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Transkript Alumnus Sebastian Heilsberger

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Herzlich willkommen, herzlich willkommen zu einer neuen Folge und herzlich willkommen einem neuen Gesprächspartner, von dem ich mich freuen würde, wenn er sich einmal selber vorstellt.

Sebastian Heilsberger
Hallo, vielen Dank, liebe Frau Professorin Schröder. Toll, dass ich da sein darf. Ich hab's immer bewundert aus der, ja, als oder als langjähriger HFH'ler, erst selbst als Student, dann jetzt schon mittlerweile seit 2011 auch als Lehrbeauftragter, davor halt als Studierender. Ich bin fast so lang an der HFH, wie es die gibt, glaub ich. Also viele Jahre fehlen da nicht. Ähm, ja, hab ich den Podcast verfolgt immer und bin, ja, ganz gerührt, jetzt selbst dabei zu sein. Das waren die lieben Kollegen aus dem Marketing, wo's wieder darum geht, ob wir an einer Stelle zusammenarbeiten können, die auf die Idee kamen, uns da miteinander zu verbinden. Ja, ich bin, ähm, seit dem 01.10. bin ich Pflegedirektor in Solingen am Krankenhaus Bethanien. Das ist hier das kleinere der verbliebenen Krankenhäuser. Drumherum sind einige weggebrochen. Zwei sind geblieben. Wir sind das kleinere. Wir sind 'n Fachkrankenhaus, vor allem pneumologisch mit allen Randgebieten wie Schlafmedizin, Allergologie und so weiter. Ein riesengroßes Weaning-Zentrum, deutschlandweit eins der größten mit ganz viel Zuweisung aus Unikliniken und so weiter. Ja, als Pflegedirektor, Mitglied der Betriebsleitung hab ich hier natürlich die typischen Themen, die ich verantworte, die meinen Tag gestalten, ganz viel Personalmanagement natürlich, Qualitätsmanagement, mit in strategische Entscheidungsprozesse eingebunden. Ähm, hier aufgrund der Kleinigkeit sozusagen des Hauses oder der geringen Größe, ähm, haben wir dafür dann, ähm, ja, was hier sehr besonders ist, Bereiche, die der Pflegedirektion zugeordnet sind, die anders, andernorts nicht so typisch wären, zum Beispiel die Physiotherapie, das Röntgen oder die Hauswirtschaft. Insofern kommen wir auch in diesem kleinen Krankenhaus auf etwa 400 Mitarbeiter, die mir da zugeordnet sind. Das vielleicht erst mal so grob. Genau, ja oder nebenbei, ich bin Lehrbeauftragter halt, wie gesagt, schon an der HFH. Mein Standardthema ist das Personalmanagement, aber hab auch immer mich dazu hinreißen lassen, wenn Not am Mann war, mich auch in andere Themengebiete einzuarbeiten. Wenngleich das Personalmanagement natürlich das ist, was ich auch unvorbereitet zu bedienen weiß.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, vielen Dank. Dann haben wir doch erst mal 'ne ungefähre Vorstellung. Dann würd ich Sie gerne einmal noch fragen: Was haben Sie denn studiert? Das ist, glaub ich, für unsere Hörer auch 'n ganz, äh, ganz spannender Punkt.

Sebastian Heilsberger
Ja. Also in der Tat, ich hab natürlich auch neben dem Studium, ähm, einiges gemacht. Ursprünglich bin ich erst mal Krankenpfleger und, ähm, hab auch parallel zu Studium zwischen den Studienaktivitäten, wie auch immer, verschiedene Qualifikationen außerhalb der Hochschulen erworben, sei es QM nach dem EFQM-Modell, was auch immer, Assessorenqualifikation, ähm, und so weiter und hab dann als Studium Das Erste, was ich studiert hab, war Pflegemanagement, damals noch als Diplomstudium an der HFH halt. Anfangs auch sehr gut in Regelstudienzeit und dann als die Praxisphase kam und nach dem Hauptpraktikum auch, ähm, die Phase, dass ich angefangen hab, mich beruflich zu verändern. Personalentwicklung gab's damals in den Krankenhäusern noch nicht. Das musste ich also selbst in die Hand nehmen. Hat meistens dazu geführt, dass ich den Arbeitgeber wechseln musste aufzusteigen. Das hat dann irgendwann dazu geführt, dass die Regelstudienzeit nicht mehr im Blick war, aber das ist ja das Tolle an dem Studienkonzept, dass es diese Flexibilität bietet und ich in aller Ruhe finishen konnte und es ja trotzdem sein Ziel erreicht hat. Ich hab mich qualifiziert, ich hab die Karriere gemacht, die angedacht war und, ähm, so war's. Ich hab dann in der Folge später immer noch, ähm, das studiert, was nötig war. Ich komm ja noch aus der Zeit oder hab sie mitbekommen, wo man auf, auf dem Rücken der Pflege gespart hat in den Krankenhäusern, wo man, äh, die Leute in Scharen versucht hat zu verscheuchen in den Krankenhäusern und wo man dann in Zielvereinbarungsgesprächen teilweise auch, je nach Haus und Träger und so weiter, den Pflegedirektoren Prämien für eingesparte Stellen geboten hat in Zielvereinbarungsgesprächen. Und, ähm, ja, also ich weiß nicht. Es wird vielleicht Kollegen geben, die so was gemacht haben. Ich weiß es nicht. Ich hätt es nie mit mir, äh, vereinen können und, äh, vor allem den Mitarbeitern nicht mehr ins Gesicht schauen können. Hab aber dadurch zum Beispiel mich noch mal gezielt, ähm, mit Controlling zum Beispiel beschäftigt einfach in Zielvereinbarungsgesprächen mit der Geschäftsführung entsprechend schlagfertig zu sein. Hab also bedarfsadaptiert sozusagen auch modular einiges gemacht. Das ist das, was ja eigentlich moderne Bildung ermöglichen sollte. Ähm, es wird immer schneller das Leben und wir sollten uns dann auch immer schneller adäquat in Häppchen entsprechend qualifizieren können. Und dann hab ich vor allem irgendwann einen Master gemacht, ähm, noch in Systemische Beratung mit dem Fokus auf Personalentwicklung und Organisationsentwicklung und versuche nun schon seit vielen Jahren, einen zweiten Master zu machen. Das ist aber, ähm, weil's mal wieder 'ne ganz andere Richtung ist, ähm, für mich typisch breit aufgestellt sein zu wollen, etwas, was nebenberuflich sehr schwierig gelingt. Ich versuche ein Thema, das Ihnen sehr nah sein dürfte, in Wirtschaftsrecht, ein LLM schon seit einiger Zeit. Ich komm aber einfach Also ich hab erstaunlich gute Leistungen, wenn ich dazu komme, was zu machen, aber ich komm halt selten dazu, was zu machen.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, auch Ihr Tag hat halt nur 24 Stunden, ne. So ist es einfach.

