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15.06.2022 HFH erleben

Erst praxisnah studieren, dann Praxis gründen: Drei Physios machen sich selbstständig

Die drei Gründer:innen der Physiotherapiepraxis
Gründen gemeinsam eine Praxis für Physiotherapie: Umutcan Cagan, HFH-Absolventin Nina Rüter und HFH-Absolvent Marc Taschner (von links).

Diese Physiotherapeutin hat Power – das darf man ruhig so sagen. Wenn sie nicht gerade Patient:innen therapiert, erfolgreich Politik macht, pünktlich ihren Bachelor abschließt, in Projekten mitforscht, sich fortbildet oder selbst Studierende prüft – dann gründet sie eben mit zwei Freunden eine eigene Praxis.

Aber der Reihe nach: Als wir mit Nina Rüter vor rund drei Jahren das erste Mal gesprochen haben („Ich bin super glücklich als Physiotherapeutin“), steckte sie noch mitten im HFH-Fernstudium HCS (heißt heute Therapie- und Pflegewissenschaften).

Das hatte sie in der dualen Variante begonnen und währenddessen als gewerkschaftlich aktive Auszubildende maßgeblich mitgeholfen, einen Missstand zu beseitigen: Auch durch ihren Einsatz war es ver.di gelungen, eine Ausbildungsvergütung für Therapie-Azubis zu erkämpfen.

Als sie davon berichtete, war sie gerade in die berufsbegleitende Variante des Studiengangs gewechselt. Kurz davor hatte sie ihre Physio-Ausbildung abgeschlossen und in einer Praxis in Bottrop als Therapeutin begonnen.

Seit 2020 ist sie nun Bachelor of Science, arbeitet seitdem im HFH-Forschungsprojekt „go4cognition“ mit und ist kürzlich auch noch Lehrbeauftragte geworden. Als solche gibt sie nun selbst Seminare und hat auch schon mehrere Bachelorarbeiten von HFH-Studierenden betreut.

Aktuell macht sie eine Fortbildung zur Manualtherapeutin und geht jetzt zusammen mit zwei Freunden den nächsten großen Karriereschritt:

Die Gründung einer eigenen Gemeinschaftspraxis!

Hallo Frau Rüter, man weiß ja kaum, wo man anfangen soll, bei so vielen Ereignissen seit dem letzten Gespräch. Schauen wir einfach in die Zukunft: Sie gründen jetzt also eine eigene Praxis?

Ja genau! Wir sind ein Team von drei Therapeut:innen und werden uns mit einer Gemeinschaftspraxis für Physiotherapie in Essen ab Juli 2022 selbstständig machen.

Momentan sind wir noch am einrichten der Praxisräume und haben gerade unsere Website fertiggestellt – damit unsere Patient:innen uns auch finden und sich über unsere Angebote informieren können.
 

Sie gründen Ihre neue Praxis zusammen mit anderen jungen Therapeuten, die Sie zum Teil schon aus der Azubi-Zeit kennen?

Ja, richtig – Marc Taschner und ich kennen uns bereits seit der Ausbildung und wir haben zusammen im HFH-Studienzentrum Essen studiert.

Mit Umutcan Cagan, unserem Gründer-Kollegen, arbeiten wir beide nun schon einige Zeit in der gleichen Praxis. Seitdem verstehen wir drei uns bestens und haben irgendwann entschlossen, dass wir den Sprung wagen und uns selbstständig machen wollen.
 

Sie alle haben ja nun nicht BWL, sondern ein therapeutisches Fach aus dem Gesundheitswesen studiert – ist eine Praxisgründung und der Schritt in die Selbstständigkeit da nicht etwas gewagt?

Man muss schon sagen: Die Planung der Selbstständigkeit ist eine Achterbahnfahrt. Aber es ist eben auch toll und total aufregend. Immer wieder fallen neue Aufgaben an, die wir zusammen meistern.

Wir haben im Verlauf der Planung schon so viele sympathische Menschen kennenlernen dürfen, von denen wir sehr viel dazulernen!

Und außerdem haben wir ja im Studium an der HFH durchaus einiges an Wissen über Betriebswirtschaft mitgenommen. Zudem gab es ein Modul explizit zum Thema Selbstständigkeit.

