Transkript Alumnus Stefan Magnus-Löser
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Herzlich willkommen zu einer neuen Folge. Herzlich willkommen zu einem neuen Gesprächspartner. Ich freue mich sehr, dass Sie Zeit haben, heute für ein Gespräch. Dafür erstmal ganz, ganz herzlichen Dank und ich würde Sie bitten, dass Sie sich einmal direkt selbst vorstellen.
(Stefan Magnus-Löser) Ja, vielen Dank für die Einladung. Mein Name ist Stefan Magnus-Löser. Ich komme aus Magdeburg, bin am Institut für Weiterbildung der Kranken- und Altenpflege tätig als Pädagoge und habe gerade meinen Bachelorstudiengang Berufspädagogik für Gesundheits- und Sozialberufe an der Hamburger Fernhochschule abgeschlossen.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Genau. Und deswegen sind Sie natürlich unser idealer Kandidat für ein Gespräch, um vielleicht Interessierten so ein bisschen Einblick zu geben. Was erwartet einen da? Womit muss man rechnen? Und diese ganzen Themen. Wenn Sie jetzt Ihr Studium gerade abgeschlossen haben, könnten Sie schon sagen, was Sie eigentlich jetzt damit vorhaben.
(Stefan Magnus-Löser) Also das Ziel war ja tatsächlich, das Studium auch zu machen, damit ich halt auch in den Bereich Ausbildung, vor allem also insbesondere in den Bereich Theorie, gehen kann und das Studium ja in dem Moment auch verpflichtend für uns war, sodass wir im Prinzip halt unsere Lehrberechtigung kriegen.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Und gibt es so Sachen, von denen Sie jetzt im Nachgang so im Rückblick sagen würden „Mensch, die hätte ich vielleicht brauchen können, die waren aber im Studium gar nicht Thema“?
(Stefan Magnus-Löser) Oh ja, da würde mir ganz spontan einfallen Ja, so an sich dieser Umgang. Wie geht man mit heterogenen Klassen grundsätzlich um? Aber da habe ich inzwischen auch gelernt, da gibt es leider kein wirkliches Patentrezept. Aber ich, was man so auch von Kommilitonen hört, ist, dass das immer Thema Nummer eins, was sich alle wünschen. Ja, wie gehe ich, wenn ich in die Klasse reingehe, wie gehe ich mit denen um, dass die nicht merken, dass ich vielleicht auch neu bin? Und solche Geschichten. Ja, aber das ist halt nichts, wo uns auch Dozenten und Professoren wirklich darauf vorbereiten können, weil dafür ist die Heterogenität einfach viel zu groß inzwischen.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Und vielleicht so, wie Sie sagen, wenn es gar kein richtiges Patentrezept gibt, dann ist es wahrscheinlich was, was ganz viel mit Haltung zu tun hat und mit Erfahrung. Und was sich dann wahrscheinlich entwickeln muss. So ein bisschen.
(Stefan Magnus-Löser) Genau, dieses im Grunde genommen learning by doing. Also wichtig ist immer, man bereitet sich auf etwas vor. So wie die Professoren sich auf die Vorlesungen vorbereitet haben, so geht man natürlich auch rein und man lernt mit den Erfahrungen. Ja, und das sind die Grundlagen, die wir im Studium auch gelernt haben, gerade in den ersten Modulen damals. Allgemeine Pädagogik war mit das erste Modul, was wir alle belegt haben, wo man so die Grundzüge ja noch mal intensiv vermittelt bekommen hat. Wie lernt der Mensch und wie vermittelt man auch Wissen. Und da habe ich auch ganz viel mitgenommen. Und das ist das, was ich mir bis heute beibehalten habe und auch umsetze.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Ja, sehr spannend. Und was begeistert Sie so an Ihrer Arbeit? Könnten Sie das sagen?
