und wenn das dann sechs, sieben, acht, neun, zehn Minuten geht, dann ist das dann so. Ja, das, der Tag verschiebt sich dann ein Stück nach hinten oder man kommt später in die Besprechung, aber in erster Linie ist ja, sind wir ja wegen den Rehabilitanten da.
(Sebastian Scholz) Und jetzt, die Besprechung findet man danach im Protokoll dann wieder. Oder durch die netten Kollegen, die das dann super nett zusammenfassen und sagen: "Ach, hast nichts verpasst, war nicht so relevant."
(Birgit Schröder) Die meisten Meetings, da verpasst man wahrscheinlich auch nicht so viel, ne? Also ich finde, bei vielen Meetings ist ja so, wenn man dann das Protokoll liest, selbst wenn man nicht da war, denkt man: Ja Gott, das reicht dann auch, ne?
(Sebastian Scholz) Genau, meistens, ja, meistens.
(Birgit Schröder) Ja, das ist doch gut. Und was macht Ihnen mehr Spaß? Die, die Tätigkeit mit Studierenden oder die, die Tätigkeit mit Patienten? Oder ist es die Mischung?
(Sebastian Scholz) Tatsächlich, ja, tatsächlich beides. Es ist, es ist tatsächlich die Mischung. Auch das wurde ich schon gefragt von Studierenden, was, was mir tatsächlich mehr Spaß macht. Und dann hab ich gesagt: Na ja das mit den Rehabilitanten ist so ein, na, ich sag immer, so ein ernstes Arbeiten, ja, wo, wo mehr Ernst dabei ist. Und das mit den Studierenden, das ist eher so'n, so'n Austausch, ja. Wo ich dann sag, das mit den Studierenden, das ist mehr, da kann man mehr Spaß machen, da geht's weniger die persönlichen Probleme, so die man so im, im Leben hat oder, oder im Alltag.
(Sebastian Scholz) Da geht's dann eher so die Probleme: Hey, das Thema versteh ich nicht oder ich weiß nicht, wie ich mein Lernen, verbessern kann oder was ich für ein Hausarbeitsthema hab. Ja, und das ist beides, es ist unterschiedlich. Es macht beides Spaß bis zu gewissen Punkten. Es gibt dann auch die Gespräche über Hausarbeiten oder Bachelorarbeiten oder Masterarbeiten, wo man dann kritisieren muss. Ja, da soll man immer Noten geben und dann sagen: "Mensch, warum hat das nicht funktioniert?" Das hat man so auf beiden Seiten, aber da kann ich beiden Seiten viel, viel Positives und Schönes abgewinnen.
(Sebastian Scholz) Und ich hab festgestellt, ich lerne viel von den Studierenden, neue Sichtweisen kennen, die ich dann auch so in meine schon berufliche, manchmal festgefahrene Arbeitsweise übertragen kann. Die fragen dann: "Mensch, Herr Scholz, warum machen Sie das nicht mal so und so?" Und dann sitz ich dann da und denk so: Ja, eigentlich könnte ich mal machen. Und von daher ist es tatsächlich ähnlich. Also das ist immer auf Augenhöhe, auf beiden Seiten, mit den Rehabilitanten und den Studierenden. Es geht immer eine Thematik und da tauscht man sich drüber aus und dann versucht man zusammen, irgendwie auf einen, auf einen Nenner zu kommen und im Idealfall lernen alle davon und haben noch ein bisschen, bisschen Spaß und gehen raus und sagen:
(Sebastian Scholz) "Mensch, heute, das war super, das war sinnvoll."
(Birgit Schröder) Ja, sehr schön. Und es ist ja auch schön, find ich, wenn man, wenn man für sich sagen kann, man kann das so gut kombinieren, ne, dass man das eine macht und das andere nicht lässt. Also ich hab ja den Effekt zwar auf ganz anderer Ebene, aber ich bin ja seit 20 Jahren selbstständig, bin hier in Hamburg Fachanwältin für Medizinrecht und gehe, also profitiere sehr davon, dass ich den Studierenden aus der anwaltlichen Tätigkeit 'ne Menge mitgeben kann, aber auch meine Mandanten profitieren sozusagen von einer eher wissenschaftlichen Betrachtungsweise des Ganzen.