Sebastian Heilsberger
So ist es. Ja.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, aber so 'n LLM macht sich ja auch einfach nicht nebenbei, ne. Das ist ja auch viel Arbeit und ist anspruchsvoll und insofern Ich hab ja immer wahnsinnig großen Respekt vor Leuten, die das alles so nebenbei schaffen, ne, weil ich immer denk, wir haben halt nur diese 24 Stunden. Jeder hat nur 24 Stunden zur Verfügung und es ist immer eindrucksvoll zu sehen, was manche aus diesen 24 Stunden schaffen zu, zu machen quasi, ne. Es kommt immer drauf an, wo Sie bereit sind, Abstriche zu machen, ne. Weil am Ende, ähm, Effizienz, äh, Maßnahmen oder wie auch immer man's nennen mag, Zeitmanagement und Co. haben ja auch ihre Grenzen. Und bei mir ist es tatsächlich der Schlaf, den ich seit anno dazumal einspare, weil das ist das Einzige, worauf ich verzichten mag. Ähm, also unter der Woche sind halt, äh, vier Stunden so mein Pensum pro Nacht, ne. Und das ist natürlich-

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Auch nicht viel, ne.

Sebastian Heilsberger
Nee, genau. Ich hab jetzt... es wird nicht einfacher mit den Jahren, hab ich festgestellt. Ähm, also ich, reflektiere das regelmäßig und gucke, inwiefern ich was anpassen muss.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, also ich finde, also ich bin auch jemand, der mit wirklich wenig Schlaf auskommt, aber ich finde immer, man muss immer schauen oder für mich persönlich jedenfalls, dass es nicht zu lange dauert. Also so für 'ne gewisse Zeit geht das, aber dann irgendwann sollte man auch möglichst wieder so 'ne Zeit finden, wo's dann 'n bisschen mehr wird. Sonst wird's auch irgendwann ungesund und das ist dann ja auch nicht im Sinne des Erfinders, ne.

Sebastian Heilsberger
Allerdings.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, aber ich, wie gesagt, also ich denke, das ist auch für die, die das jetzt hier hören, einfach immer, find ich, 'ne tolle Motivation zu sehen, was möglich ist, ähm, was sicherlich auch 'ne nicht immer einfach ist, ne. Und jeder weiß, dass das auch nicht alles immer nach Plan läuft, aber ich f... schätze diese Reihe ja so sehr, weil ich immer denke, das ist ja eigentlich das, was wir alle wollen, ne. Deswegen macht man Lehre, deswegen verkauft man Bildung, weil man ja diese Geschichten dahinter auch so liebt, ne. Was wird aus den Leuten? Und ich hab immer das Gefühl... Sie sind jetzt ja schon lange quasi raus und als Lehrbeauftragter tätig, geben ja auch Ihre Erfahrungen weiter und das ist für uns einfach auch immer so schön, weil ich glaube, jemand, der selber da vorne steht und sagen kann: „Ich hab das auch geschafft. Äh, ich weiß, wie's euch geht. Ich weiß, dass es nicht immer einfach ist und trotzdem gelingt es und bleibt dran und so." Das, find ich, ist immer 'ne tolle Motivation. Gibt's auch was, was Sie jetzt so in Ihrem Arbeitstag gerne hätten, was Sie im Studium nicht gelernt haben?

