von Vertr.-Prof. Dr. Birgit Schröder / Vertr.-Prof. Dr. Christan Brunner
05.04.2022 | Orientierungswissen

Wer ein Studium plant, stellt sich in der Regel nicht nur die Frage, welches Fach das richtige ist, sondern häufig auch, welchen Abschluss man konkret anstreben sollte.

Für Studienanfänger steht dabei zunächst der Bachelor im Fokus. Der jeweilige Zusatz, also z. B. „of Arts“, „of Science“, „of Engineering“ oder „of Laws“, kennzeichnet den fachlichen Bereich, in dem der Abschluss vergeben wird.

Im Master gibt es diese fachlichen Konkretisierungen ebenfalls. Darüber hinaus gibt es im Bereich der Masterabschlüsse aber auch einen Kandidaten, der einige Besonderheiten mit sich bringt: der „MBA“, also der „Master of Business Administration“.

Dieser Text soll die grundsätzlichen Unterschiede zwischen einem klassischen bzw. „konsekutiven“ Master und einem MBA erklären.


Master und MBA sind gleichwertige Hochschulabschlüsse

Vorab eine wichtige Gemeinsamkeit: Bei beiden handelt es sich um Master­abschlüsse, die rechtlich mit Blick auf das Qualifikationsniveau gleichwertig sind.

Das heißt: Um einen Master oder einen MBA zu starten, benötigt man in aller Regel einen ersten Hochschulabschluss. Das dürfte in den meisten Fällen ein Bachelorabschluss sein, aber auch mit einem älteren Diplom-Abschluss kann man ein weiterführendes Masterstudium bzw. einen MBA starten.

Sowohl ein MBA als auch ein Master qualifizieren – allgemein gesprochen – für höhere und verantwortungsvollere Positionen im Beruf, die vermittelten Fähigkeiten unterscheiden sich jedoch.

Als gleichwertige Hochschulabschlüsse auf Masterniveau eröffnen aber beide auch im akademischen Bereich neue Möglichkeiten und berechtigen z. B. dazu, ein Promotionsstudium zu beginnen.


Master und MBA unterscheiden sich in vielen Aspekten

Neben diesen Gemeinsamkeiten gibt es zwischen Master und MBA aber auch erhebliche Unterschiede – beispielsweise bei den Inhalten, bei Ausrichtung und Praxisnähe sowie bei den jeweiligen Kosten.

Deshalb stellt sich, auch wenn die generelle Entscheidung für einen Master bereits getroffen ist, die wichtige Anschlussfrage nach der Art des Abschlusses: Soll ein spezifischer Master folgen oder eher ein generalistisch ausgerichteter MBA?


Master

Der Master ist seit dem Bologna-Prozess der zweite akademische Bildungsgrad. Ist der Master konsekutiv, was „aufeinanderfolgend“ bedeutet, schließt der Master inhaltlich und oft auch zeitlich direkt an den vorangegangenen Bachelor an.

Während der Bachelor die inhaltlichen und methodischen Grundlagen im jeweiligen Studienfach vermittelt, vertiefen Studierende in einem konsekutiven Master ihr Wissen im spezifischen Themenbereich oder Fach.

In konsekutiven Masterstudiengängen geht es im Kern also um eine intensivere Auseinandersetzung mit den jeweiligen inhaltlichen Themen. Absolvent:innen eines Masterstudiengangs werden damit zu fachlichen Spezialist:innen ihres jeweiligen Themenfeldes.

Die Vertiefungsrichtung wiederum lässt sich, wie beim Bachelor, am Bezeichnungszusatz des Abschlusses erkennen. Es gibt Studiengänge, die zum Beispiel mit einem Master of Arts (M.A.) oder einem Master of Science (M.Sc.) abschließen. Im technischen bzw. ingenieurwissenschaftlichen Bereich sind z. B. der Master of Engineering (M.Eng.) geläufig, im Bereich der Rechtswissenschaften wiederum der Master of Laws (LL.M.).

Durch das fachliche und oft auch zeitliche „Aufeinanderfolgen“ sind die Studierenden in konsekutiven Masterstudiengängen in der Regel deutlich jünger als Studierende eines MBA-Studiengangs. Da sie das bestehende Fachwissen aus dem Bachelor weiter vertiefen, sind konsekutive Masterstudiengänge zudem häufig eher forschungsorientiert angelegt.


MBA

Die Abkürzung „MBA“ steht für Master of Business Administration. MBA-Studiengänge sind nicht-konsekutiv und weisen im Vergleich zum (konsekutiven) Master häufig eine höhere Praxisrelevanz auf. MBA-Absolvent:innen lassen sich eher als Generalisten bezeichnen, die verantwortungsvolle Positionen meist im Bereich des Managements finden.

International gilt ein MBA bei Arbeitnehmer:innen mit mehreren Jahren Berufser­fahrung oft als Karriere-Sprungbrett. Besonders empfiehlt sich ein MBA z. B. für erfahrene Ingenieure, Naturwissenschaftler oder Mediziner, die mit dem MBA-Abschluss in eine verantwortungsvolle Management-Position aufsteigen möchten.

Insofern ist der MBA klassischerweise auch eine generalistisch ausgelegte, berufliche Weiterbildung in den Bereichen Wirtschaft und Management. Auch wenn es mittlerweile unterschiedliche Spezialisierungsmöglichkeiten gibt, bleibt es dennoch bei einer Ausbildung mit dem Schwerpunkt Management.

Im Gegensatz zu einem speziellen Master-Studiengang steht bei einem MBA also weniger die Erweiterung des spezifischen Fachwissens im Fokus. Stattdessen werden im MBA-Studium praxisorientierter Zusatzqualifikationen vermittelt, wobei primär Management- & Leadership-Qualifikationen im Zentrum der akademischen Ausbildung stehen.

Klassische MBA-Studiengänge setzen meist eine mehrjährige Berufserfahrung voraus und sind international ausgerichtet. Aufgrund der generalistischen Ausrichtung richten sie sich vor allem an Interessierte aus nicht-ökonomischen Erststudiengängen.

In einigen (lokalen) Branchen ist ein MBA oftmals wenig bekannt, was u.a. an der mangelnden MBA-Tradition in Deutschland liegt. In internationalen Konzernen kann ein MBA-Titel mit Blick auf die Karriere hingegen einen entscheidenden Unterschied machen.
 

Fazit

Beim Master und MBA handelt sich um gleichwertige aber dennoch unterschiedliche Abschlüsse – welcher zu wem am besten passt, muss ganz persönlich entschieden werden.

Je nach Karriereplanung und persönlichen Präferenzen sollte man angesichts der vielfältigen Angebote die Entscheidung genau abwägen. Was sind die eigenen akademischen bzw. beruflichen Ziele? Eignet sich vielleicht ein berufsbegleitendes Fernstudium für die eigene Lebenssituation besser als ein Präsenzstudium?

Auch sollte man überlegen, ob man international arbeiten und sich generalistisch aufstellen möchte oder eher eine Expertenfunktion in einer bestimmten Branche oder Funktion anstrebt.

Mit Blick auf diese wichtigen Aspekte zeigt sich, dass nicht nur die inhaltliche Ausrichtung des Studiengangs ausschlaggebend sein kann. Auch der Abschluss selbst und die vermittelte Praxisnähe entscheiden mit, ob man die eigenen Ziele letztlich erreicht.

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