(Birgit Schröder) Und ich finde, so das Beste aus beiden Welten zusammenzubringen, finde ich persönlich, ist 'ne, 'ne große Bereicherung für alle Beteiligten. So seh ich das tatsächlich.
(Sebastian Scholz) Ja, das stimmt. Ja.
(Birgit Schröder) Haben Sie etwas, was Sie Studierenden mitgeben können oder möchten, die grade ein bisschen melancholisch zum Jahresende werden und vielleicht auch ein bisschen mit dem Studium und seinen Herausforderungen, ja, unglücklich sind oder vielleicht sich auch mal fragen: Mein Gott, warum mach ich das alles? Oder soll ich das vielleicht lassen? Oder wieso will dieses Modul nicht so, wie ich will? Oder diese Prüfung gelingt nicht so, wie ich mir das vorstelle.
(Birgit Schröder) Also vielleicht in den Phasen, wo's nicht so richtig rund läuft.
(Sebastian Scholz) Mhm, ja, das sind-- die Frage krieg ich eigentlich oft, wenn ich, äh, Bachelorarbeiten oder Masterarbeiten betreue. Da kommt man immer mal an den Punkt, wo man sagt: Boah, äh, es gibt Tage, da könnte ich zehn Kapitel schreiben und jetzt hab ich zwei Wochen und da kommt kein einziger Satz raus. Was gibt's für 'n Tipp? Ja, und ich hab das selber als Student gemerkt: Wenn man zu krampfhaft an was festhält, dann wird's nix. Dann, dann blockiert man sich selbst. Und jetzt vor allem in, in der Jahreszeit, in dem Übergang, wo der Kopf unbewusst viel mit Reflexion vom Jahr beschäftigt ist und ich weiß, mit Silvester feiern, noch die Nachgänge von Weihnachtsgesprächen, die wir vielleicht hatten.
(Sebastian Scholz) Die sind ja auch nicht immer so, so harmonisch. Dann einfach mal zu sagen: Okay, ich schieb's Studium mal an die Seite. Also ich beschäftige mich nicht mehr bewusst damit, sondern gönne meinem Hirn mal eine bewusste Pause, weil unbewusst arbeitet's ja trotzdem im Studium weiter. Und auch wenn man jetzt so 'n Thema hat, wo man wirklich dran hängt. Bei mir war das Statistik. Ich kenn viele meiner ehemaligen Kommilitonen, die gesagt haben: "Boah, Sebastian, sitzen wir schon wieder hier? Du bist doch, hast die Prüfung doch auch schon zweimal gemacht."
(Sebastian Scholz) "Ja, ich kann's dir nicht sagen, Zahlen und Buchstaben gehen nicht rein." Das hatten, hatten wir auch oft. Und dann haben wir das gemacht, was Sie gesagt haben. Wir haben uns dann mal im Café getroffen. Wir haben einfach das Lernen mal verlagert, haben neue Orte ausprobiert. Ja, auch da wieder viel vernetzt. Aber so in erster Linie, wenn man mal so 'n Hänger hat, einfach mal ein bisschen Abstand. 'N bisschen Abstand sich nehmen und einfach mal den Stress rausnehmen. Und ganz oft sind's ja die eigenen Erwartungen, die einen so, so blockieren.
