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Transkript Alumnus Eric Rohr

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Herzlich willkommen. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge und einem neuen Gesprächspartner. Wir freuen uns sehr, dass Sie Zeit haben, heute Abend, nach Feierabend für den einen oder anderen, am Freitagabend zum Start ins Wochenende noch ein Gespräch mit mir zu führen und ich würde Sie bitten, dass Sie sich einmal selber vorstellen.

Eric Rohr
Guten Abend, Frau Professorin Schröder. Vielen Dank für die Einladung, hier am Podcast ein bisschen was erzählen zu dürfen. Mein Name ist Eric Rohr. Ich bin mittlerweile 38 Jahre alt, wohne, in Heidelberg, auch wenn ich nicht gebürtig, aus Baden-Württemberg komme und möchte so ein bisschen was erzählen, wie ich das Studium an der HFH erlebt hab. Prinzipiell bin ich gestartet mit meiner Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger im Jahr 2006 bis 2009 im kleinen Grund- und Regelversorger und hab mich dann 2010, nach Heidelberg, hat's mich dann nach Heidelberg verschlagen mich weiterzuentwickeln an die Universitätsklinik und hab dann dort meine Fachweiterbildung für Anästhesie-Intensivpflege absolviert, die praxisanleitende Qualifikation gemacht, bin dann in die ersten Führungserfahrungen gegangen und hab dann 2018 mich entschieden, ich möchte mich weiterqualifizieren, ich will mich akademisieren. Und es war dann doch relativ schnell klar, dass es in Richtung einer Managementausbildung geht und hab dann ab 2019, am 1.7. das Studium Pflegemanagement an Hamburger Fernhochschule als Fernstudium begonnen, damals im damaligen Studienzentrum Mannheim, was natürlich von Heidelberg mit der S-Bahn innerhalb von zwanzig Minuten zu erreichen ist, und habe dann das Studium 2023 abgeschlossen, im Januar, und hab mich gleich danach entschieden: Der Bachelor war gut, es hat Spaß gemacht. Ich bin aber jetzt grade drin im Lernen. Ich bin drin, mich eben weiterzuentwickeln, hab in dem Zeitraum meiner Bachelorarbeit tatsächlich auch den Arbeitgeber gewechselt und an höhere Führungspositionen übernommen, für 'ne gewisse Zeit, und hab mich dann dazu entschieden, direkt im Masterstudium weiterzumachen. Und da ich sehr zufrieden mit der Hamburger Fernhochschule war, mit der Studienbetreuung, mit dem Konzept des Studiums, hab ich mich dann in den Masterstudiengang Management im Gesundheitswesen, immatrikuliert und den hab ich jetzt tatsächlich erfolgreich im Januar 2026 abgeschlossen und blick jetzt auf sechs Jahre Studium oder fast sieben Jahre Studium zurück, die mich persönlich wahnsinnig geprägt haben, aber auch, wahnsinnig weiterentwickelt haben und ist 'ne tolle Erfahrung und da will ich gerne teilhaben lassen von.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, vielen Dank. Ich freu mich natürlich über jeden, der mit mir spricht, aber ich freu mich natürlich noch ein bisschen mehr über diejenigen, die über meinen eigenen Studiengang mit mir sprechen. Insofern muss ich da doch auch gleich mal fragen: Pflegemanagement haben Sie erfolgreich absolviert und dann ist es in der Tat so, dass Management im Gesundheitswesen ja nicht ganz fernliegend ist, wenn man aus dem Pflegemanagement kommt. Gibt's irgendwas, was Sie vermisst haben im Studiengang oder wo Sie so sagen: "Ach Mensch, das hätt ich gerne noch gehabt"?