Sebastian Heilsberger
Was ich gerne hätte im Arbeitsalltag, ist natürlich noch was anderes. Aber, ähm, es gibt natürlich Dinge, auf die mich selbst das Studium an der HFH nicht vorbereiten konnte. Das, also letztendlich muss man sagen, im Studium ist schon, wenn man jetzt grade, ähm, FH-mäßig ja auch studiert, die sind breit angelegt, sind anwendungsorientiert angelegt. Das ist sicherlich immer der Unterschied zu, sag ich mal, 'nem monodisziplinären Studium jetzt, ähm, was ich versuche an der Uni zum Beispiel oder an vielen Unis. Ähm, insofern fühlte ich mich grundsätzlich ja schon gut vorbereitet in der Breite. Häufig ist das Problem eher die Tiefe, ne. Also die Chance zu haben, irgendwo Erfahrung zu gewinnen und reinzukommen. Und dann, was auf jeden Fall an Fächern fehlte, ganz klar, ist Humor. Ja. Ähm, das, was ich auf jeden Fall auch brauche, wenn ich den Job gut machen will, ist Nächstenliebe. Hört sich abgedroschen vielleicht an, aber ist Nächstenliebe. Und dann, ähm, ja, also es war natürlich durch Fächer wie Soziologie, durch verschiedene Managementlehren et cetera ein Thema. Trotzdem, es war nicht so fassbar, wie man's erleben muss. Ähm, ich hab's dann später im Master durch das Systemische noch 'n bisschen rangeholt, aber letztendlich muss man's auch praktisch lernen, tun, ähm, weil komplexe Zusammenhänge immer mehr an Bedeutung gewinnen heute. Schnell, komplex, ähm, ähm, also letztendlich so 'n systemisch-konstruktivistischer Blick, ne. Also nicht, ähm, das Verständnis für die Theorien an sich. Das ist natürlich gut, aber man muss da auch 'n Gefühl für kriegen irgendwie. Und das ist auch etwas, was sicherlich im Studium erst mal in der Grundlage, ja, zu erklären ist. Der eine oder andere versteht das vielleicht auch, weil es ist ja auch nicht einfach als Theoriegebäude. Ähm, aber am Ende muss man's irgendwie anwendungsorientiert verstehen und muss ja dann auch gucken, wie sehr prägt das mein Führungshandeln. Weil ich hab's erlebt, wenn ich studiert hab, da waren viele Kollegen zum Beispiel aus der sozialen Arbeit drin, die das mitstudiert haben. Ähm, die haben das natürlich ganz anders noch mal ausgelegt im Anwendungsbezug als ich als Führungskraft. Da waren wir dann schon unterschiedlich, sag ich mal, in den Arbeitsgruppen, wenn ich dann irgendwann doch zur Lösung wollte und dann vielleicht nicht mehr ganz so lange diskutieren wollte. Und ja, Sie verstehen wahrscheinlich, worauf ich hinaus will, ne. Also ich sag immer, ich bin Systemiker light und für mich ist dann die Viabilität, wie der Systemiker es nennen würde, also die Nützlichkeit, das Ausschlaggebende. Ja.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, ich kann das so gut nachvollziehen. Ähm, ich bin ja jetzt über 20 Jahre selbstständig und, ähm, kenne da Führung quasi auch ganz anders als so im Hochschulkontext. Und tatsächlich, ähm, hab ich manchmal auch das Gefühl, man kann auch zu viel reden. Also im Sinne von, man müsste irgendwann idealerweise auch mal zum Punkt kommen und mal ins Doing, wie man so schön sagt, und nicht immer nur die Dinge besprechen. Das fällt mir als Jurist, der ja sehr darauf getrimmt ist, in so Konditionalprogrammen zu denken, ne, so diese Wenn-dann-Struktur einer Norm, kennen Sie ja aus dem Wirtschaftsrecht zur Genüge, äh, fällt es manchmal wirklich schwer, dann so dieses ganze Große, was ich mal so, ohne dass ich das negativ meine, in den Bereich von Befindlichkeiten einsortieren würde, ähm, dann auch irgendwann mal abzubrechen und zu sagen: „Versteh ich alles. Ist alles wichtig. Ist alles wichtig, gesagt und gehört zu werden und wir kommen jetzt einfach mal dazu, dass wir mal uns auf den Weg machen." So, und das kenn ich sehr gut.

Sebastian Heilsberger
Genau.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Wenn Sie sich 'n perfekten Arbeitstag wünschen dürften, wie würde der aussehen?

Sebastian Heilsberger
Zwölf Stunden, alles parallel gleichzeitig, Multitasking. Nein, also ohne Flachs... es ist so, dass ich tatsächlich leider das brauche. Also ich brauch das Gefühl, ich hab da viel geschafft und, ähm, arbeite, bin leistungsorientiert, arbeite gerne viel. Das ist keine Frage. Das kann ich nicht verheimlichen.Nichtsdestotrotz, wenn es ein Ideal wäre und ich auch ein bisschen mit Vernunft drauf schaue, muss ich mir sagen, es wäre natürlich schon schön. Ja, ein langer Arbeitstag, auch durchgetaktet, wenig Leerlauf. Ich fühle mich sehr ungern unproduktiv. Insofern, ähm, aber gerne natürlich weniger Multitasking, also gerne schon auch irgendwie die Dinge abgeschlossen, eins nach dem anderen. Gerne vielleicht auch mal mit Wegezeit dazwischen. Nicht immer, ne, wie das so ist. Es ist ein anderer Ort und trotzdem schließen die nahtlos aneinander an. Am Ende dann gerne so ein paar Sachen auch abgeschlossen, ne. Das, was wir eben fast auch hatten, also ein paar To-dos abgehakt. Natürlich kommen immer mehr neue rein als abgehakt sind, aber trotzdem ein paar abgehakt, ein bisschen Erfolg. Und die To-dos, die noch da sind, schon mal geordnet. Also mir ist immer wichtig, dass ich den Kopf frei habe, dass die Dinge schon mal irgendwo stehen, terminiert sind, damit ich einfach die nächsten auch angehen kann und nicht irgendwie noch Angst haben muss, irgendwas ist in den Windungen drin, was ich am Ende, äh, Gefahr laufe, zu vergessen.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Und wie oft haben Sie solche Tage? Oder gab's das überhaupt schon mal?

Sebastian Heilsberger
Ja, also dieses, dass ich das ordne für mich, das schon. Ne, ähm, das ist, ähm, für mich ganz wichtig, dass ich, ähm, zuverlässig bin, dass mein Handschlag zählt zum Beispiel. Und deswegen, ähm, ist es für mich sehr unangenehm, wenn mir Dinge hinten runterfallen, die ich nicht mehr im Blick hab. Und deswegen versuche ich zumindest immer, wenn ich schon nicht schaffe, das alles abzuarbeiten, das irgendwie irgendwo so zu erfassen, dass ich nicht Gefahr laufe, dass es völlig runterfällt.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, und trotzdem finde ich, ne, man schreibt sich ja Dinge auf und, und, äh, hier und da und bemüht sich ja sehr darum, ähm, aber ich finde immer, also wenn ich mir 'n perfekten Arbeitstag wünschen dürfte, wär's einer, der nicht so durchgetaktet ist. Ich finde das sehr unangenehm, wenn ich morgens in Kalender gucke und sehe, das ist so, ne, so hintereinander weg, weil ich dann immer denke, dann kommt eigentlich das zu kurz, was für mich gute Führung auch ausmacht oder Führung insgesamt ausmacht. Nämlich auch Zeit zu haben mal für so fünf Minuten Small Talk vorher oder nachher oder mal so'n, so'n ganz kurzes Gespräch oder ein ganz kurzer Austausch, ähm, das finde ich immer wichtig. Also ich hab ja auch das Problem, was heißt das Problem, aber wir haben einen sehr, sehr großen Fachbereich mit rund 50 Leuten und da ist es halt schon faktisch kaum möglich, jedem irgendwie gerecht zu werden. Und umso wichtiger ist das, dass man immer mal so ganz kurze, auch ohne dass es immer terminiert sein muss, dann hat's ja immer so 'n offiziellen Charakter. Dass man aber zwischendurch immer mal Zeit hat, wenn jemand anruft oder irgendwie kurz Bedarf hat, das finde ich immer ganz, ähm, ganz schön. Also ich könnte, glaub ich, eher damit leben, dass ich mal was vergesse im Sinne von, dass es nicht so pünktlich bedient wird, sag ich jetzt mal, als dass ich zu wenig Zeit hab, ähm, für solche Dinge. Das finde ich persönlich immer ganz, ganz wichtig. Fand ich auch in Lehrveranstaltungen immer wichtig. So dieses ganz kurz vorher oder vielleicht noch mal nachher oder vor oder nach der Pause, so dieser ganz kurze Austausch, wo man sich noch mal irgendwie übers Wetter oder über keine Ahnung. Es gibt ja so viele Anlässe, die gar nichts mit dem Thema zu tun haben. Das find ich immer ganz, äh, ganz schön. Ist das bei Ihnen auch so in der Lehrveranstaltung?