(Stefan Magnus-Löser) Oh, da gibt es viele Sachen. Also an sich ist es ein toller Beruf, sehr vielfältig. Auch ein Beruf, der viel Freiheiten mit sich bringt. Und was mich besonders begeistert, ist eben die Erfahrung, die ich über die Jahre in meinem eigenen Beruf - also ich habe ja vorher Gesundheits- und Krankenpflege gelernt, die Fachweiterbildung Anästhesie und Intensivpflege absolviert und dann auch diese Qualifikation Praxisanleiter gemacht. Und es hat einfach immer für mich schon sehr viel Spaß gemacht, dieses Wissen, diese Erfahrung, die man gemacht hat, den künftigen Generationen mit auf den Weg zu geben und diese Erfahrungen auch zu teilen. Und nichts anderes macht man im Prinzip jetzt auch vor den Klassen. Jetzt sind es halt keine einzelnen Auszubildenden, sondern es sind ganze Klassen. Und es bringt einfach für mich persönlich jede Menge Spaß und Freude. Mein Wissen, was ich über Jahre hinweg erworben habe, jetzt zu vermitteln.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Und so ein perfekter Arbeitstag, wenn Sie sich einen wünschen dürften, wie sähe der aus?
(Stefan Magnus-Löser) Oh, der perfekte Arbeitstag wäre für mich, wenn man auf Arbeit kommt und der Kaffee ist schon fertig. Das Glück habe ich meistens nicht, weil ich leider meistens immer der Erste auf Arbeit bin. Ich bin so richtig der Morgenmensch und ich brauche früh immer diese Zeit für mich. Das ist für mich schon wirklich der perfekte Moment. Man kommt früh in die Schule rein, macht den Kaffee und hat hier noch so eine Stunde, circa ein leeres Schulgebäude und das ist so eine schöne Ruhe, so eine entspannte Atmosphäre. Und da schaffe ich auch ganz, ganz viel. Und ja, der perfekte Arbeitstag. Ansonsten wäre okay, wenn alles mal so nach Plan richtig verläuft, wie man es sich vorgenommen hat. Aber irgendwas kommt doch immer wieder dazwischen.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Aber vielleicht macht das ja dann auch gerade den Reiz aus. Es ist ja ganz oft so, wir machen uns irgendwie einen Plan und haben so eine genaue Vorstellung und dann läuft so ein Tag irgendwie komplett anders als gedacht.
(Stefan Magnus-Löser) Ja, das, was man als Lehrkraft tatsächlich auch sehr früh lernt, ist, dass es wirklich, auch wenn man es noch so sehr plant, läuft nichts nach Plan. Manchmal. Irgendwas ist immer.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Und liegt es mehr an den Schülern oder liegt es mehr an den Rahmenbedingungen, dass so Sachen dann doch anders laufen?
(Stefan Magnus-Löser) Wir haben es glaube aktuell doch sehr vermehrt mit der Generation der Auszubildenden zu tun, die uns in bestimmten Dingen manchmal so das Leben, doch nicht böswillig, das würde ich nie sagen, aber wir waren auch mal jung und wir haben auch unsere Lehrer manchmal zur Weißglut getrieben. Das ist jetzt nicht anders. Jetzt sind wir nur auf der anderen Seite der Tische und ich denke, da muss man einfach auch mit leben. Und ja, das meiste endet irgendwo gut.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Wie bringe ich Sie denn zur Weißglut, wenn ich es drauf anlegen wollte?
(Stefan Magnus-Löser) Also bei mir ist es persönlich, das würden meine Kollegen denke ich auch bestätigen, sehr, sehr schwer, mich wirklich richtig zur Weißglut zu bringen. Aber richtig zur Weißglut können mich meine Azubis auf dem Weg bringen. Ja, wenn sie doch es schaffen, von fünf Tagen viermal zu verschlafen oder sowas, dann bin ich dann irgendwann auch an einem Punkt, wo ich sage okay, ich schenke dir zu Weihnachten einen neuen Wecker.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Okay, aber das kann man ja, würde ich jetzt denken, noch relativ einfach abstellen, oder?