Eric Rohr
Im Managementstudium war's jetzt, also im Masterstudium, das fand ich wahnsinnig toll aufgebaut. Also es war, für mich aufbauend auf den Inhalten des Bachelorstudiums wirklich genau das Richtige. Was mir wahnsinnig viel Spaß gemacht hat, war noch mal in das Thema Wissenschaft mehr reinzugucken, in das Thema empirische Methoden, in das Thema Statistik, weil das natürlich im Managementstudium im Bachelor nur sehr rudimentär betrachtet wird. Und grade jetzt auch in Bezug auf die zunehmende Akademisierung in der Pflege und auch die Notwendigkeit der Akademisierung in der Pflege seh ich's als essenziell an, auch im Management, auch in Führungspositionen, 'n gutes Verständnis von wissenschaftlichem Arbeiten und Statistik zu haben, dann auch entsprechende Studien bewerten und nachzuvollziehen können. Was tatsächlich meines Erachtens für die Praxis noch 'n bisschen relevanter ausgebaut werden könnte, wär das Thema Projektmanagement, da das natürlich grade in so 'ner, hohen, dynamischen Situation im Gesundheitswesen, eine große Rolle spielt. Wir stehen vor zahlreichen Herausforderungen im Management, im Gesundheitswesen und sowohl im ambulanten als auch im stationären Sektor und werden auf viele Herausforderungen im Rahmen von Projekten agieren müssen. Und da noch mal einen vertieften Teil... Es war gut, ein bisschen mehr wär noch toller gewesen.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, das nehm ich gerne mit. Also das das Thema Projektmanagement ist, glaub ich, eins, das generell an Bedeutung gewinnt und da können wir mal drüber nachdenken, wie wir das vielleicht noch 'n bisschen, bisschen stärker betonen. Ja, freu ich mich auch immer über solche Hinweise, weil am Ende des Tages ist es ja so, wenn so ein Studiengang konzipiert wird, dann machen sich ja viele Leute viele Gedanken. Der Studiengang ist ja jetzt in der zweiten Reakkreditierung, da warten wir jetzt auf das Gutachten und der läuft ja schon relativ lange und, da ist man ja immer so'n bisschen in so 'nem Zwiespalt nach dem Motto: Erhält man das Bewährte sozusagen oder greift man da ganz tief in die Struktur mal ein Sachen zu modernisieren, zu verändern? Und bis dato hab ich das tatsächlich nicht getan, da jetzt wirklich in die Struktur einzugreifen, sondern viel so drum rum gemacht mit den Vertiefungsrichtungen und mit den digitalen Angeboten. Aber das Thema Projektmanagement nehm ich auf jeden Fall noch mal mit und werd das auch noch mal mit den Kollegen besprechen, wie wir das vielleicht noch stärker unterbringen. Das ist ein guter Hinweis. Wenn Sie jetzt so in Ihre Berufstätigkeit blicken, wie ist denn das jetzt mit dem absolvierten Studiengang, mit dem Abschluss im Januar diesen Jahres? Wird sich da bei Ihnen noch wirklich was Grundlegendes verändern?

Eric Rohr
Aktuell tatsächlicherweise nicht. Ich war für den Bachelor, also in den letzten Zügen des Bachelorstudiums, das hab ich ja eben gesagt, hab ich mich weiterentwickelt, war dann in 'nem großen kommunalen Klinikverband Pflegedienstleitung für sechs Intensivstationen, bin dann aber aufgrund dessen, was ich festgestellt hab, dass Pendeln für mich nicht infrage kommt und Umzug grad auch nicht infrage kommt, wieder zurück an die Universitätsklinik gewechselt und hab dort jetzt seit März 2024 die Position der Bereichsleitung unseres chirurgischen Intensivzentrums an der chirurgischen Intensiv-Universitätsklinik inne. Das bedeutet, ich bin in der disziplinarischen Verantwortung für vier Überwachungs- und Intensivbereiche mit round about 190 Vollkräften, hab Stationsleitungen unter mir und es war schon, ich war ja schon im Masterstudiengang immatrikuliert, als ich diese Position angetreten bin. Und es war schon klar, dass das Ziel schon ist, für diese Position auch, einen Masterabschluss einfach vorzuweisen. Den hab ich dann in dieser, in diesem Zeitrahmen nachgeholt. Das heißt, aktuell bin ich also jetzt zufrieden dort, ähm, konnte aber natürlich durch die Erfahrungen im Masterstudium einerseits natürlich viele, viele Aspekte meiner täglichen Arbeit reflektieren und auch anders denken, wie ich das vielleicht noch vor wenigen Jahren getan habe. Und was mir sehr viel Freude auch macht, ist, wir legen 'n sehr großen Wert auf Akademisierung in der Pflege, dass ich natürlich jetzt auch Bachelor-Studierende, die zum Teil Stationsleitungen sind und so weiter, auch mit Rat und Tat unterstützen kann und immer wieder gefragt werde und unterstützen darf und auch mit weiterentwickeln darf. Und das find ich 'ne wahnsinnige Bereicherung, ähm, durch meine akademische Laufbahn natürlich jetzt dieses Wissen auch weitergeben zu können und natürlich auch Studierende zu motivieren, durchzuhalten, das Ganze anzugehen oder auch sich für 'n Studium tatsächlich zu entscheiden.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, ich glaube insgesamt so der Bereich Akademisierung in der Gesund- also in den Gesundheitsfachberufen, auch in der Pflege natürlich, ist ja noch mal ein ganz spannender. Da stehen wir, denk ich, auch erst am Anfang, ne.