Sebastian Heilsberger
Ähm, ja gut, das Wetter ist natürlich meistens doch, äh, so erst mal das Warmwerden, äh, sag ich mal, ähm, in der Lehrveranstaltung. Aber ansonsten, ja, also mir ist immer wichtig, Zusammenhänge aufzuzeigen. Erst mal so, wie hängen Themen zusammen? Wie hängen Praxis und Theorie zusammen? Wie ha-hängen, spielen andere Module mit rein? Wo gibt es Gemeinsamkeiten, Schnittmengen et cetera? Ähm, und das Ganze mit ganz viel Praxis zu unterfüttern. Insofern, ähm, kommen wir häufig von einem ins andere am Ende, ne. Ich, äh, mir ist wichtig, ich behandle die Studierenden, das sind ja nun mal auch Leute aus der Praxis, die schon häufig sehr gestandene Persönlichkeiten sind. Insofern ist mir wichtig, da immer auf Augenhöhe zu kommunizieren, die Gesprächspartner ernst zu nehmen und, ähm, deswegen machen wir das häufig sehr, ja, fachdialogisch auch. Und, ähm, dann kommen wir aber auch von einem ins andere. Das Wetter ist jetzt, wie gesagt, eher das Thema am Anfang vielleicht noch. Das wird nachher weniger wichtig. Aber ja.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, das Wetter ist immer so ein Einstieg.

Sebastian Heilsberger
Wir haben Raum und Zeit.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Kann jeder was zu sagen.

Sebastian Heilsberger
Und ist nicht so gefährlich wie die Politik.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja. Ja, also Politik wär auch was, was ich von meiner Seite jedenfalls, äh, wenn ich's irgendwie vermeiden kann, nicht anschneide. Ähm, es sei denn, es gibt gute Gründe. Aber ich hab gemerkt, also auch wenn man schon in Lehrveranstaltungen allein nur die unterschiedlichen Parteien zeigt mit ihren Ideen fürs Gesundheitswesen oder für die Krankenhausversorgung in der Zukunft, sagen wir jetzt mal als konkretes Beispiel, das ist schon gefährlich. Weil auch da kommen dann schon manchmal so Debatten raus, die man dann auch wieder moderieren muss, damit sie nicht in eine bestimmte Richtung laufen. So, also das Da find ich das Wetter immer einfacher.

Sebastian Heilsberger
Das stimmt.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Haben Sie denn, wenn Sie so, ähm, in den Veranstaltungen sind, könnte ich mir jetzt ja vorstellen, dass Ihre Studierenden sehr davon profitieren von Ihrer Tätigkeit in der Pflegedirektion, ne?

Sebastian Heilsberger
Ja, ich, ich denke schon. Ähm, das ist immer meine Hoffnung und Erwartung. Ähm, es gibt natürlich, ja, also Sie wissen's natürlich genauso wie unsere Hörer auch, ähm, die Studierenden sind natürlich auch sehr vielfältig. Also sind teilweise Kollegen dabei, die auch in einer ähnlichen Position sind, sei es irgendwo als Pflegedienstleitung, ähm, Stationsleitung. Manche sind aber auch tatsächlich noch ganz auf dem Weg dahin, stecken noch in allen beruflichen Anfängen. Also das ist ja sehr mannigfaltig und insofern denke ich, am Ende profitiert jeder auf seine Weise. Also manche dann tatsächlich immer so im Sinne eines Netzwerkaustauschdialog und die anderen tatsächlich noch so: Wo kann es hingehen? Also Vision, Perspektive zu haben, das ist, glaub ich, dann in sehr unterschiedlichen kommt drauf an, ja, wie der individuelle Background ist, was man da bewegt auch. Aber grundsätzlich bin ich auch immer im Nachgang für jeden ansprechbar. Das ist mir immer wichtig, die Studierenden, also ich geb das immer großzügig raus, alle Kontaktdaten. Man kann mich, aber mir ist wichtig, ganz wichtig in der Pflege dann auch die Netzwerkbildung und auch darüber hinaus und insofern dürfen mich immer ansprechen, sei es, ähm, ja, in Eigennutz, in Betreuung von Arbeiten oder halt aber auch wirklich nur mit Fragen, Zusammenarbeit oder auch Bewerbungen, was auch immer.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Und wird das viel genutzt?