(Sebastian Scholz) Es gibt Module wie Statistik bei mir, wo ich gesagt hab: Hauptsache, ich komm durch. Vier gewinnt, hat 'n Studierender mal zu mir gesagt. Das ist sein Studienmotto. Das kannte ich bis dahin gar nicht, ich kannt das nur als Spiel. Und er hat gesagt: "Wissen Sie, Herr Scholz, mein Motto ist vier gewinnt, weil nach den Noten guckt keiner." Und dann hab ich ihn so angeguckt über den Bildschirm und gesagt: "Wie, vier gewinnt? Wollen Sie 'n Spiel jetzt spielen?" Und dann hat er mir das erklärt und da hab ich gesagt: "Oh, das ist 'ne gute Einstellung." Die nimmt viel Druck, die nimmt ganz viel Stress und erleichtert's Denken. Und auch das vielleicht einfach mal so 'n bisschen so die eigene Erwartungshaltung überprüfen und sagen:
(Sebastian Scholz) Muss nicht unbedingt mit 1,0 sein oder 1,2, sondern kann auch einfach mal mit einer 2,7 oder 3,7, war's bei mir in Statistik, hab ich mich auch gefreut wie ein Schnitzel drüber.
(Birgit Schröder) Also ich kenn 4,0 tatsächlich auch noch aus meinem eigenen Studium, was natürlich bei Juristen auch noch 'n bisschen anders ist, weil bei Juristen liegt der Schnitt immer nur bei sechs Punkten tatsächlich. Insofern ist vier Punkte wirklich objektiv sehr, sehr gut, ne? Also, insofern, vier gewinnt kenn ich gut und ja, also ich glaube auch, ich sprech ja nun viel mit Studierenden, auch viel mit Alumni und ich hab auch immer das Gefühl, dass viele so sehr verkrampft an das Studium gehen, ne. Also so diese Erwartungshaltung, ich marschier da irgendwie durch und jede Prüfung läuft und ich schreib jede Prüfung nur einmal und überhaupt alles so nebenbei, en passant.
(Birgit Schröder) Das kann ja mal so sein, aber das ist ja nicht der Regelfall. Und ich persönlich glaube ja einfach, es gehört zu einem Studium auch dazu, genauso wie es zum Leben dazu gehört, dass nicht immer alles nach Plan läuft und dass nicht immer alles auf Anhieb funktioniert und dass man manchmal eben auch mal auf Widerstände trifft, ne. Daran kann man wachsen, das gehört dazu, daraus kann man lernen. Aber man muss, glaub ich, so 'n bisschen, deswegen find ich das wichtig, dass Sie das sagen, bisschen gucken, was ist realistisch und was ist vielleicht auch 'n Stück weit 'ne Wunschvorstellung, ne?
(Birgit Schröder) Die, die natürlich super wäre, aber die eben eigentlich, wenn wir ganz ehrlich sind, mit der Realität nicht so wahnsinnig viel zu tun hat.
(Sebastian Scholz) Mhm. Und das ist, den Tipp geb ich auch oft, Studierenden, die jetzt, an 'ner Prüfung oder am Thema zweifeln. Das ist das Schöne an der HFH, dass man dann sagen kann: Dann mach ich die Prüfung nächstes Semester. Ja, dann nehm ich jetzt lieber mal 'ne andere Prüfung. Also auch das, wenn man grad in so 'nem Motivationsloch ist und das Studium ist grad blöd und man, es fehlen irgendwie die Erfolgserlebnisse, dann kann man ja wirklich sagen: Hey, dann, schreib ich jetzt erst mal die Hausarbeit in dem Modul oder mach erst mal 'ne KÜ, äh, wo und dann hol ich mir einfach erst noch mal 'n neuen Energieschub.
(Sebastian Scholz) Und dann widme ich mich mit 'ner anderen, positiveren Einstellung einfach noch mal dem Thema. Und das ist auch ganz schön, dass man das machen kann. Das kann man ja im Regelstudium, konnt ich's nicht. Da war ein Modul aufbauend, auf das andere und ich musste das bestehen, das machen zu können. Das ist da ein Riesenvorteil bei der HFH und das sage ich auch oft: Mensch, wenn Sie da jetzt schon einmal gescheitert sind und Ihre Erwartungen sind aber auf so 'nem hohen Niveau und jetzt blockieren Sie sich, dann machen Sie aber erst mal was anderes. Lassen Sie erst mal neuen Input rein. Und, ja, ich glaub, die Frau Pfaff hat das auch gesagt:
(Sebastian Scholz) Sich belohnen, so kleine Ziele setzen. Auch das muss man machen. Wenn man 'n Studium anfängt, ich glaub, Sie hatten das auch gesagt, hat man so das Ziel, den Abschluss, aber es sind ja die ganzen Zwischenziele zwischendrin. Es ist wie bei uns in der Therapie, das große Ziel ist die Abstinenz. Und da werden so die kleinen Ziele und die kleinen Erfolge, die werden immer ausgeklammert, weil die so im Schatten der Abstinenz sind. Aber dass sie 'n Teil davon sind, das wird selten gesehen. Und so ist es beim Studium auch.