Eric Rohr
Ja, da stehen wir am Anfang, aber wir wollen als Profession wahrgenommen werden, grade die Pflege. Wir wollen uns da entsprechend auch, ähm, behaupten und auch da interprofessionell auf Augenhöhe zusammenarbeiten und das funktioniert meines Erachtens nach auch nur mit 'ner Akademisierung. Also nicht nur ausschließlich, dass alle akademisiert sein müssen, aber ich glaube, es ist wahnsinnig wichtig. Wir stehen vor, vor großen Herausforderungen. Wir machen, ja, wir arbeiten sehr evidenzbasiert, aber forschen selber wenig und haben grade in der Pflege sehr wenig Evidenz generiert, sodass wir das natürlich auf der einen Seite brauchen, aber natürlich auch grade in Führungspositionen 'n grundlegendes Verständnis von, von Managementstrukturen einfach umso mehr wichtig wär, also umso wichtiger werden. Man sieht es meines Erachtens auch, wenn man in die Fachschaft der Medizin guckt, dass auch dort in der Regel alle Klinikdirektoren, Chefärzte et cetera, mittlerweile Management-Studiengänge noch absolvieren, weil's einfach in dieser dynamischen Welt, in in dieser Entwicklung, zunehmender Kostendruck, steigende Ambulantisierung, dann natürlich das ganze Thema Vergütungssysteme, das ganze Thema Mitarbeiterführung. Ich stelle auch fest, dass auch Ärzte mittlerweile anders geführt werden wollen vielleicht wie noch vor vielen Jahren natürlich Managementkomponenten essenzieller werden Mitarbeitende zu begeistern, Visionen aufzuzeigen und, ähm, Strukturen aufzubauen und zu stärken.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Also ich bin ja seit über 20 Jahren Fachanwältin für Medizinrecht und kenne sozusagen Chefärzte auch in der Rolle, wenn es darum geht, die Dienstverträge zu verhandeln. Und, das kann ich wirklich unterschreiben. Also ich könnte heute keinem Chefarzt mehr ruhigen Gewissens dazu raten, so eine Position anzutreten, ohne das Wissen zu haben, was es braucht da erfolgreich zu bestehen. Weil ich meine, so 'ne Chefarztposition ist ja schon in, in jeder Klinik, 'ne ganz wesentliche und, die wird auch schnell wieder anderweitig besetzt, wenn es nicht so läuft, wie ein Träger sich das vorstellt. Und ich glaube, man braucht da wirklich sehr viel mehr, als 'n guter Mediziner zu sein in so einer Position erfolgreich zu sein, ne. Also grade das Thema Mitarbeiterführung ist, glaub ich, ein ganz, ganz zentrales. Und das andere, was Sie angesprochen haben, klar, die, die Zusammenhänge, die wirtschaftlichen, aber auch die rechtlichen Zusammenhänge, die heute in Kliniken über Erfolg oder Misserfolg entscheiden, die lernt man in der Regel nicht im Medizinstudium. Das muss man ganz klar so sagen, ne.