Sebastian Heilsberger
Ja, also was, was ist, die, ähm, Lehrveranstaltungen sind auf jeden Fall wichtig äh, sich als potenzieller Betreuer für Arbeiten zu positionieren. Das wird viel genutzt. Zwischendurch kommen dann noch mal Fachfragen. Auch das hab ich erlebt. Also dann nicht unbedingt zum Modul, das ist ja meistens klar. Die HFH bereitet ja auch gut vor mit dem Material, was rausgegeben wird. Das ist ja meistens gar nicht der Hokuspokus, ähm, sondern dann eher, dass sie wirklich praktisch irgendwelche Probleme haben, über die sie stolpern, wo sie dann schmadern, nicht noch mal denken und dann Anfragen kommen. Das, das gibt's dann durchaus. Aber ansonsten wirklich vor allem als Markt in der Betreuung für Haus- und Abschlussarbeiten. Da sind die Lehrveranstaltungen bisher erfahrungsgemäß ein häufiges Ding. Dadurch, dass wir natürlich die Lehrveranstaltungen zusammenführen, Studienzentren im Moment etwas reduzieren, ist es meines Erachtens etwas schwieriger für die Studierenden, diesen Bezug zu finden zu der Auswahl an Lehrbeauftragten, hab ich den Eindruck. Da hatt ich dann auch schon mal hier an die Marketingkollegen wiederholt sozusagen den Tipp gegeben: Meines Erachtens wär's gut, die Lehrbeauftragten, glaub ich, sichtbarer zu machen, dass die Auswahl und der Zugang für die Studierenden einfacher werden.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, und, und Lehrbeauftragte sind eben ja auch das Gesicht nach außen in ganz vielen Veranstaltungen. Deswegen, ähm, also ich hab selber jetzt, äh, weit über 20 Jahre Lehrveranstaltungen gemacht, äh, vor meiner Tätigkeit hier für die HFH hauptberuflich und, ähm, ich hab schon immer das Gefühl gehabt, dass es ganz wichtig ist: Wer steht da vorne? Kann ich mit dem? Kann ich mit dem nicht? Ähm, ist fast egal, welches Modul man unterrichtet. Solange man auf 'ner, auf 'ner menschlichen Ebene einigermaßen klarkommt mit den Leuten, kann man sie, glaub ich, für fast jedes Thema auch begeistern. So. Äh, und andersrum. Ich glaube, 'n Thema, 'ne Vorlesung, 'n Modul kann noch so spannend sein, wenn da vorne jemand steht, der das, ähm, und das mein ich jetzt gar nicht, gar nicht negativ, aber der das einfach nicht so spannend verkauft, ähm, dann fällt es vielen Studierenden auch schwer, sich zu motivieren, da irgendwie den Zugang zu finden. Dann hakt das so'n bisschen, ne. Deswegen bin ich da völlig bei Ihnen. Ich finde auch, dass Lehrbeauftragte 'n ganz wesentlichen Anteil am Gelingen eines Moduls haben, und zwar, ähm, häufig ja in der Form der, der Lehrveranstaltung und später natürlich auch in der, in der Betreuungsfunktion, ne. Bei, bei Haus- und Abschlussarbeiten ist das auch, ne. Wenn man eine gute Betreuung sicherstellen kann, dann werden in der Regel auch die Noten so sein, dass alle zufrieden sind.

Sebastian Heilsberger
Mhm.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, insofern freuen wir uns natürlich über so Leute wie Sie, die ja auch dann schon jetzt langjährige Erfahrung mitbringen. Und ich persönlich finde das ja immer wahnsinnig wichtig, dass es Leute sind, die auch in der Praxis sind. Ich finde das immer schade, ähm, ich seh das grad bei meiner Tochter, die, die hier in Hamburg, äh, Jura studiert, wo man natürlich, ähm, das ist auch 'n anderes Setting, aber da sind halt Professoren, die sind seit 100 Jahren gefühlt, vielleicht sogar noch länger nur wissenschaftlich tätig. Und ich mein das überhaupt nicht negativ, aber die haben manchmal dann nicht mehr so den Bezug zur Praxis, weil man natürlich immer so'n bisschen in seiner Blase unterwegs ist. Das ist ja andersrum genauso, nicht? Wenn ich in der Praxis bin, hab ich auch keinen Bezug mehr zur Theorie. Das bringt das eine wie das andere mit sich. Aber das ist dann für Studierende, glaube ich, manchmal so'n bisschen sehr theoretisch, theorielastig und so'n bisschen trocken. Deswegen find ich das immer toll, wenn Lehrbeauftragte dann zum Beispiel so wie Sie sagen können: „Mensch, was weiß ich, wir haben hier grad folgende Situation und, äh, wie gehen Sie damit? Oder was haben Sie da für Ideen?" Das, das kommt immer wahnsinnig gut an tatsächlich. Ich lass dann auch gerne mal Studierende meinen Fall des Tages lösen, weil ich denk so: „Jetzt hab ich sie hier sitzen. Jetzt sagen Sie mir doch mal, was machen wir denn da in der Beratung?" Ähm, und wenn dann nichts kommt, dann: „Ja, ist aber schwierig." Ich sag: „Na ja, wär's einfach, könnt ich's alleine, ne. Nu machen Sie mal." Also das, äh, das ist immer ganz schön, find ich. Da sind die bisschen aktiviert, grade wenn es 'ne Abendveranstaltung ist.

Sebastian Heilsberger
Na ja, und Sie haben direkt Talentscouting betrieben.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Unbedingt. Unbedingt, ja. Ähm, wenn Sie so auf Ihr, auf Ihr Studium zurückblicken, ähm, auf, auf diese Zeit, ähm, gab's auch mal so Phasen, wo Sie sich gefragt haben: „Äh, warum mach ich das hier eigentlich?" Gab's mal 'ne Durststrecke?

Sebastian Heilsberger
Puh, äh, gute Frage. Ist ja, also wenn ich jetzt ans Erste zurückdenke, ist ja wirklich schon länger her. Ich versuch jetzt alle mal so grade im Überblick zu sehen. Bei mir sind's ja nun tatsächlich einige Jahre. Also ich, ich frag mich das eigentlich Ich glaub nicht, dass ich mich das jemals gefragt hab. Es war natürlich tatsächlich am Anfang etwas, ähm, schwieriger, sag ich mal, die grundständigen Sachen. Damals war's ja wirklich noch mit Vordiplom und dann, äh, dem Hauptstudium. Da war das ja noch mal stärker differenziert und grade da, wo's theorielastig am Anfang war. Ich weiß noch, höchste Durchfallquote damals Soziologie. Bei mir war's dann erstaunlicherweise, weil ich ja wusste, dass die Durchfallquote so hoch ist, 'ne 1,7. Also es war ganz okay. Vielleicht schon der Hang zum Systemischen erkannt damals. Ich weiß es nicht. Ähm, ja, also das hätte man natürlich vielleicht in diesen Grundlagensachen sich mal überlegen können. Ich glaub nicht, dass es war. Ich fand's alles spannend. Zeit fehlte natürlich immer. Ich bin auch lieber jemand, der sonst aus der Praxis, aus dem Doing lernt. Also ich, ich mag, ich mag vor allem Wiederholung nicht. Und das ist natürlich beim Lernen irgendwie leider notwendig. Und ja, und, ähm, deswegen schon schwierig, aber es war immer schon so: Ich find es auch 'n unglaublichen Ausgleich zum Alltag. Insofern, man hat sehr klar, man gibt 'n Input und kriegt 'n Erfolg. In der Regel Erfolg. Also dazu wird man halt auch mal ins Gegenteil belehrt, aber es ist halt, ähm, sehr schö..., ein sehr schönes, äh, nachvollziehbares Feedbacksystem, was eigentlich auch guttun kann 'n Stück weit, find ich, neben dem restlichen Alltag. Ist sehr einfach, sehr einfach. Ich geb was rein und krieg dann anschließend die Bewertung. Das ist etwas, was man sonst nicht so einfach und klar im Alltag unter Umständen hat.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, vor allen Dingen nicht so, nicht so ehrlich vermutlich, ne?