(Stefan Magnus-Löser) Mein einer Dozent hat uns damals vermittelt, und da hatte ich so einen nicht böswilligen, aber so doch schon Diskurs, was das Thema Erwachsenenbildung angeht. Und unser Dozent hat ganz klar die Auffassung gehabt, Erwachsenenbildung hat nichts mehr mit Erziehung zu tun. Und ja, da habe ich dann auch gesagt, ich sage, das würde ich so nicht behaupten. Ich sage, eine gewisse erziehende Rolle haben wir auch. Ich würde es nicht Erziehung nennen, aber es gibt irgendwelche moralischen und ethischen Werte, die wir doch alle irgendwo befolgen sollten und es hat auch was mit Respekt zu tun. Und diesen Weg versuche ich dann immer auch zu gehen, dass ich dann das Beispiel bringe: Jetzt stell dir vor, du bist der Nachtdienst, willst nach Hause nach deiner acht Stunden Nachtschicht und der ganze Frühdienst sagt einer meldet sich krank und zwei kommen zu spät und du kannst deswegen nicht pünktlich nach Hause. Und dann einfach die Rolle zu sagen: okay, wie würdest du dich fühlen? In den meisten Fällen klappt es gut. Nach zwei Wochen reißt es dann kurz wieder ein und dann fängt das Spiel von vorne an, aber man hat zwei Wochen Ruhe.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Ja, das interessiert mich jetzt tatsächlich, weil ich habe auch noch, also ich habe selber auch Kinder, einer davon ist noch in der Schule, macht jetzt Abi und tatsächlich nehme ich wahr, so an Schulen, fehlende Konsequenz aus meiner Elternperspektive. Also ich würde mir da einfach mehr Konsequenz wünschen, sage ich ganz ehrlich. Also dass es eben nicht egal ist, ob man fünf Minuten jeden Tag zu spät kommt und dass es nicht egal ist, ob ich mich an Fristen nicht halte, weil andersrum ist es ja so, wir sehen ja bei vielen Studierenden, dass sie es nie gelernt haben, dass bestimmte Dinge verbindlich sind, zum Beispiel wenn es heißt bis dann und dann muss etwas abgegeben werden, dass das kein Angebot ist, sondern eine Ansage, das muss dann auch da sein. Und ich meine dieses Zu spät kommen. Ich meine, jeder kann mal zu spät kommen, klar. Aber wenn das eben eine gewisse Routine bekommt, dass ich eigentlich immer zu spät bin, und sei es auch nur ein paar Minuten, hat das für mich persönlich immer schon so eine gewisse Beliebigkeit, oder?
(Stefan Magnus-Löser) Ja, definitiv. Ja, es ist natürlich immer eine Gratwanderung, so ein bisschen. Also man muss da glaube ein bisschen leicht ausholen, also im pädagogischen Sinne, was das Thema Leistungen angeht. Wie Sie jetzt gerade gesagt haben, man gibt einen Arbeitsauftrag oder eine Aufgabe raus, die ist bis dann und dann abzugeben. Da habe ich ein gutes Mittel. Wenn die Aufgabe nicht pünktlich vorliegt, dann ist es halt ungenügend. Das ist erstmal Fakt. Im arbeitsrechtlichen Sinne haben wir als Schulen also auch im berufsbildenden Kontext als Berufsfachschulpflegeschule nicht so die große Handhabe, weil die Träger da noch vorgeschaltet sind, also die Ausbildungsstätten. Und wir können jetzt nicht tatsächlich grundlegend sagen okay, wir mahnen dich jetzt ab. Wir können auch mit Ermahnung Abmahnung, aber grundsätzlich sind uns da so ein bisschen rechtlich die Hände gebunden. Also was wir machen, ist natürlich, wir sind sehr transparent mit den Ausbildungsträger, dass wir sagen, okay, ein Gespräch reicht nicht, also werden wir tatsächlich mit dir und deinem Betrieb jetzt ins Gespräch gehen. Und das ist tatsächlich eine Methode, die auch gut funktioniert, weil dann der Betrieb natürlich dann sagen kann, okay, du hast jetzt hier soundso viele Stunden unentschuldigte Fehlzeiten, dann ziehen wir die jetzt halt auch mal vom Gehalt ab.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Aber das wirkt doch, oder?
(Stefan Magnus-Löser) Das ist Glaube da, wo es denn bei den meisten Azubis dann auch mal weh tut. Aber da bin ich auch ehrlich, es ist das letzte Mittel und es ist auch nicht das Mittel, was ich jetzt bevorzuge so weit zu gehen. Außer es wird wirklich ganz extrem. In den meisten Fällen und dann kommt man da auch gut ran an diese Moral, an die Moral und das Gewissen zu appellieren, zu sagen: Möchtest du das, dass das bei dir so gemacht wird? In den meisten Fällen funktioniert es und da bin ich vielleicht auch human oder auch sehr schülerorientiert. Ich sage, ja, wie ich gesagt habe, wir waren auch mal jung. Es ist jetzt auch eine andere Generation und die sind anders sozialisiert, haben anders gelernt, auch in der Schule. Manche sind auch aus der Corona Zeit noch zur Schule gegangen. Das ist, glaube ich, noch so die Restwirkung, die man manchmal auch zu spüren kriegt. Ja, man muss, denke ich, einen guten Mittelweg finden. Und das schätzen, zumindest so auch die Rückmeldungen der Auszubildenden, die Auszubildenden auch an meiner Person als Lehrkraft oder auch meine Klasse als Klassenleiter, also diesen Konsens irgendwo zu suchen. Nicht autoritär.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Aber ist es dann auch so? Ich meine, Sie arbeiten ja tendenziell dann mit älteren Menschen im Sinne von die sind jetzt nicht gerade in der Pubertät, das heißt, sie sind ja schon ein bisschen fortgeschritten, auch in der Lebensplanung. Dann ist es bei Ihnen dann auch noch so, dass es große Unterschiede gibt, wie Schüler sich verhalten, wie Klassen sich verhalten, je nachdem, wer vorne steht. Oder wird das dann weniger, wenn man älter wird?
