von Anja Segschneider
13.10.2020 | Wissenschaftliches Arbeiten

Im Laufe des Studiums kommt niemand drum herum, regelmäßig Texte anderer Autorinnen und Autoren zu zitieren. Doch viele Studierende sind lange verunsichert, wie das genau funktioniert und worauf sie achten sollten. Immerhin passieren viele Falschzitate eher durch Unwissenheit als durch böse Absicht.

Im Folgenden geben wir dir daher ein paar allgemeine Hinweise, worauf du beim Zitieren achten solltest. Tipps zur Form von Zitaten und zum Literaturverzeichnis wird es in einem späteren Blogpost geben. Denn:

Die konkrete Form hängt von der Wissenschaftscommunity ab

Juristen zitieren anders als Biologen und Physiker anders als Literaturwissenschaftler. Leider gibt es keine völlig einheitliche Zitierform in der Forschung, auch wenn die verschiedenen Standards große Gemeinsamkeiten aufweisen. Im Laufe der Zeit haben sich zwar einige gängige Zitierweisen herausgebildet, etwa die APA (American Psychological Association)-Richtlinien oder die Harvard-Zitierweise. Wie ihr konkret in eurem Fach zitiert, ob ihr Fußnoten, Endnoten oder Hinweise im Fließtext verwenden müsst, solltet ihr unbedingt vor der ersten wissenschaftlichen Arbeit bei euren Dozent_innen erfragen.

Schwarzes Fragezeichen in einer Sprechblase

Arten von Zitaten

Grob lässt sich zwischen direkten und indirekten Zitaten unterscheiden. Etwas konkreter gibt es folgende Formen:

  • Das wörtliche Zitat, also eine Aussage, die ihr wortwörtlich übernommen habt. Diese muss zwangsläufig in Anführungsstriche gesetzt werden. Beispiel: „We have always underestimated cells“ (Alberts 1998: 291).
  • Das paraphrasierte Zitat: Wenn Autor_innen eine Aussage in eigenen Worten wiedergeben, ist es üblich ein „vgl.“ vor den Zitationshinweis zu setzen. Wenn ihr also schreibt, dass den Zellen bislang nicht die ausreichende Bedeutung zuerkannt worden sei, sollte die Kennzeichnung so aussehen: (vgl. Alberts 1998: 291).
  • Das leicht abgewandelte Zitat: Inwiefern Aussagen, die fast wortwörtlich übernommen, aber minimal geändert wurden, bereits als Paraphrase gelten, ist eine knifflige Frage und wird von verschiedenen Dozent_innen oft unterschiedlich beurteilt. Üblicherweise gelten jedoch auch minimale Änderungen noch als direktes Zitat. Sie werden dann nicht mehr mit Anführungszeichen versehen. „Vgl.“ solltet ihr in diesem Fall nicht schreiben. Wenn ihr Euch einmal nicht sicher seid, fragt am besten einfach einmal beim Betreuer/der Betreuerin nach.

Nach dem Beispiel oben könnte das abgewandelte Zitat so aussehen: Zellen wurden schon immer unterschätzt (Alberts 1998: 291).

Im Allgemeinen ist es jedoch vor allem wichtig, dass ihr klar zwischen Zitaten beziehungsweise fremden Aussagen und euren eigenen Schlussfolgerungen im Text trennt.

An welche Stelle gehört mein Zitationshinweis?

Der Hinweis, dass es sich bei einer Aussage um ein Zitat handelt, gehört immer so nah wie möglich an das Zitat. Sprich: Wenn ihr mitten im Satz ein wörtliches Zitat verwendet, gehört euer Hinweis auch mitten in den Satz, hinter das Zitat, nicht erst an das Satzende. Beispiel: Alberts konstatierte bereits vor Jahren: „We have always underestimated cells“ (1998: 291), doch die tatsächliche Relevanz wurde durch jüngste Ergebnisse erst deutlich.

 

Eine Frau schaut einer anderen über die Schulter, um abzuschreiben

Bitte selbst die Arbeit machen!

Grundsätzlich gilt: Zitiert nach Möglichkeit Primärquellen! Das heißt, nicht den Autoren zitieren, der schreibt, dass im Gesetz XY etwas steht, sondern das Gesetz selbst nennen (und dann gegebenenfalls die Schlussfolgerung des Autors ergänzen und als dessen Interpretation kennzeichnen).

Leider kommt es immer wieder vor, dass Studierende einfach fremde Fußnoten übernehmen oder ausschließlich aus Sekundärquellen zitieren. Solltet ihr in einem anderen Text einen interessanten Quellenhinweis finden oder zitiert ein anderer Autor eine Aussage, die ihr gern selbst übernehmen würdet, dann macht euch unbedingt die Mühe, die Originalquelle ausfindig zu machen und zu lesen!

Sekundärquellen sind oft gespickt mit Fehlern. Allein aus diesem Grunde solltet ihr sie stets überprüfen. Wenn euch dieses Argument nicht genügt: Die Übernahme fremder Aussagen, ohne diese zu kontrollieren, ist aus wissenschaftlicher Sicht grob fahrlässig und kann euch schlimmstenfalls großen Ärger einhandeln.

Ein paar Tipps zum Abschluss

  • Rechtschreibfehler in einem wörtlichen Zitat solltet ihr immer übernehmen und durch „sic“ oder „sic!“ kennzeichnen. Wen‘s interessiert: „sic“ steht für „sīc erat scriptum“ und heißt übersetzt „so stand es geschrieben“.
  • Vermutlich hat es inzwischen jeder gehört. Trotzdem nochmal: Vorsicht bei Online-Quellen! Wikipedia zitieren ist ein absolutes No-Go. Aber Quellen in Wikipedia-Fußnoten sind doch okay? Jein. Eher nein. Denn oft stammen auch diese von unzuverlässigen Quellen. Doch für Online-Affine gibt es auch gute Neuigkeiten: Verlässliche Online-Quellen existieren. Zum Beispiel in Fachzeitschriften wie Nature oder Fachdatenbanken.
  • Verwendete Literatur solltet ihr immer sofort ins Literaturverzeichnis schreiben. Andernfalls gehen die Quellen schnell verloren. Noch einfacher (und sicherer) ist es, wenn ihr Software wie beispielsweise Citavi nutzt. Damit könnt ihr eure Zitate und Literatur verwalten und geht ein geringeres Risiko ein, später Zitate ohne Quellenangabe im Literaturverzeichnis oder Quellenangaben im Literaturverzeichnis ohne Zitat im Text zu haben.

Und nun: Frohes Schreiben!

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