(Sebastian Scholz) Ja, der, der Abschluss ist das Ziel, aber es sind so wirklich diese kleinen Schritte, da 'ne KÜ bestanden, da vielleicht 'ne Hausarbeit geschafft oder da, auch zeitlich geschafft, an 'ner Vorlesung teilzunehmen. Ja, das macht ja auch, kann ja auch Stress machen. Ich hatte auch viele in den Vorlesungen, die kamen immer so eins, zwei Stunden später: "'Tschuldigung, ich war noch auf der Arbeit." Ja, wo ich dann gesagt hab: "Kein Problem. Ja, das ist schön, dass Sie da sind. Ich freu mich." Ja, das macht Stress. Ja, und da muss man dann wirklich sich in so 'nem Loch dann auch 'n neuen Plan vielleicht machen, was ich so eingangs gesagt hab, wo man dann an der Schraube drehen muss und gucken muss:
(Sebastian Scholz) Wie kann ich mir mehr Erfolgserlebnisse auf diesem Weg zum Abschluss holen? Und dann überwindet man diese, diese Tiefs. Aber da gibt's ja die Studienberatung, die gibt's ja und die haben mir ganz oft geholfen bei Hausarbeiten, bei Fragestellungen, wo ich da saß und dachte: Boah, ich weiß überhaupt nicht mehr weiter. Aber das ist dieses Selbststudium. Da muss man dann selbst drauf kommen oder eben gut vernetzt sein und dann wirklich auch mal fragen können: Hey, wie hast'n du das gemacht? Oder hast du 'ne Idee? Kannst du mir da vielleicht die Tür aufmachen, die ich grade nicht aufkrieg?
(Birgit Schröder) Ja, und ich glaube, sich, sich Hilfe holen, wenn man sie braucht, ne. Also auch das, nicht das Gefühl haben, man muss das alles irgendwie alleine schaffen, sondern wirklich zu sagen: Mensch, ich bin hier unsicher, ich weiß nicht so richtig weiter. Dafür gibt's Unterstützungsberatungsangebote, die darf man sehr gerne nutzen, die sollte man auch nutzen, denn dafür sind die da. Also das, find ich auch ganz wichtig. Ich hatte mal mit einer Alumna gesprochen, das erzähl ich immer so gerne, weil ich diese Vorstellung so süß finde. Die hatte so ein Belohnungsritual. Die hat sich immer ein Wochenziel gesetzt und wenn sie das Wochenziel erreicht hat, also keine Ahnung, so und so viel Seiten im Studienbrief gelesen, dann hat sie sich immer mit einem Ben & Jerry's am Freitag belohnt.
(Birgit Schröder) Das war ihr Ritual über die gesamte Zeit des Studiums bis zum Ende und, ähm, das fand ich irgendwie 'ne ganz schöne Vorstellung, ne, dass man sich eben so, wie Sie sagen, realistische Ziele setzt, nicht an das Ende quasi denkt, den Abschluss, sondern so wochenweise, das so häppchenweise aufteilt und sagt: Mensch, wenn ich das geschafft hab, dann belohn ich mich selber und dann erkenne ich auch an, dass ich das neben Beruf, Familie, was man sonst alles so die Ohren hat, geschafft hat.
(Birgit Schröder) Das fand ich persönlich 'ne ganz schöne, 'ne ganz schöne Vorstellung, das genauso zu machen. Das kommt, glaub ich, immer viel zu kurz.