Eric Rohr
Und die lernt man auch nur bedingt, wenn ich jetzt wieder auf meine Berufsgruppe gehe. Also in der Ausbildung lernt man davon auch nichts. Und natürlich gibt's, sobald man in, in Stationsleiterfunktionen geht, gibt's natürlich Leitungsqualifikationen verschiedenster Art. Da lernt man Grundzüge, aber auch nicht, das tiefergehende Verständnis, was man spätestens dann braucht, wenn man mit so 'nem kaufmännischen Geschäftsführer zusammensitzt und über irgendwelche Personaldaten diskutieren möchte oder mit dem Controlling zusammensitzt und über irgendwelche Leistungen diskutieren möchte. Auch das kriegt man in 'ner normalen Leitungsqualifikation nicht so mitgeteilt und da braucht man halt schon da auch auf Augenhöhe diskutieren zu können, einfach 'ne gute akademische Basis.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, und ich glaube, es ist nicht nur dieses Diskutieren auf Augenhöhe. Ich glaube, es ist schon dieses auch ernst genommen zu werden in der eigenen Profession, ne? Also wir wissen ja alle, welche, welche Macht der kaufmännische Direktor eines Krankenhauses mittlerweile hat und dieses Dreigestirn, was wir früher mal hatten mit ärztlichem Direktor, Pflegedirektor und kaufmännischem Direktor, das hat sich ja von den Machtverhältnissen ja doch sehr verlagert in Richtung des Kaufmännischen. Ist es in Universitätskliniken, glaub ich, immer noch 'n bisschen anders, aber spätestens bei den privaten Trägern ist das ja doch 'n ganz guter, ganz gute Verschiebung in den Strukturen. Und ich glaube, da ist es ganz, ganz wichtig, dass eben auch in der Pflege jemand sitzt, der nicht nur die Pflege repräsentiert als Profession, sondern der natürlich auch diese ganzen Dinge weiß, die Sie eben aufgezählt haben. Sonst, glaub ich, wird man da auch wenig ernst genommen. Oder?

Eric Rohr
Genau, das ist tatsächlich genau das, was man sieht und, dass daher dieses Verständnis für, für das Ganze da ist. Und ich glaube, ich gebe Ihnen recht, also in den Universitätskliniken sind die Machtverhältnisse noch ein kleines bisschen anders. In den kommunalen Häusern, in den privaten Trägerschaften ist es noch viel extremer. Und die Zielsetzung muss ja sein, dass man auch im Pflegemanagement oder also in, in der Profession der Pflege auf Augenhöhe diskutieren kann und natürlich auch im Sinne von Weiterentwicklung der Klinik Prozesse komplex denken und sich dann natürlich auch für den richtigen Weg entscheiden kann und das dann natürlich auch zu verargumentieren und darzustellen und mit den Zahlen, die das Gegenüber natürlich braucht, auch zun unterfüttern und zu untermauern. Dazu braucht man halt 'n großes Managementverständnis oder gutes Managementverständnis und das kriegt man meines Erachtens nach tatsächlicherweise auch nur über ein Studium im Management tatsächlicherweise vermittelt.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, dann haben wir jetzt ganz viel Werbung für so einen Studiengang gemacht und das ist auch noch zufällig meiner. Insofern läuft das heute Abend wunderbar. Ich würd Sie gerne noch mal fragen wenn Sie sich so 'n perfekten Arbeitstag wünschen dürften, wie würde der denn aussehen?

Eric Rohr
Gut, das mag jetzt vielleicht, mag jetzt vielleicht 'n bisschen, na ja, übertrieben ist es vielleicht, glaub ich, nicht, aber der perfekte Arbeitstag wär, wenn ich nicht ungefähr dreißig Prozent meiner Arbeitszeit mit Ausfallmanagement zu tun hätte, weil das natürlich grade eine der großen Herausforderungen auch einfach ist in dieser dynamischen Welt. Und der perfekte Arbeitstag wär natürlich, tatsächlich an Projekten, an Weiterentwicklungen zu machen, viele Mitarbeitergespräche zu führen, nah an den Mitarbeitern zu sein. Das ist mir persönlich ein ganz, ganz wichtiges Führungsverständnis. Das, also meine Bürotür ist immer offen. Ich bin jeden Tag mehrfach auf allen Stationen unterwegs. Ich pack auch mit an, wenn's, wenn's notwendig ist. Das ist für mich extrem wichtig als Führungskraft, nah an den Menschen zu sein, gesprächsbereit zu sein, auch kurzfristig. Und der perfekte Arbeitstag wär natürlich, viel mit Mitarbeitern in Kontakt treten zu können und viel über Visionen und über Entwicklung zu sprechen, sowohl die, die strategische Entwicklung, aber auch tatsächlich die persönliche Entwicklung von Mitarbeitenden aktiv fördern zu können.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Aber da hör ich so 'n bisschen raus, das würden Sie gerne noch mehr machen, als es Ihr realer Arbeitstag ermöglicht.