(Stefan Magnus-Löser) Nein, das ist. Das macht denke ich schon ein Unterschied. Wir führen ja auch regelmäßig Befragungen durch im Rahmen von unserer Qualitätsmanagerin aus. Was möchten wir und was können wir verändern. Also, dass wir auch die Auszubildenden fragen: Wie empfinden Sie den Unterricht der Lehrkräfte? Wie empfinden Sie, die Sozialkompetenz auch der Lehrkraft? Weil ich weiß, auch aus eigenem Umfeld, und das ist sicherlich auch Lehrkräfte gibt, die sehr autoritär sein können, sehr auch von oben herab. Das ist das, was auch bei den Auszubildenden nicht gut ankommt. Sondern sie möchten schon irgendwo, dass man sagt: Okay, ich bin die Respektsperson, ich stehe hier vorne als Lehrkraft, aber wenn der Unterricht gut funktioniert, dann können wir uns auch auf einem Level der Augenhöhe irgendwo bewegen. Bis zu einem gewissen Punkt. Dann macht man Spaß mit. Dann muss aber wieder der Ernst der Situation, des Lernens im Vordergrund stehen. Und das schätzen die Schüler am meisten oder die Auszubildenden. Und ja, autoritär ist glaube auch der falsche Weg, was das Pädagogische angeht. Mein Credo ist auch hier sagen, wenn es gut funktioniert, dann komme ich euch mit anderen Dingen entgegen. Dann gibt es halt für die Leistungen auch oder für die Leistungserhebungen auch mal den Schwerpunkt. Was solltet ihr euch noch mal angucken? Funktioniert es nicht, dann habe ich auch schon zu Klassen gesagt, Gut, ihr wisst es besser, ihr könnt es, ihr könnt alles dann und dann ist der Test und dann seht zu, was er lernt
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Und dann wie kommt das an?
(Stefan Magnus-Löser) Dann ist man erstmal natürlich der Böse. Da muss man dann halt auch mal durch. Dann oder manchmal ist es dann so, dass das funktioniert auch gut, wenn man das dann wirklich mal sagt. Ich habe meine eigenen Klasse vor kurzem, ich weiß gar nicht mehr warum, wirklich eine heftige Ansage macht, dass das so nicht funktioniert. Und dann regulieren sie sich tatsächlich auch manchmal selbst, weil es gibt tatsächlich in den Klassenverbänden, in den Kohorten immer auch ein paar, die dann doch noch mal nachdenken und überlegen. Es war schon nicht gut, wie wir uns verhalten haben. Und die kommen dann meistens dann auch noch mal hoch und fragen dann noch mal nach und versuchen dann irgendwie die Lösung zu suchen. Das funktioniert tatsächlich wirklich gut. Und wenn man so ein bisschen weiß, welche Auszubildenden das sind in der Klasse, man hat ja auch seine Klassensprecher, die dann auch die Brücke so ein bisschen bilden, dann spreche ich auch meistens erst mit denen. Ich sage sprecht das bitte mit der Klasse ab. Ich sage, wenn es nicht funktioniert, werde ich mich einschalten. Also man versucht Brücken zu bauen. Ja und wie gesagt, auch diese Selbstregulation auch zuzulassen, weil das ist glaube ich auch ganz wichtig für die Entwicklung, auch in der beruflichen Bildung. Sie sind heranwachsende Erwachsene, nicht mehr in der Pubertät hatten Sie ja richtig gesagt. Da brauchen Sie aber auch diese Möglichkeit, da auch selbst diese Erfahrung zu machen.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Und wenn Sie jetzt so auf Ihr Studium zurückblicken und uns sagen Mensch, ich bin jetzt am Überlegen, soll ich so ein Studium auch machen? Lohnt sich das für mich? Ist das eine gute Idee? Wie? Wie würden Sie das einschätzen? Was haben Sie für Möglichkeiten? Jetzt, die Sie vielleicht ohne Ihr Studium nicht hätten?
