von Prof. Dr. Marco Waage / Thomas Graf
15.06.2022 | Studium

Wer sich für die neuen HFH-Fernstudiengänge Wirtschaftsinformatik und Digital Engineering interessiert, hat sie vermutlich bereits entdeckt: Die neuen „Project Labs“, die in den beiden Bachelorstudiengängen einen wichtigen Stellenwert einnehmen.

Aber was genau sind „Project Labs“? Wie laufen sie ab, welche Kompetenzen vermitteln sie und wie sieht’s mit dem Workload aus?


Was? Erlerntes in Projekten praktisch anwenden

Wie der Name schon nahelegt, geht es in den Project Labs darum, dass Studierende gemeinsam und virtuell an digitalen Projekten arbeiten.

Diese Projekte können thematisch ganz unterschiedlich sein und verschiedenen Zwecken dienen. Gemeinsam ist ihnen aber in jedem Fall immer, dass sie eine digitale Komponente haben.

Aufgaben in den Project Labs können zum Beispiel sein…

  • Entwicklung digitaler Strategien für Unternehmensprozesse
  • Konzeption digitaler Zwillinge in der Fertigung
  • Konzeption und Entwicklung von Software für Unternehmen
  • Analyse betrieblicher Daten (z.B. aus Marketing und Vertrieb) mit Hilfe von Methoden der Künstlichen Intelligenz
  • Analyse und Optimierung von Geschäftsprozessen mit entsprechenden Tools


Inhalte, Ziele, Workload

„Es ist uns dabei wichtig, die Inhalte der Project Labs aktuellen Entwicklungen in Wissenschaft und Praxis anzupassen. Die Themen können daher von Semester zu Semester stark variieren“, sagt Prof. Dr. Marco Waage, Leiter des Bachelorstudiengangs Wirtschaftsinformatik.

Ein grundlegendes Lernziel der Project Labs ist es, eigenständig eine vorgegebene Problemstellung zu lösen und dafür die im Studium erworbenen Kenntnisse und Methoden anzuwenden.

„Das Lernen vorgegebener Studienbriefe gibt es hier nicht. Für die Studierenden soll in diesem Modul das Networking, die Kreativität und vor allem auch der Spaß an der gemeinsamen Arbeit mit anderen im Vordergrund stehen“, sagt Prof. Waage.

Daher finden die Project Labs gegen Ende des Studiums direkt vor der Bachelorarbeit verteilt über 2 Semester statt. Sie sind gegliedert in 2 Module (PL1 und PL2) mit 6 bzw. 12 ECTS. 

Der Workload für beide Project Labs beträgt insgesamt 450 Stunden (vor allem in Gruppenarbeit). Die beiden Module schließen ab mit einer Hausarbeit (PL1) und einer komplexen Übung (PL2).


Mit wem? Project Labs schulen die interdisziplinäre Zusammenarbeit

Auch wenn es vornehmlich um digitale Prozesse, um Entwicklung, Implementierung und Anwendung von Software oder um den Umgang mit Daten geht, sind die Project Labs keine geschlossene Veranstaltung für „ITler“ oder Datenspezialist:innen.

Im Gegenteil: Zwar ist in der Wirtschaftsinformatik und im Digital Engineering natürlich ein tiefergehendes Wissen in Digitalisierungsthemen gefragt. Aber dieses muss so eingesetzt werden, dass auch alle anderen Abteilungen von der Arbeit der IT-Verantwortlichen im Unternehmen profitieren können.

Deshalb nehmen Wirtschaftsinformatiker:innen und Digital Engineers oft die Rolle von „Übersetzer:innen“ ein, die an den Schnittstellen im Unternehmen vermitteln.

Zentral für die Project Labs ist deshalb der interdisziplinäre Ansatz – also Kommunikation und Kooperation zwischen und mit Fachleuten anderer Abteilungen. Das „Agieren mit Anderen“ wird in den gemeinsamen Projekten simuliert: Entweder mit tatsächlichen Problemstellungen aus einem Unternehmen oder mit fiktiven Fallstudien.


Wie? Agiles Projektmanagement mit kollaborativen Tools

Da es in den Project Labs darum geht, Projekte gemeinsam zum Erfolg zu bringen, ist das Wissen um die entsprechenden Methoden des Projektmanagements zentral.

Das Modul Projektmanagement, das Bestandteil vieler HFH-Studiengänge ist, legen Studierende deshalb schon ab, bevor sie an einem Project Lab teilnehmen. So sind alle von Beginn an auf demselben Stand und wissen Bescheid, wenn von Business Cases, KPIs usw. gesprochen wird.
 

Agile Arbeitsweisen

Wie es z.B. in der Entwicklerszene schon lange gehandhabt wird, kann auch in den Project Labs je nach Aufgabenstellung „agil“ gearbeitet werden. Das heißt, dass in den Projektteams vor allem eine hohe Flexibilität und eine intensive Kommunikation gefragt sind.

Letzteres ist vor allem deshalb entscheidend, da in agilen Arbeitsprozessen das Team selbst über die Fortschritte des Projekts reflektiert und letztlich auch die Entscheidungen zur Umsetzung gemeinsam trifft. Auch darin unterscheidet sich der agile Ansatz von „traditionelleren“ Ansätzen, bei der die Entscheidungen letztlich bei der Führungsebene verbleiben.
 

Mit Tools kollaborativ arbeiten

Kooperiert und kommuniziert wird in diesen agilen Projektteams fast ausschließlich über das Web und mit entsprechender Software, die kollaboratives Arbeiten ermöglichen.

Mit diesen können die Teammitglieder zeitgleich (synchron) oder zeitversetzt (asynchron) am selben Projekt arbeiten und behalten durch die eingesetzten Tools den Überblick über die Stadien und Fortschritte innerhalb des Gesamtprojekts.

So gelingt es, dass Studierende HFH-weit und unabhängig vom Wohnort gemeinsam Projekte realisieren.


Fazit

Wesentlich für die Project Labs ist also die virtuelle Zusammenarbeit der Studierenden in interdisziplinären Teams und die Beschäftigung mit praxisnahen Unternehmensthemen, die Bezug zu Digitalisierung haben.

Was den Aspekt der Praxisnähe, die Zusammenarbeit in kleinen Projektteams und das Networking mit anderen Studierenden angeht, sind die Project Labs also grundsätzlich den „komplexen Übungen“ im HFH-Fernstudium ähnlich. Als eine Art „digitale Projektwerkstatt“ haben sie allerdings einen stärkeren Fokus auf Digitalisierungsthemen.  

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