(Sebastian Scholz) Ja, kommt. Und das sind dann eben diese, diese Motivationsschübe, so für die Einstellung, auch für die Einstellung zum Studium und worauf man sich ja dann freut. Ja, auf, auf das Eis freut man sich ja dann, weil man ja dann wirklich weiß: Boah, das ist ein Stück, 'ne Etappe, die ich wieder geschafft hab. Und dann würd ich jetzt sagen, zu der Studierenden: Sehen Sie, da haben Sie sich selber konditioniert. Super, klasse, da ist der Transfer schon wieder da.
(Birgit Schröder) Genau, und die hat das Studium auch erfolgreich abgeschlossen. Also es hat sozusagen auch bis zum Ende getragen. Wir wissen jetzt nicht, ob's am Eis lag oder ob's nur am Eis lag oder mit am Eis, ist auch völlig egal, aber das hat sie, das hat sie tatsächlich, beibehalten und das ist, kann ja auch irgendwas ganz anderes sein, wenn man jetzt, keine Ahnung, irgendwas anderes hat, was einem Freude macht. Aber ich glaube, ich hör so ganz oft, wenn ich mit Studierenden spreche, dass sie, ich finde, das ist tatsächlich auch ganz häufig ein Frauenthema, dass man so sagt:
(Birgit Schröder) Mensch, wenn ich jetzt sage: "Mensch, ich find das toll, dass Sie das geschafft haben, neben Ihren beruflichen, neben Ihren privaten Herausforderungen", da kommt ganz oft so: "Ach ja, ja, das ging schon so." Und dann denke ich immer: Nee, weil es ist ja, wir sind immer so schlecht, glaube ich, darin, einfach mal anzuerkennen, dass das 'n, 'n großer Wert ist, 'ne große Leistung. Und darauf darf man auch gerne mal stolz sein. Und man darf so 'n Kompliment, das von mir ja auch wirklich ernst gemeint ist, auch gerne so annehmen und sollte das gar nicht so abtun nach dem Motto:
(Birgit Schröder) "Ach ja, so schlimm war das ja gar nicht", sondern-
(Sebastian Scholz) Mhm.
(Birgit Schröder) -auch wirklich sagen: "Mensch, ich hab das geschafft. Allen Widerständen zum Trotz, allen Aufgaben zum Trotz, allen Herausforderungen." Und das ist mir immer ganz wichtig, weil ich glaube, nur wenn man das auch gebührend feiert, ähm, und sich da auch wertschätzt an der Stelle, ähm, ist das letztlich auch was, was dann über so 'ne Zeit tragen kann, ne? Oder wie sehen Sie das?
(Sebastian Scholz) Das sehe ich genauso. Das, ja, das sehe ich genauso und viele Studierende sagen dann oft, nicht immer, aber oft auch: "Das ist ja nur eine Hausarbeit." Und dann sage ich auch immer: "Was heißt denn hier nur? Sie schreiben, über zehn Seiten nach hohen wissenschaftlichen Standards, die kontrolliert wird, ob Sie da nicht irgendwo was geklaut haben, wollen dann 'ne gute Note haben, haben, was weiß ich noch, in Ihrem privaten Umfeld gerade Stress mit der Partnerin oder Stress auf der Arbeit.
(Sebastian Scholz) Oder sie bauen grad 'n Haus, haben nebendran 'ne Baustelle. Da ist das nicht einfach nur so. Ja, das ist Zeit, die Sie investieren, die Sie für sich wirklich investieren, weil Sie's ja gut machen wollen. Das ist nicht einfach, ist nur eine Hausarbeit oder das mache ich nur nebenbei. Ja, und das ist auch ganz... Ich hab viele Gespräche, wo's dann, auch wirklich darum, darum geht, so zu reflektieren. Man darf wirklich auch mal stolz auf sich sein, dass man dieses, dieses Studium, das ja jetzt nicht ohne ist, egal ob's jetzt Soziale Arbeit, Psychologie, oder BWL oder was ist, das Berufsbegleitende, das ist schon 'ne Hausnummer und da wächst man dran.