Eric Rohr
Genau, genau. Natürlich ist es natürlich so, ich nehm mir die Zeit dafür. Vielleicht hätt ich da auch gerne noch an einigen Stellen 'n bisschen mehr Zeit, weil natürlich viel Zeit aus, auf das Thema Ausfallmanagement geht, auf das Thema kurzfristige Anpassungen, sei es der Fallschwere der Patienten, kurzfristige Veränderungen in der Dienstplangestaltung, was dann natürlich grade in meiner Position dafür führt, dass ich natürlich nicht nur auf eine Station gucken muss. Ich muss auf die Bereiche gucken, muss da die Ressourcen, entsprechend der Anforderungen verteilen, was natürlich enormer Zeitaufwand ist, der dann natürlich fehlt in, also der dann fehlt für Mitarbeitergespräche, der dann fehlt für Projekte weiterzuentwickeln, für an Themen lang, also wirklich auch mal drei, vier, fünf, sechs Stunden zu verarbeiten, weil natürlich da häufige Unterbrechungen tatsächlich an der Tagesordnung sind.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Aber ich glaub, das ist so immer, wenn man, wenn man mit Menschen arbeitet. Also ich kann das total unterschreiben, hab ja so 'n Fachbereich mit rund fünfzig Mitarbeitern. Ich hätte auch gerne viel mehr Zeit für solche Themen und man kann sich die dann nehmen, klar. Das ist auch wichtig, dass man sich die nimmt, aber man hat trotzdem immer das Gefühl, so geht es mir jedenfalls, man wird dem dann irgendwie nicht vollständig gerecht, ne? Weil man hat natürlich schon unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und trotz allem, was so nebenbei noch sein muss, finde ich das ganz schwierig, denen dann auch irgendwie als Individuum gerecht zu werden, ne? Weil sie ja natürlich auch ganz unterschiedlich, ich sag mal, betreuungsintensiv sind, ne? Es gibt Menschen, die, die brauchen viel Zuspruch und es gibt Menschen, die sind froh, wenn man sie in Ruhe lässt. Und so unterschiedlich wie Menschen und Charaktere sind, sind dann ja auch Mitarbeiter. Aber ich bin da völlig bei Ihnen. Das ist eigentlich ja auch das, was Spaß macht, ne, so jemanden zu entwickeln und sich da Gedanken zu machen und dann auch da zu sein, wenn's mal 'n Problem gibt oder wenn's mal nicht so läuft oder 'n Konflikt gibt. Aber das ist auch das, find ich, was im Alltag häufig zu kurz kommt. Also ist jedenfalls so mein Empfinden.