Sebastian Heilsberger
Genau, ja.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ist ja auch das, woran Führung manchmal so 'n bisschen krankt, find ich, ne, dass man ja selten mal ein wirklich ehrliches Feedback bekommt, was keine Intention irgendwo berücksichtigt oder keine Absicht verfolgt oder so. Das is manchmal 'n bisschen schade.

Sebastian Heilsberger
Ich hab heute noch, ähm, mit einer Azubine im Oberkurs, also im dritten Lehrjahr darüber gesprochen. Wir hatten heute, hatten die ein, äh, Begrüßungs-, 'ne Begrüßungsveranstaltung, Begrüßungsgottesdienst auch mit Frühstück und so weiter für das erste Lehrjahr gemacht, für den Unterkurs. Leider kam der Termin recht kurzfristig, deswegen konnt ich nur zwischendurch mal rein, aber ich hatte dann auch mit denen gesprochen. Dann fragte eine von denen, die sich jetzt hier beworben hatte und dann aber jetzt von anderen Einrichtungen umworben wurde, wie ich denn mit Problemen umgehe, wenn Azubis oder auch Mitarbeiter Probleme melden und so weiter. Und unter anderem sind wir darauf eingegangen dann auch, wir kamen dann alle Ecken, wie das so is, beim Kaffee darauf, ähm, dass natürlich, muss man fairerweise sagen, keiner von uns wird, wahrscheinlich keiner von uns wird gerne kritisiert, muss man fairerweise erst mal sagen. Nichtsdestotrotz, ich natürlich auch mit der systemischen Brille, Reflexion und so weiter, nehm es aber immer trotzdem als Kompliment und versuche, mir das bewusst zu machen, wenn Mitarbeiter, vor allem Mitarbeiter, so unter-, untergeordnete Ebene mich kritisieren, weil das 'n Vertrauensbeweis ist. Also wenn die sich trauen, mir tatsächlich ehrlich was zu sagen und von ehrlich muss ich ja dann ausgehen, wenn es tatsächlich was Negatives is. Beim Positiven weiß ich halt nicht, was die Motivation is. Beim Negativen is es dann halt sehr wahrscheinlich 'ne ehrliche Äußerung, ähm, is es 'n unglaublicher Vertrauensbeweis und damit auch ein Indiz für mich, dass ich wahrscheinlich vieles richtig mache, obwohl ich grade kritisiert werde. Also irgendwie 'n bisschen paradox, aber ja.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, aber es ist ein spannender Gedanke, dass man einfach schon die Tatsache als solches, dass es überhaupt in Worte gefasst bei einem ankommt, ähm, als Vertrauensbeweis wertet. Das is eigentlich, ja, spannend. Mus-muss ich mal drüber nachdenken. Weil man ja häufig das Gefühl hat, ähm, also manchmal glaub ich, is es ja auch einfach nur so, dass man mal da sein muss und was aushalten muss, was gar nichts mit einem zu tun hat, was dann mehr so als Ventil, ne, was ich immer schon mal loswerden wollte und ich find auch, das darf ja sein. Das, ähm, das is ja das Gute bei Juristen, die werden ja von Anfang an da sehr geschult, äh, die Dinge gut auszuhalten, die nichts mit ihnen zu tun haben. Die lernen ja schon im Studium, wie unfair das alles is, dass Noten gewürfelt werden und dass, also, das is ja, glaub ich, bei wenigen Studiengängen so ausgeprägt wie bei Jura und deswegen können die eigentlich ein Berufsleben lang, jedenfalls die allermeisten, würd ich sagen, ganz gut damit, äh, damit klarkommen, dass man 'ne große Distanz entwickelt und auch Dinge nicht persönlich nimmt, weil man sehr schnell und sehr früh lernt, dass die wenigsten Dinge was mit einem selber zu tun haben so.

Sebastian Heilsberger
Und, und gleichzeitig glaub ich, neben den Psychologen, natürlich auch wenn's Psychiater werden als Fachärzte, aber neben den Psychologen eine der Berufsgruppen, wo viele Menschen besonders voreingenommen schon drauf zugehen, ne. Also bei Psychologen sind sich sehr viele vorsichtig und fühlen sich direkt analysiert und beim Jurist hat man ja auch immer das Gefühl, dass man mit einem Bein in jedes Fettnäpfchen tapsen könnte, so ungefähr, ne. Ich glaub, das is schon, ja.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ganz schlimm is das, wenn Sie als Jurist zum Arzt gehen. Das is ganz schlimm.

Sebastian Heilsberger
Ja, is klar. Der füh-- Der hat direkt Angst wahrscheinlich, ja.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, vor allen Dingen, es steht ja auf der Krankenversicherungskarte, steht ja 'n Titel. Und wenn man dann gefragt wird, ist meist so: „Ach so, sind Sie Kollegin?" Und dann sag ich immer: „Nö." Und dann sa-- Ich sag das nie und dann wird meistens noch mal nachgefragt und dann sag ich häufig: „Wollen Sie gar nicht so genau wissen." Und spätestens dann kommt er: „Ja, sagen Sie mal." Und dann sagt man das dann und dann is erst mal Stille und dann wird häufig noch gefragt: „Und welche Fachrichtung?" Und wenn Sie dann sagen Medizinrecht, dann haben Sie 'n Problem.