(Sebastian Scholz) Und ich glaube, und hab das schon oft gehört, dass sich viele Studierende das anders vorstellen, anders den Plan gemacht haben, als es dann in der Reali, Realität war. Und auch da ist ganz oft wieder, dann ändern sie den Plan. Machen sie sich 'n groben Rahmen, aber bauen sie sich viel, viel mehr Flexibilität ein. Ja, zum Beispiel, ich wollte bis zum Ende der Woche, zwei Kapitel im Studienbrief gelesen haben. Jetzt ist das Kind krank. Ja, jetzt schaff ich's nicht. Ja, dann schaffen sie's nicht.
(Sebastian Scholz) Ja, dann ist das auch völlig okay. Am Ende ist man auch nur 'n Mensch und dann darf man sagen: "Das schaff ich jetzt nicht, dafür schaff ich wann anders 'n bisschen mehr vielleicht." Aber das ist ganz oft wirklich auch so für sich selbst anzuerkennen, ähm, und auch sich selber mal auf die Schultern klopfen. Ich hatte im Bachelorstudium 'n Dozent, der hat nach jeder Vorlesung gesagt: "Klopfen Sie sich auf die Schulter und Ihrem Sitznachbarn, weil Sie haben heute wieder 'ne Etappe geschafft." Ja, und da sind wir wieder bei diesen kleinen, wirklich kleinen Zielen. Ja, so eine Vorlesung oder ein Kapitel, ähm, das ist, muss man, sollte man honorieren, weil das fördert die Motivation und man selber weiß ja noch für sich:
(Sebastian Scholz) Das hab ich geschafft, trotz allem, was ich nebendran hab.
(Birgit Schröder) Ja, und Kinder, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, werden ja immer dann krank, wenn's am wenigsten passt. Das gehört so.
(Sebastian Scholz) Ja, genau.
(Birgit Schröder) Und ganz viele Studierenden haben eben Kinder oder bekommen Kinder während des Studiums. Und ich finde, gerade so ein Studium mit kleinen Kindern zu absolvieren, ist, glaube ich, noch mal eine ganz besondere Hausnummer. Das muss man auch ehrlicherweise sagen.
(Sebastian Scholz) Ja, aber auch das kriegt man dann hin. Also ich hab dann meistens nachts, nachts noch 'n Studienbrief gelesen oder wenn alle ins Bett sind, hab ich dann noch mal an der Hausarbeit geschrieben. So die Pausen auf der Arbeit, ähm, hab ich dann den Laptop mitgenommen und hab das dann da gemacht. Also auch da ist es das Schöne am Fernstudium, dass man ganz viel Flexibilität hat und gucken kann, wo mache ich was, wo kann ich grade was leisten? Wie passt es grade, ja, in meinen Alltag rein?
(Sebastian Scholz) Ja, dann kann ich das machen und, passt nicht, kann man sich immer noch abmelden und kann das dann wirklich verschieben. Und das ist schön. Das ist echt schön und ich glaub auch, ganz oft, diese Flexibilität, die man hat bei so 'nem Fernstudium an der HFH, das ist, dass man wirklich auch sagen kann: "Ja, ich fühl mich unsicher. Ich mach's lieber nicht, sondern schieb das noch mal und bereite mich richtig drauf vor." Ein ganz, ganz großer Vorteil.
(Birgit Schröder) Ja, mit Sicherheit. Ich würde Sie gerne zum Ende unseres Gesprächs noch fragen, ob Sie so was wie ein Lebensmotto haben, das Sie mit uns teilen mögen.
(Sebastian Scholz) Mhm, ich hab tatsächlich ganz, ganz viele und werf die regelmäßig übern Haufen. Aber so eins ist geblieben von meiner Oma. Die hat immer gesagt: "Mach die Dinge, die du kannst, die machste. Und die, die du nicht kannst, kannst du noch nicht. Aber hör nicht auf, sie zu probieren." Und das trifft in ganz, ganz vielen Bereichen des Lebens zu. Und das hab ich festgestellt, im Studium ist es auch so: Man kann viel, aber es gibt auch wirklich so Tagesformen, da kann man's nicht oder man kann es noch nicht, soll man ja sagen.