Eric Rohr
Ja, oder dann natürlich zu wissen, man hat vielleicht ein Projekt, was einem selber sehr wichtig ist, was man vielleicht selber initiiert hat und würde da gerne weiterarbeiten. Aber man nimmt sich dann bewusst die Zeit für die Mitarbeitenden, weil man gerade feststellt, man, der Mitarbeiter braucht das und es ist ganz wichtig für ihn und geht dann aber trotzdem mit einem Gefühl zu Hause: Heute hatte ich eigentlich auf meiner To-do-Liste, in meinem Projekt drei Schritte weiterzukommen und das konnte ich heute nicht machen, weil ich andere Dinge priorisiert habe, was ja nicht verkehrt ist. Was ja nicht, soll ja nicht heißen, das eine ist richtiger, wie das andere oder das andere ist falsch. Es ist halt einfach die Herausforderung, jeden Tag einerseits die Flexibilität aufrechtzuerhalten, aber andererseits natürlich auch fokussiert an Themen weiterarbeiten zu können. Und diese Herausforderung ist natürlich da, und die macht mir auch Spaß. Daran habe ich Freude, die meiste Zeit zumindest. Es gibt auch Tage, wo ich einfach mir was anderes vornehme und dann natürlich mir wünschen würde, dass ich da weitergekommen wäre, aber dann natürlich Themen sich aufgetan haben, die einfach viel wichtiger waren. Und man muss da, glaube ich, auch im Management realistisch sein und muss sich das auch ganz klar irgendwo, bewusst sein, dass es, dass das immer wieder vorkommen wird und dass man natürlich nicht, wie jetzt überspitzt gesagt, bei der Arbeit am Bett weiß, man hat seine Tätigkeiten für seine Schicht fertig und kann dann eines guten Gefühls nach Hause gehen, sondern klar, in solchen Positionen, wie auch Sie ihn haben, ist es ja eigentlich immer so: Man hat nie nichts zu tun es mal so darzustellen. Genau, und dann natürlich klar ist es, je, je höher man in der, in der Führungsverantwortung steigt, trotzdem wichtig, die Balance auch zum Privatleben einfach zu halten. Das ist ganz wichtig. Man hat ja nicht nur die Arbeit,, sondern hat natürlich auch Familie, die halt auch da sein will. Also will, dass man da ist.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, genau. Das ist ja manchmal das, was einem dann vielleicht auch ganz besonders schwerfällt. Und manchmal geht man dann vielleicht auch mit so einem Gefühl irgendwie abends ins Bett, dass man denkt, na ja, nun ist man irgendwie gar keinem richtig gerecht geworden. Vielleicht so, wie man sich das gewünscht hätte. Weder dem einen noch dem anderen. Auch das gehört, glaube ich, dazu, dass es nicht immer so läuft, wie man sich das vorstellt. Nun haben wir manchmal Situationen im Studium, die wir dann auch so mitkriegen, wo jemand einfach ein bisschen enttäuscht ist, sich das anders vorgestellt hat, vielleicht auch mal mit der Entscheidung des Studiums insgesamt hadert und sagt: „Ach Mensch, warum mache ich mir das ein, warum tue ich mir das an? Warum, was mache ich hier eigentlich?" Und vielleicht auch so ein bisschen sich überlegt: Soll ich das alles hinschmeißen oder macht es überhaupt noch Sinn? So mit Ihrer Erfahrung, die Sie jetzt in den Jahren gemacht haben, mit Bachelor- und Masterstudiengang, was würden Sie so jemandem mit auf den Weg geben wollen?

Eric Rohr
Also ich glaube, man sollte sich immer vor Augen halten, warum man damit begonnen hat. Das ist, glaube ich, ganz, ganz wichtig, was einen, was die persönliche Motivation war, dieses Studium zu beginnen oder ein Studium zu beginnen. Und ich glaube, man muss sich einfach kleine Etappenziele setzen. Also das muss man glaube ich, ganz klar sagen und muss sich, darf sich da auch nicht von Außenstehenden irgendwie bedrängen lassen, zu sagen: „Ja, du bist zu langsam", oder: „Du machst zu wenig fürs Studium", sondern ich glaube, das Wichtige ist, sich selber vor Augen zu halten: Warum mache ich das? Ja, mache ich das aus einer hohen intrinsischen Motivation oder mache ich's, weil ich das irgendwie machen muss? Das ist natürlich total schwierig, wenn ich's machen muss und eigentlich das nicht will. Aber auch da muss ich mir natürlich die Frage stellen: Bin ich dann in der Position oder will ich überhaupt diese Position ausführen, wenn ich das notwendige Studium dazu nicht machen will? Oder da einfach wenig Motivation habe. Was mir immer sehr geholfen hat, ist, mir Etappenziele zu setzen, also zu wissen, okay, das nächste Semester kommt das und das auf mich zu, mein Semester durchzuplanen, zu wissen, wann will ich welche Leistungen abgeben, wann will, will ich welche Klausur schreiben, darauf dann gezielt hinzuarbeiten und dann natürlich auch zu sagen, ja, ich bin total stolz drauf, dass ich das so auch mein, mein Ziel umsetzen konnte. Und das ist, glaube ich, was ich jedem, der sich im Fernstudium befindet oder in einem berufsbegleitenden Studium eigentlich raten kann, zu sagen, einerseits das Ziel nicht aus dem, aus dem Blick zu verlieren und sich selber halt kleine Etappenziele zu setzen und natürlich vielleicht auch zu gucken, was liegt mir mehr, was liegt mir weniger. Es gibt Menschen, die schreiben lieber Klausuren und lernen Dinge auswendig. Es gibt Menschen, die schreiben lieber Hausarbeiten. Und da einen guten, einen guten Misch, 'ne gute Mischung zu finden dann zu sagen, ähm, ich kombiniere was mit was, mit einem Modul vielleicht auch, das mich, das mich einfach nicht interessiert, das, in dem ich wenig Interesse hab, an dem ich vielleicht ein Verständnisproblem hab, mit einem Modul, wo ich total Spaß drauf hab und kombiniere das miteinander und weiß ganz genau, ich kann da halt tolle, tolle Erlebnisse mit vielleicht etwas zäheren Erlebnissen kombinieren und, ähm, mir so natürlich auch 'ne Motivation aufrechterhalten.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Dann würde ich Sie abschließend gerne noch fragen, ob Sie ein Lebensmotto haben.