Sebastian Heilsberger
Das glaub ich.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Also müssen Sie irgendwie sagen Baurecht, Familienrecht, so was, ne. Das is harmlos. Aber Medizinrecht is tatsächlich Ganz schlimm war das, als ich, äh, als ich mit meinen Kindern schwanger war. Das war tatsächlich 'n großes Thema. Ich hatte so 'n, so 'n, so 'n Kleber auf meiner Karte im Krankenhaus dann nachher, weil

Sebastian Heilsberger
Haben die vergessen abzumachen, oder? Und Sie haben's gesehen.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Na ja, das war, war halt auch so die Kombi, ne. Anwalt und Privatpatient is, is keine gute Kombi.

Sebastian Heilsberger
Nee, nee, garantiert nich. Äh, wenn Sie jetzt noch 'n Doppelnamen hätten, dann, dann wär da richtig Alarm gewesen, ja.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Dabei bin ich, also man kann sich das wahrscheinlich gar nicht vorstellen, weil ich bin privat total friedlich. Ähm, ich streite mich ja den ganzen Tag als Anwältin. Ich brauch das nicht auch noch privat. Also das glaubt man gar nicht, aber es is wirklich so. Also von daher.

Sebastian Heilsberger
Das is, wie ich privat auch gerne durchaus den Ausgleich dazu hab und möglichst wenig Gespräche dann zum Beispiel.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, mag ich auch. Wenn man abends alle Wörter verbraucht hat, dann muss ich erst mal laufen gehen, bis ich 'n bisschen Abschaltung. Und wenn ich dann irgendwann, irgendwann nach 'ner halben Stunde oder nach 'ner Stunde wieder zurück bin, dann, dann geht's auch wieder. Haben Sie ein Lebensmotto? Das frag ich immer so gerne, so gen Ende des Gesprächs einfach noch mal, ob's irgendwas gibt, was Sie so 'n bisschen begleitet hat, was Sie mit uns teilen mögen.

Sebastian Heilsberger
Ja, pff, es sind, ähm, tatsächlich am Ende wahrscheinlich viele. Also was immer mehr für mich, ähm, ein Thema is, dass die Lösung nicht nur für mich persönlich, sondern ich glaub auch für viele Probleme auf diesem Planeten in der Bildung liegt. Ich glaub, Bildung is ein ganz wesentlicher Schlüssel. Und wenn man's dann noch mal mehr auf mich runterbricht, das sieht man vielleicht auch an diesem Gang von systemisch in dann juristisch sozusagen, Weiterentwicklung findet im Unterschied statt, ne. Selten is sie bequem, meistens findet sie halt im Unterschied statt. Das sind, glaub ich, so zwei, äh, ja, zwei halbe Mottos sozusagen, die, die mir da ganz wesentlich sind, ja.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, vielen lieben Dank. Und, ähm, wenn ich das jetzt höre als Studierender und vielleicht läuft es grade nicht so, wie ich mir das wünsche, vielleicht hab ich irgendwie 'ne total blöde Prüfung oder ich bin mit 'm Ergebnis nicht zufrieden oder vielleicht find ich auch einfach mal nicht so den Zugang zu irgend'nem Thema oder mich nervt 'n Studienbrief oder vielleicht nervt mich auch grade alles.Was mach ich denn dann?

Sebastian Heilsberger
Das ist natürlich 'ne berechtige Frage, ne. Also ich würd sagen, das, was Sie eben gesagt haben, ist schon mal ein guter Ansatz. Laufen gehen ist vielleicht nicht für jeder was. Es gibt dann auch noch Alternativen dazu. Ja, also Abstand und Reflexion, sich der Ziele bewusst werden, weswegen man das Ganze gemacht hat, die Vision noch mal anpinnen, also sich vielleicht auch vorstellen in dieser Zukunftsvision, in dieser Rolle, die man wahrscheinlich ja anstrebt für sich. Ähm, noch mal ins Gespräch gehen mit Leuten, die einem wohlgesonnen sind. Da gibt's auch so 'n Halbmotto von mir: Da ist Blut auch nicht immer dicker als Wasser, finde ich, ne. Also manchmal sind, äh, gute Freunde da doch mehr wert als das, was einem von Geburt mitgegeben ist. Auf jeden Fall Menschen, äh, nach Menschen schauen, die da einem wohlgesonnen sind, Förderer entdecken, das ist ganz wichtig. Also bei mir waren's auch viele glückliche, ähm, Fügungen im Leben sicherlich, wo ich an der richtigen Stelle dann auch mal das richtige Vorbild gefunden hab oder den richtigen Menschen, der an mich geglaubt hat und mich unterstützt hat. Ähm, das ist ganz wichtig da, also die Guten von den Schlechten, äh, zu unterscheiden. Dabei halt auch mit gesellschaftlichen Konventionen immer ganz wichtig bei mir, mit gesellschaftlichen Konventionen auch brechen durchaus. Ich schwimme gerne gegen den Strom auch und kann das auch schon mal empfehlen, da 'ne eigene Marke aufzubauen und dafür nicht immer nur auf alles Glatte zu setzen und wirklich zu gucken, ähm, ja, also Blut muss nicht dicker als Wasser sein und, ähm, dann Chancen zu verwerten, wo immer sie gegeben sind. Also für mich 'n ganz wesentliches, ähm, Credo, was ich auch rausgefunden hab, was mich auch im Beruf, äh, begleitet: Alles hat seine Zeit und das heißt, man muss Chancen ergreifen, wenn sie da sind. Man kann sie nicht erzwingen. Und deswegen sich da einfach 'n Stück zurückzunehmen, zu gucken, mit den richtigen Leuten zu beraten, die einem guttun, die Vision wiederzufinden und die Ziele und dann wieder durchzustarten. Das Schöne ist ja, das kann man mit so 'nem Fernstudium, berufsbegleitend angelegt, da kann man das auf jeden Fall gut machen. Ich hab's damals gemacht. Die Regelstudienzeit war dann irgendwann nicht mehr so wichtig. Die Praxis fordert, Praxis muss just in time geleistet werden. Da kann ich das nicht machen. Das Studium kann sich anpassen. Das hat damals schon geklappt. Das klappt im Moment ja mit dem Versuch, mich irgendwie noch mal juristisch zu qualifizieren, auch ganz gut. Ich zahle halt fleißig. Das kann der Hochschule also auch ganz recht sein. Die haben wenig Aufwand mit mir, kriegen aber Einnahmen. Ist nicht die HFH diesmal.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Entspannt.