(Sebastian Scholz) Es ist ja positive Psychologie, man soll ja das noch nicht sagen. Ja, immer weiter probieren.... und wie Sie gesagt haben, sich Hilfe holen. Das kann man überall. Ich hatte ein Buch "Statistik für Dummies". Das hat mir auch nicht geholfen. Ich hätte Statistik für Super-Dummies gebraucht. Ich hab dann tatsächlich Nachhilfe genommen am Ende. Das hat dann geholfen. Aber ja, Hilfe nehmen.
(Birgit Schröder) Ja, aber ich glaub, bei Statistik verzweifeln immer mehr Leute und das ist, glaub ich, in, in allen Studiengängen, überall, wo Statistik als Modul auftaucht, hören wir immer wieder, dass durch die Bank da die, die großen Herausforderungen gesehen werden. Also da sind Sie, glaub ich, in sehr, sehr guter Gesellschaft.
(Sebastian Scholz) Ja, ja.
(Birgit Schröder) Und das hilft ja auch, ne? Zu wissen, dass es ganz vielen schwerfällt. Also-
(Sebastian Scholz) Ja, genau. Genau, und ich hatte auch, in den Statistikvorlesungen, nach dem ersten Mal durchfallen, waren da ganz viele Gesichter dabei. Dann: "Ey, du bist ja schon wieder da." "Ja, du auch?" "Ja, hat nicht geklappt." "Ja, dann machen wir halt noch 'ne Runde." Ja, und das ist auch dieses, ach, da ist man nicht alleine, ja, und das motiviert dann auch wieder. Und dann schließen sich ganz neue Lerngruppen und das ist dann echt schön.
(Birgit Schröder) Ja, wunderbar. Das war ein sehr schönes Gespräch mit Ihnen. Herzlichen Dank, dass Sie, dass Sie sich die Zeit genommen haben und ich glaube, ganz viele, die das jetzt hören, haben noch mal so einen, einen Motivationsschub bekommen und vielleicht auch 'ne Idee davon, wie man sich selber motiviert, auch in den Zeiten, in denen das vielleicht einfach mal notwendig ist. Und da wir diesen Podcast jetzt, unmittelbar vor Jahresende quasi aufnehmen, wünschen wir auf jeden Fall allen, die das hören, ein wunderbares, ein gesundes, ein erfolgreiches 2026.
(Birgit Schröder) Kommen Sie gut in das neue Jahr. Haben Sie ein gutes Jahr. Wir wünschen Ihnen, dass möglichst viele Ihrer ganz persönlichen Wünsche sich erfüllen mögen, wo auch immer sie liegen. Das ist ja auch mal was ganz Individuelles. Und Ihnen, Herr Scholz, danke ich sehr für das Gespräch und sehr für Ihre Zeit, zu dieser etwas unchristlichen Zeit zwischen den Jahren. Es war ganz toll, dass Sie, dass Sie mit mir gesprochen haben.
(Sebastian Scholz) Ja, vielen Dank. Ich kann mich anschließen. So, ich bin kein Fan von Neujahrsvorsätzen, weil die erzeugen so viel Druck. Ja, man hat so, so Vorstellungen und Ziele, so, das wünsche ich so den Zuhörern, dass die so in Erfüllung gehen. Hauptsächlich, dass man gesund bleibt. Das ist so, so das größte Gut, so man selbst und die Liebsten. Genau, und bedanke mich auch, dass das geklappt hat zwischen den Jahren. Und genau, bedanke mich auch herzlich bei Ihnen, dass Sie das machen. Ich glaube, das ist für viele Studierende oder die, die anfangen wollen zu studieren und so das große Fragezeichen:
(Sebastian Scholz) "Oh, was heißt Fernstudium?" haben, dass da doch viele Fragezeichen schon mal genommen werden können.
(Birgit Schröder) Ja, vielen Dank für das Feedback.

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