(Stefan Magnus-Löser) Also zu dem ersten Teil ein ganz klares Ja. Ich kann jedem nur empfehlen, der sich weiterentwickeln möchte. Persönlich. Beruflich. Ein Studium anzufangen also oder sich weiterzubilden. Also das ist das Beste, was man machen kann. Man lernt so viele neue Dinge sowohl an sich selbst, wo die eigenen persönlichen Stärken und natürlich das Fachliche noch mit gekoppelt ist. Und wie gesagt, mir persönlich hat es unheimlich auch geholfen, Prozesse, das Thema Schule aus ganz neuen Perspektiven zu sehen. Vorher kannte ich Schule auch bloß aus der Situation, klar, ich saß da in der allgemeinbildenden Schule, später in der Ausbildung, dann im Bereich der Fachweiterbildung. Jetzt steht man auf der anderen Seite und das Studium hat definitiv geholfen diese Perspektive zu verstehen. Das Fachliche muss man sich auch selbst mit vermitteln. Also ich kann von keinem, von keiner Hochschule erwarten, dass die Hochschule mir die Inhalte, die ich selbst irgendwann mal lehre, irgendwo vorzulegen, sondern das muss ich mir selbst erarbeiten. Aber wie ich das mache und wie ich das auch vermittle, didaktisch, methodisch, die Grundzüge bekommt man, und das hat mir sehr geholfen. Und da bin ich den Dozenten an der HFH, bis heute sehr dankbar, dass das wirklich, tatsächlich ja für die persönliche Entwicklung unheimlich wertvoll war.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Und wie geht es für Sie persönlich jetzt weiter?
(Stefan Magnus-Löser) Für mich persönlich geht es jetzt insofern weiter. Ich bin inzwischen auch wieder Student. Also ich wurde gerade an der HFH offiziell erfolgreich exmatrikuliert und habe mich dann jetzt entsprechend für den Masterstudiengang entschieden. Ich muss jetzt zugeben, nicht an der HFH. Nicht, weil es schlecht war. Das würde ich wirklich nicht sagen, sondern einfach, weil ich auch der Meinung bin, wir haben Bildungsvielfalt und das ist was ganz Wichtiges, wie ich gesagt habe. Ich möchte auch noch eine andere Hochschule kennenlernen und schauen, wie oder was nehme ich da noch mit für mich persönlich? Ja, neben dem Fachlichen halt, muss ich einen Master machen, damit ich in der Pflege weitestgehend, in Sachsen Anhalt ist das halt geregelt in der Verordnung, dass wir den Master für den Theorieunterricht brauchen, denn ab 2029. Von daher stand die Frage nicht im Raum. Aber ich sehe es jetzt nicht als Druck oder Zwang an, sondern ich freue mich jetzt drauf, dass es wieder angefangen hat und ich bin hochmotiviert.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Das hört sich gut an! Haben Sie denn noch Ideen? Wir fragen ja auch immer gerne so Studiengänge, die sind natürlich akkreditiert und reakkreditiert, aber das ist ja nichts Statisches. Man guckt auch immer so ein bisschen: Gibt es irgendwas, was fehlt oder was Studierende brauchen. Jetzt vielleicht so rückblickend, wo man oder was man noch mit aufnehmen kann oder wo man vielleicht noch einen Schwerpunkt setzen kann?