Das haben wir, nachdem wir erstmal die theoretische Seite mit Hilfe der Studienbriefe durchgearbeitet haben, mit einer komplexen Übung abgeschlossen.

In dieser Übung gab es ein eintägiges Planspiel, in dem wir gemeinsam eine „Musterpraxis“ gegründet haben. Da ging es dann darum, die einzelnen Phasen einmal durchzuspielen und auch über mögliche Stolpersteine zu sprechen.

Mit dieser komplexen Übung schloss die theoretische Phase des Moduls also sehr praxisnah ab – und das war uns dann auch für die echte Gründungsphase unserer Praxis eine große Hilfe.
 

Physiotherapie-Übung an einer Skeletthand

Manualtherapie wird v.a. im orthopädischen Bereich eingesetzt.

Welche Therapieformen werden Sie in ihrer neuen Praxis anbieten?

Wir Physiotherapeuten müssen ja nach dem Staatsexamen weitere Fortbildungen machen, um weitere Behandlungen durchführen und abrechnen zu dürfen.

Nach meinem Abschluss an der HFH habe ich z.B. die Fortbildung zur Krankengymnastik nach Schroth gemacht. Das ist eine spezielle Form der Krankengymnastik, die vor allem Kindern und Jugendlichen, aber auch Erwachsenen mit Wirbelsäulenverkrümmungen und Skoliosen verordnet wird. 

Aktuell bin ich im letzten von 3 Jahren der Fortbildung zur Manualtherapeutin und werde diese Therapieform in Zukunft natürlich auch anbieten. Sie macht besonders viel Sinn bei orthopädischen Patienten, also zum Beispiel bei unseren Rückenpatienten, bei Sportlern oder auch bei Akutpatienten.
 

Zusätzlich zur praktischen Arbeit als Therapeutin sind Sie auch in die wissenschaftliche Lehre eingestiegen. Was genau machen Sie als Lehrbeauftragte?

Ja, die HFH hat mich als Lehrbeauftragte für das Modul „Rehabilitation in der Anwendung“ (RWA) engagiert, das unterrichte ich seit diesem Frühjahr im Studienzentrum Essen sowie in Online-Lehrveranstaltungen.

Inzwischen begleite ich auch Abschlussarbeiten als Zweitprüferin. Das ist super spannend und macht wirklich viel Spaß. Den Verlauf von einer Idee hin bis zur fertigen wissenschaftlichen Arbeit zu sehen und hin und wieder den richtigen Schubs oder Hinweis geben zu können, ist eine tolle und interessante Aufgabe. 
 

…und an einem Forschungsprojekt wirken Sie auch noch aktiv mit, richtig?

Genau, und zwar beim Forschungsprojekt „go4cognition“, an dem die HFH von Anfang an als Mitglied des Forschungskonsortiums beteiligt ist. Da geht es darum, wie man mit gezieltem Training Demenz und kognitiven Beeinträchtigungen vorbeugen kann.

Ich selbst mache im Projekt die Testungen der Probanden, zum Beispiel Ganganalysen und Kraftmessungen. Anschließend begleite ich die Testdurchläufe und Trainings der Teilnehmer an einem neu entwickelten Gerät.

Dass ich eine Studie und die unterschiedlichen Schritte mit begleiten darf, baut ausschließlich auf dem Studium an der HFH auf, stellt für mich aber eine super spannende Ergänzung zu meinem Berufsalltag dar und bietet mir eine größere Möglichkeit mich als Physiotherapeutin einzubringen.
 

Was haben Sie künftig vor – wollen Sie neben Ihrer Arbeit in der neuen Praxis auch weiterhin in Wissenschaft und Lehre tätig bleiben?

Ja, sehr gerne! Ich fand ja schon das Studium aus Sicht der Studentin total spannend. Und das erste Mal dann selbst ein Modul zu unterrichten, hat mir wirklich Spaß gemacht.

Diese Erfahrungen und auch die Teilnahme am Forschungsprojekt haben mich sehr darin bestärkt, auch in Zukunft nicht nur praktisch, sondern auch wissenschaftlich weiterzuarbeiten.

Wer weiß, vielleicht begegne ich ja dem ein oder anderen Studierenden künftig mal in einem Seminar!


Herzlichen Dank für Ihre Antworten, Frau Rüter!

Teamfoto Mitarbeiter:innen Physiotherapie-Praxis

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