Fernstudium-Erfahrungen an der HFH

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Vom HFH-Studenten zum Professor

Interview mit Prof. Dr. Reinhold Kohler

 
Prof. Dr. Reinhold Kohler

Professor Dr. Reinhold Kohler war auch einmal HFH-Student. Im März 2020 hat der heute 45-jährige nun selbst eine Professur für International Management and Business Administration an der Hochschule Landshut angetreten und sich damit einen Kindheitstraum erfüllt.

Anders als viele andere Akademiker, die am Ende ihre Laufbahn mit einer Professur krönen, hat Reinhold Kohler sein gesamtes Studium jedoch berufsbegleitend gemeistert.

Seine Karriere begann er als Luftwaffenoffizier bei der Bundeswehr, wo er auch Elektrotechnik studierte. Nach zwölf Jahren beim Bund, überwiegend in leitender Funktion, wechselte er in die Wirtschaft, zu Airbus, und machte auch dort Karriere.

Neben dem Job absolvierte er ein weiteres Fernstudium, die Weiterbildung zum Wirtschaftsingenieur mit einem Wirtschaftsstudium an der HFH und schließlich eine Promotion.

Wie er all das neben dem Beruf geschafft hat, was er aus dem HFH-Studium mitgenommen hat, und welche Motivationstricks er Studierenden empfiehlt, erzählt Reinhold Kohler im Interview.

 

Herr Prof. Dr. Kohler, zunächst herzlichen Glückwunsch zur Berufung an die Hochschule Landshut! Wollten Sie schon immer Professor werden?

Als Kind wollte ich entweder Astronaut oder Professor werden. Der Professorenwunsch ist damit in Erfüllung gegangen. Ich liebe es, komplexe Sachverhalte verständlich zu machen. Und ich möchte etwas zurückgeben.

Mit der Hochschullehre hat man die Möglichkeit, jungen Menschen neue Perspektiven aufzuzeigen. Die meisten hören auch sehr gespannt zu, wenn ich Geschichten aus der Praxis erzähle.

Viele ehemalige Studierende schreiben mich Jahre nach ihrem Abschluss an und erzählen mir, wie sehr ihnen die Vorlesung (gerade mit Blick auf Leadership) jetzt nützt. Mich erfüllt es sehr, mein Wissen und meine Erfahrungen weiterzugeben.

 

Was sind Ihre Forschungsschwerpunkte?

Im Wesentlichen veröffentliche ich zu den Themen Leadership und Digitalisierung im Controlling. Mein erstes Buch „Management und Leadership“, welches 2009 veröffentlicht wurde, basiert auf den Erkenntnissen meiner Diplomarbeit an der HFH.

Meine im Jahr 2015 veröffentlichte Dissertation „Optimization of Leadership Style“ regte eine Forschergruppe an der Amsterdam University of Applied Sciences an, meine Ergebnisse zu diskutieren und weiter in einem Buch zu verarbeiten.

Im Bewerbungsprozess für das PhD-Studium an der Comenius Universität musste ich übrigens mit meinem HFH-Abschluss, im Gegensatz zu vielen anderen Masterabsolventen, nicht in eine Vorprüfung, um feststellen zu lassen, dass ich für das Dissertationsstudium geeignet bin. Ich musste also eine Prüfung weniger machen. Das heißt, die Wertigkeit des HFH-Abschlusses ist mindestens europaweit gegeben.

 

Warum haben Sie sich für ein Fernstudium an der HFH entschieden?

Das Konzept des Fernstudiums bedeutet hohe Flexibilität und Freiheit. Ich hatte mich für das Wirtschaftsstudium an mehreren Fernhochschulen beworben. Die Mitarbeiter der HFH waren die freundlichsten und schnellsten Ansprechpartner. Man hatte das Gefühl, man unterhält sich auf Augenhöhe.

Weiterhin waren die Muster-Skripte sehr gut methodisch und didaktisch aufbereitet (ich schaue jetzt noch ab und an etwas nach). Ferner war das Angebot von regional erreichbaren Studienzentren sehr gut gegeben.     

 

Haben Sie sich für Ihre eigene Lehrtätigkeit etwas von Ihren Dozent_innen aus dem Studium abgeguckt?

Ja, das habe ich. Wir hatten einen Dozenten, der zum Start der Vorlesungen immer das komplette Inhaltsverzeichnis mit uns durchgegangen ist. Das heißt, er gab uns das „Big Picture“. Und das habe ich von Anfang an in meinen Vorlesungen so angewendet.

Beispielsweise erstelle ich einen One-Pager oder eine Mindmap mit allen Themen in einer Gesamtordnung. Ich nutze die erste Vorlesung im Semester nur dazu, das Gesamtbild zu zeigen. Es kostet zwar Zeit, aber so kann man sich ein besseres Verständnis mit Blick auf die Zusammenhänge erschließen. Danke HFH, das hat mir einen wirklich nennenswerten Impuls gegeben!

 

Sie haben über lange Zeit neben dem Beruf studiert und weiter Karriere gemacht. Wie hält man das durch?

Natürlich muss man selbstdiszipliniert arbeiten. Man muss lernen, stetig dabei zu bleiben. Es gibt 1.000 Gründe, warum man gerade heute nicht lernen möchte. Man muss daher genau wissen, was man will. In meiner militärischen Ausbildung habe ich gelernt, Ziele zu identifizieren und zu verfolgen. Beharrlich!

Und so verhält es sich auch mit den eigenen beruflichen Zielen. Immer am eigenen Projekt dranbleiben. Und gegebenenfalls quartalsweise reflektieren, wo man steht.

 

Wie können Studierende ihre Ziele so festlegen, dass sie sie erreichen?

Für viele Menschen ist es schwierig, wirklich zu wissen, was sie wollen. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich. Stellen Sie sich vor, Sie wollen in den Urlaub fahren und sitzen im Auto. Und dann wissen Sie plötzlich nicht mehr, wohin... Ok, das ist ein sehr einfaches Beispiel.

Aber so könnte man es auch mit der eigenen Karriere oder mit dem Studium vergleichen. Es ist wichtig, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Dafür sollte man die Lernagenda oder den -plan nicht zu voll packen. Man braucht auch Luft zum Atmen. Am besten erstellt man sich zunächst eine Top-5-Liste.

Es kann jeweils nur ein Ziel/Wunsch pro Platz vergeben werden. Und wenn Sie eins der Ziele erreicht haben, feiern Sie Ihre Erfolge!

Motivationszettel Kohler

Dazu habe ich ein schönes Beispiel: Ich coachte über zwei Jahre einen jungen Kerl (Wirtschaftsingenieurwesen-Student). Ich erklärte ihm die Top 5 und gab ihm einen Papierausdruck mit der Aufschrift: „Ich werde Wirtschaftsingenieur“. Und darunter stand in meiner Handschrift, dass dies auf Platz 1 stehen soll.

Vor drei Wochen erhielt ich dann den Ausdruck zurück. Er hatte das „werde“ durchgestrichen und daneben ein „bin“ geschrieben. „Ich bin Wirtschaftsingenieur.“ Das hat mich sehr stolz gemacht.

 

Herr Prof. Dr. Kohler, vielen Dank für das Gespräch.

Sehr gerne.

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