(Stefan Magnus-Löser) Oh ja, also so ganz spontan würde mir da so ein ganz wichtiges Thema einfallen, was ja nun gerade sowohl sehr medial ist. Das ist ja natürlich das Thema künstliche Intelligenz. Und hier, wenn es so Module gäbe, ich weiß nicht, ich kann jetzt nicht in jedem Modulplan, so mich reindenken, was da so drin steht, werden natürlich hier insbesondere Module sehr gut in verschiedenen fachlichen Richtungen, was so KI halt alles möglich macht, wo aber auch die Herausforderungen und die Schwierigkeiten mit KI liegen, sowohl im Bereich Bildung, aber natürlich auch in beruflichen Kontexten. Das ist tatsächlich ein brandaktuelles Thema. Und was ich mir auch gut vorstellen könnte, das wäre auch für mich persönlich auch noch eine Option, sich da weiterzuentwickeln. Aspekte, die halt natürlich auch Politik und Demokratieverständnis noch irgendwo immer mit einbeziehen. Ich denke, das ist auch für die Hochschulen wichtig, weil die Hochschulen natürlich auch eine multikulturelle Institution sind, sowohl im Bereich der Studierenden als auch sicherlich im Bereich der Lehrenden. Und ich halte es für sehr wichtig, dass in vielen Studiengängen, völlig egal welcher Studiengang das ist, tatsächlich auch das Thema, also solche Themen wie Politik und Demokratieverständnis irgendwo mit eingebunden werden.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Ja, das sind doch auch wirklich beides, glaube ich brandaktuelle Themen. Also KI sowieso ist in aller Munde und ich meine das Thema Demokratie, den Umgang damit und wesentliche Bestandteile natürlich gerade in diesen Zeiten einmal mehr. Vielleicht so sehr wie lange nicht mehr. Sagen wir es mal so, sagen wir es mal ganz vorsichtig. Ja, prima. Also ich finde das immer sehr, sehr wertvoll. Also ich habe ja nun schon ganz, ganz viele dieser Gespräche geführt und finde es immer ganz spannend zu fragen, so wie die Leute zurückblicken, weil es ist ja immer so, finde ich, wenn man mittendrin ist, dann hat man ja einen anderen Blick auf das Studium an sich, auf Prüfungen, auf Module, als wenn man sozusagen mit ein bisschen zeitlichem Abstand noch mal so reflektiert. Insofern ist das für mich immer ganz, ganz interessant und ich glaube, auch für alle Kollegen und natürlich auch für unsere Interessenten, die sich überlegen Mensch, soll ich das studieren oder nicht? Nun wird es ja auch in Ihrem Studium mal eine Phase gegeben haben, wo Sie gesagt haben: Oh, das nervt alles, Warum mache ich das hier eigentlich? Was macht man denn dann, wenn man mal so einen Durchhänger hat und sagt Mensch, warum tue ich mir das an? Am Strand wäre jetzt auch schön.
(Stefan Magnus-Löser) Also es gab, ich glaube bei mir im Studium tatsächlich drei Momente, wo das tatsächlich mal so war. Einen Moment war tatsächlich so mal gewesen. Da habe ich tatsächlich eine Leistung gerade mit einer vier bestanden gehabt. Am Ende hat man, sagt man bestanden und gut. Würde ich auch heute so sehen. Aber ich habe mich persönlich geärgert, weil es nie mein Anspruch war. Also mein Anspruch war immer, ich möchte eigentlich immer so im Bereich gut liegen und da habe ich mich echt geärgert und da hat man gleich gemerkt, ach verdammt, warum macht man das? Das war so ein Moment. Ein anderer Moment war, da hatte ich meine Bachelorarbeit schon geschrieben und da hatte ich so einen motivierenden Moment und habe frühmorgens am Laptop gesessen. Tasse Kaffee in der Hand und noch zwei, drei Sätze formuliert. Und aus irgendwelchen Gründen meinte mein Laptop „Wir müssen mal jetzt ein Update machen“. Und als ich dann gespeichert, also ich hatte auch Speicherung geklickt, aber irgendwie hat er das nicht in der Cloud direkt gespeichert. Und dann hatte ich danach wieder aufgemacht und ein Großteil meiner Ergebnisse war weg. Und das war so der Moment, wo ich nicht nur meinen Laptop, sondern einfach am liebsten alles hingeschmissen hätte. Also das war so ein richtiger Moment. Das hat mich auch zur Weißglut gebracht, weil man die Frage ja vorhin hatten. Ja, aber was mir immer geholfen hat um dieses, wenn man mal so ein kleines Motivationstief hatte, auch wenn man so kurz vor einer Klausur stand und dachte „Oh mein Gott, was wird da wieder was kommen da für Fragen?“ Ich hatte Super Kommilitonen, mit denen ich mich auch gut vernetzt hatte, weil die auch alle hier aus der Ecke kamen. Ein ehemaliger Kollege, der mit mir gemeinsam studiert hat. Also wir haben das gemeinsam angefangen und wir haben uns immer aufgefangen, motiviert, unterstützt. Prüfungsleistungen bis auf wenige Ausnahmen alle zusammen absolviert. Ob das komplexe Übungen waren, ob das die schriftlichen Klausuren waren oder auch unsere Hausarbeiten, die wir gemeinsam geschrieben haben, das war die beste Stütze. Und deswegen hat mein liebster Kommilitone und ehemaliger Kollege natürlich auch in der Danksagung meiner Bachelorarbeit seinen Platz gefunden. Das war mir auch ganz persönlich wichtig. Und ja, ein ganz wichtiger Punkt, der immer Motivation und Halt gegeben hat, das waren Freunde, Familie und Kollegen also. Aber da hatte man immer ein offenes Ohr und ich kenne keinen Dozenten von der HFH, wenn man geschrieben hat und da eine Frage hatte, auch da hat man immer irgendwie Motivation und Ansporn bekommen.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Aber das heißt, wenn, wenn Sie so einen Tipp geben, so Richtung Vernetzung, das ist schon was Wichtiges im Studium.