Eric Rohr
Ja, man hat, glaube ich, viele Lebensmottos. Also was ich für mich eigentlich als Lebensmotto sehe, dass ich Vorbild sein will. Vorbild für andere Menschen in, in jeglicher Hinsicht. Und trotzdem meine eigene Tätigkeit jetzt als nicht zu extrem wichtig darzustellen, sondern ich bin ein Teil des Systems. Ich will Mitarbeiter motivieren, ich will ein Vorbild sein, ich will Mitarbeitenden auf ihrem Weg begleiten. Aber mir ist auch bewusst, dass ich nicht die Sonne bin die sich das ganze Universum dreht. Und das sich auch immer wieder bewusst zu machen, ist, glaube ich, auch ganz wichtig.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, ist ein wunderbares Schlusswort. Sehr schön. Ja, Herr Rohr, ich danke Ihnen ganz herzlich für das Gespräch und für die Einblicke, die Sie uns gegeben haben. Das war sehr, sehr spannend. Und ich glaube tatsächlich auch, dass der ein oder andere, der das jetzt hört und vielleicht wirklich grade so 'n bisschen hadert, auch das gehört dazu. Ich werd ja auch nicht müde zu behaupten, es stand ja auch nirgendwo, dass 'n Studium einem leicht unbedingt immer von der Hand geht. Vielleicht gehört es auch dazu, sich an der einen oder anderen Stelle auch mal durch 'nen Studienbrief oder 'ne Prüfung durchzukämpfen. Daran kann man wachsen und das gehört vielleicht auch dazu, dass es dann mal nicht so nach Plan läuft und nicht so viel rechts und links gucken, bei sich bleiben. Das ist, glaube ich, auch immer ein sehr guter Rat, ne. Wir neigen immer so sehr dazu, uns zu vergleichen. Das ist meist keine gute Idee und trotzdem macht man es. Also insofern, glaube ich, haben Sie da viele, viele wertvolle Hinweise gegeben an der Stelle. Und Sie haben's extra erwähnt, ne, Parallelität auch von Beruf und Privatleben. Wir wollen das jetzt auch nicht unnötig in die Länge ziehen. Es ist Freitagabend. Ich hoffe, Sie haben, äh, müssen am Wochenende nicht arbeiten.

Eric Rohr
Zum Glück nicht, nein.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Das ist schon mal gut. Insofern danke ich Ihnen dann ganz, ganz herzlich für das Gespräch. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und allen, die uns zuhören, da danken wir uns für Ihr Interesse. Wir freuen uns auf Anregungen oder auch über Namen für Gesprächspartner, die, die Sie hier vielleicht gerne mal hören möchten. Äh, kommen Sie da gerne mit Ihren Wünschen und Anregungen auf uns zu.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Vielen lieben Dank.

Eric Rohr
Vielen Dank.

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