Sebastian Heilsberger
Wäre ihnen auch recht. Ja, okay.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Ja, ich glaube, das lassen wir einfach mal so stehen. Also dann, dann mag mal jeder so in ihren Gedanken das finden, was für ihn passt und was vielleicht auch für seine Situation ganz gut passt. Wir kriegen oft das Feedback, dass wenn die Leute das hören, dass es ihnen noch mal 'n bisschen hilft, ähm, auch zu sehen und das ist aus meiner Erfahrung auch ganz wichtig, dass es nicht immer alles glatt nach Plan laufen muss. Wir haben ja häufig so diese Vorstellung, man marschiert da so durch, das geht einem leicht von der Hand, ne, ob Kind, ob Hund, ob Studium, ob Beruf, irgendwie alles läuft so und ich glaube ja, es ist eher normal, dass es nicht so ist und es darf auch nicht so sein. Es ist völlig in Ordnung, wenn man auch mal Sachen vielleicht zweimal machen muss oder wenn man auch feststellt, dass das gar nichts für einen ist oder dass man noch mal reflektiert und sagt: „Na ja, das hab ich mir doch irgendwie anders vorgestellt.“ Auch das kann 'ne Erkenntnis sein. Vielleicht ist es sogar die viel wichtigere Erkenntnis, als wenn man feststellt, das ist genauso, wie ich dachte. Und, ähm, da ist mir immer wichtig, sag ich auch immer so meinen Praktikanten, also wenn wir juristische Praktikanten ausbilden, dann sag ich ihnen immer: „Für mich ist es genauso in Ordnung, wenn Sie nach 'm Anwaltspraktikum feststellen, dass das überhaupt nichts für Sie ist, als wenn Sie feststellen, das ist genau meins.“ Ich glaube, dass, äh, da das Erste festzustellen, das gefällt mir gar nicht, ist fast wertvoller, als zu sagen, das ist meins, weil dann weiß ich schon mal, wo ich später nicht hin möchte. Und, ähm, immer so diese Vorstellung zu haben, ich mach nur lauter Dinge, die mir Spaß machen, die mich erfüllen, die total super sind und leicht und, äh, das ist eben manchmal auch Wunschdenken, glaub ich. Und deswegen ist mir immer so wichtig, wenn die Leute das hören und mal so 'ne Durststrecke haben, das sag ich auch mal den Erstsemestern, ähm, das ist normal, das gehört dazu. Da muss man sich auch nicht verrückt machen, ne. Da kann man sich austauschen mit Gleichgesinnten und wird feststellen, es geht allen irgendwann mal so, dem einen mehr, dem anderen weniger. Es gibt auch Leute, denen geht das so und sprechen nicht drüber. Das gehört auch dazu, aber ich glaube, das hatte jeder schon mal und deswegen ist mir das immer ganz wichtig und deswegen glaub ich, dass es gute Tipps sind für Sie, ähm, wenn Sie das jetzt hören bei uns, äh, und vielleicht in 'ner ähnlichen Situation sind. Ja, dann bedanke ich mich ganz, ganz herzlich. Wir nehmen diese Folge, ähm, freitags nachmittags auf. Ich hoffe mal, Sie haben irgendwann Feierabend und Wochenende. Insofern, äh, wissen wir das sehr zu schätzen, dass Sie sich die Zeit nehmen, an einem Freitagnachmittag das hier zu machen und, äh, ja, hoffe, es ist jetzt sozusagen Ihr letzter Termin für heute, oder?

Sebastian Heilsberger
Also diesen Freitag, ja. Letzten Freitag war es so, da war der letzte Termin so gegen 20 Uhr. Da ging's einfach darum, einen Mitarbeiter sehr akut anzusprechen und, ähm, ja, mit ihm, ja, sozusagen Lösungen zu finden. Und, ähm, dadurch, dass er zum Nachtdienst eingeplant war, war das der einfachste Weg, sich dort, ja, mit ihm oder ihn dann im Nachtdienst auch zu konsultieren, als ihn extra einzubestellen und dem Mitarbeiter irgendwie unkomfortabel und mit Zeitverzug das irgendwann in der Folgewoche zu machen. Deswegen, nee, also heute ist tatsächlich so, wobei ich hab von zu Hause auch schon die Ermahnung bekommen: „Du könntest ruhig auch mal früher kommen. Wie kann man denn auch freitags vier Uhr noch Termine machen?“ Hab ich heute schon gehört von zu Hause, also.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Dann, dann entschuldige ich mich in aller Form bei Ihrer Familie. Grüßen Sie sie ganz herzlich unbekannterweise und sagen Sie, es war ein großer Gewinn für uns alle, dass Sie sich die Zeit genommen haben und ich hoffe, Sie waren, äh, entbehrlich die Stunde, die Sie jetzt später nach Hause kommen.

Sebastian Heilsberger
Alles gut. Die die Uhrzeit ist freitags nicht glücklich, nach Hause zu fahren, was die Strecke angeht. Ja.

Prof. Dr. Birgit Schroeder
Gut, aber dann sorgen wir jetzt dafür, dass Sie sich gleich auf den Weg machen, und dann jetzt vielleicht ein bisschen Privatleben, ein bisschen Familienzeit und Wochenende haben. Das ist auch ganz wichtig, glaub ich. Insofern bedanken wir uns bei allen, ähm, fürs Zuhören. Wir bedanken uns für Ihr Interesse, für Ihre Aufmerksamkeit und hören uns dann gerne in der nächsten Folge wieder. Vielen Dank, machen Sie's gut.

Sebastian Heilsberger
Vielen Dank.

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