(Stefan Magnus-Löser) Definitiv. Und wenn ich da an Vernetzung denke, kann ich jedem Neustudierenden auch nur den Tipp geben, zum Beispiel an dem Mentoring-Programm teilzunehmen, was die HFH hier anbietet. Ich hatte dann auch selbst einmal als Mentor zur Verfügung gestanden und da kann ich auch bloß jedem Studierenden den Tipp geben, dass es die beste Gelegenheit, sich gerade am Anfang auch zu vernetzen, weil man dann auch weiß, das sind auch alles Studenten, die frisch immatrikuliert werden und frisch angefangen haben. Und auch da findet man ja auch einen guten Draht zu den erfahrenen Studenten. Ich hätte es mir gewünscht, dass es das bei mir am Anfang schon gegeben hätte und das hätte auch in vielen Dingen sicherlich geholfen. Bei uns gab es das leider nicht. Wir haben uns dann gegenseitig gestützt. Aber ich finde das echt eine super Sache und das kann ich nur jedem Studierenden empfehlen. Wenn man anfängt, nehmt am Programm teil und holt euch da immer Rat. Die Mentoren stehen da immer zur Seite.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Ja, also das ist tatsächlich ganz spannend, dass sie das sagen, weil das ist auch das Feedback, was immer wieder ankommt. Das ist gerade für Bachelorstudierende halt ganz wichtig am Anfang so, diesen kurzen Kontakt, diesen kurzen Dienstweg zu haben, Fragen zu stellen, Unsicherheiten zu klären. Und da ist das Mentoring Programm, glaube ich, eine ganz gute, eine ganz gute Idee, das einfach abzufangen. Manchmal gibt es auch Masterstudierende, die gerne teilnehmen möchten. Aber tatsächlich ist es eigentlich gedacht für diejenigen, die eben noch nicht so viel Erfahrung haben. Und deswegen hat es, glaube ich, den größeren Stellenwert wirklich für unsere Bachelorstudierenden. Und für die wird es eben im Moment auch nur angeboten. Ja, es ist spannend, dass sie das sagen und wenn sie da selbst mitgemacht haben und zur Verfügung standen, ist es natürlich, glaube ich, auch eine tolle Idee, sein eigenes Wissen oder seine eigenen Erfahrungen dann an die weiterzugeben, die dann gerade am Anfang sind und vielleicht so ein bisschen ja mit sich und dem Studium auch hadern. An der einen oder anderen Stelle oder nicht gleich rein finden oder vielleicht auch sich Sachen anders vorgestellt haben. Auch das darf ja sein.
(Stefan Magnus-Löser) Ja, definitiv. Also wie gesagt, absolute Empfehlung und der beste Weg, wie gesagt, sich zu vernetzen. Und auch von diesen Erfahrungen der Studenten, die ja jetzt schon im dritten, vierten Semester sind, einfach zu profitieren.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Dann würde ich gerne, bevor wir zum Schluss kommen, noch Fragen: Haben Sie so was wie ein Lebensmotto, das Sie begleitet hat bis hierhin.
(Stefan Magnus-Löser) Also tatsächlich. Ich könnte sagen, das Lebensmotto steht auch bei mir auf dem Arm. Da steht tatsächlich Carpe diem. Und, das ist einfach, wo ich sage, Ja, nutze den Tag. Und es gibt so viel Schlechtes auf der Welt, was wir leider erleben müssen, auch aktuell. Und das sage ich sowohl meinen Auszubildenden, das sage ich auch mir jeden Tag. Es gibt auch so viel Positives, was wir haben auf der Welt und das müssen wir auch klar kommunizieren, zeigen. Es gibt so viel Schönes und daran soll man sich erfreuen im Leben und gerade jetzt. Wir haben fast Weihnachten. Weihnachten ist das Fest der Liebe, der Besinnlichkeit, Fest der Familie. Daran sollte man festhalten. Und ich bin sehr froh, wo ich sage, dass es so viel Schönes gibt. Und ich lasse mich von schlechten nicht runterziehen.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Ich glaube, das ist ein wunderbares Schlusswort. Das sollten wir so stehen lassen. Das glaube ich kommt auch an! Also, wir nehmen diese Folge jetzt hier Anfang Dezember auf. Insofern blicken wir tatsächlich auf die Weihnachtszeit. Insofern haben Sie da vielleicht auch so ein bisschen den Weg geebnet für ein bisschen Besinnlichkeit, für ein bisschen Stimmung, die auch mal die alte Einkehr ermöglicht und vielleicht wirklich mal auch so den Blick nach innen. Das, was Sie sagen, ist, glaube ich ganz wichtig. Auch das, dass wir immer sehr defizitorientiert gucken. Wir schauen immer eher, was alles nicht gut läuft und was nicht funktioniert. Und vielleicht ist es eine gute Idee. Und haben Sie da eine Anregung geben können, einfach auch mal zu schauen, was läuft denn alles gut? Und da so ein bisschen mehr den Fokus drauf zu legen und vielleicht sich auch damit so ein bisschen Demut und Dankbarkeit zu üben an der einen oder anderen Stelle, das finde ich ja eine sehr weihnachtliche Botschaft geradezu.
(Stefan Magnus-Löser) Passt ja wie gesagt zurzeit, auch wenn kein Schnee liegt oder so was. Aber wie gesagt, das tut dem keinen Abbruch.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Perfekt. Dann möchte ich mich an dieser Stelle ganz, ganz herzlich bedanken, dass Sie sich die Zeit genommen haben, dass Sie Ihre Gedanken zu Ihrem Studium mit uns geteilt haben. Das ist ganz prima. Wir wissen das sehr zu schätzen. Das ist nicht selbstverständlich, dass sich diejenigen, die sozusagen schon fertig sind mit dem Studium, dann noch mal die Zeit nehmen, um das so ein bisschen im Gespräch auch darzustellen. An der Stelle ganz, ganz herzlichen Dank! Das war ein sehr, sehr schönes, sehr spannendes Gespräch und ja, wir gucken einfach mal so ein bisschen aus der Ferne auf ihrem Weg. Bestimmt hat man noch mal den einen oder anderen Berührungspunkt und dann gucken wir mal, wann es sie wieder an die HFH verschlägt.
(Stefan Magnus-Löser) Ich hoffe es. Wie gesagt, ich hatte ja der Dekanin angeboten, gegebenenfalls auch zu unterstützenden Rahmen bestimmter Lernmodule oder auch Begutachtung von Hausarbeiten. Also ich bin gespannt. Mal sehen, was kommt.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Genau, das habe ich auch so weitergegeben. Das ist nicht verloren gegangen. Also, es ist auf dem Weg. Und deswegen sage ich ja, vielleicht gucken wir mal, dass wir uns an der einen oder anderen Stelle noch mal in ganz anderer Rolle quasi dann noch mal über den Weg laufen.
(Stefan Magnus-Löser) Das wäre super. Ich würde mich freuen.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) Ja, wir freuen uns auch. Wir freuen uns auch immer, wenn ehemalige Studierende auf uns zukommen. Das ist immer eine prima Idee und dann schauen wir, wie das passt. In welchem Rahmen? Und dann melden wir uns auch sehr gerne.
(Stefan Magnus-Löser) Super.
(Prof. Dr. Birgit Schröder) An der Stelle kommen wir zum Ende. Wie gesagt, herzlichen Dank für Ihre Zeit Und auch hier wieder der Hinweis: Wenn Sie jemand sind, der gerne mit uns seine Erfahrungen im Studium teilen möchte oder wenn Sie jemanden kennen, der ein spannender, ein interessanter Gesprächspartner wäre, dann freuen wir uns auf Ihren Hinweis und sagen an der Stelle Vielen Dank fürs Zuhören.