Entlastungsangebote für pflegende Angehörige sichtbarer machen: HFH und FH Dresden starten Forschungsprojekt
Pflegende Angehörige übernehmen in Deutschland einen großen Teil der Versorgung pflegebedürftiger Menschen. Oft pflegen Familienmitglieder ihre Angehörigen über lange Zeiträume und finden wenig Zeit für die eigene Erholung.
Mit der Kurzzeit- & Verhinderungspflege (Urlaubs-/Krankheitsvertretung) nach § 39 SGB XI können sich pflegende Angehörige entlasten lassen. Allerdings wird das Angebot im familiären Pflegealltag selten genutzt, sei es wegen fehlender passender Angebote, bürokratischer Hürden oder schlicht, weil das Wissen über diese Entlastungsmöglichkeit fehlt.
Forschungsprojekt will Entlastungsangebote sichtbarer machen
Hier setzt ein neues Forschungs- und Entwicklungsprojekt in Zusammenarbeit mit Studierenden der HFH · Hamburger Fern-Hochschule und der Fachhochschule Dresden (FHD) an. Es startet im Juli 2026 und bringt Wissen aus den Fachdisziplinen Pflegemanagement, Wirtschaftsinformatik und Tourismusmanagement zusammen.
Das interdisziplinäre Projekt führt zunächst Daten zu Entlastungsangeboten sowie zu Pflege, Tourismus und Demografie in einer gemeinsamen Datenbasis zusammen, um regionale Potenziale und praxisnahe Ansätze zu erschließen. Perspektivisch soll daraus eine Plattform entstehen, über die pflegende Angehörige passende Angebote in ihrer Region leichter finden können.
Die wissenschaftliche Expertise aus den Bereichen Pflegemanagement, Wirtschaftsinformatik und Tourismusmanagement bringen die verantwortlichen Professoren Prof. Dr. Michael Heinrich-Zehm (HFH), Prof. Dr. Marco Waage (HFH) und Prof. Dr. Marco Richter (FHD) in das Forschungsprojekt ein, das bis Juli 2027 läuft.
Eckpunkte des Forschungsprojekts: Datenbasis, Analyse und Konzept
Im Zentrum des Forschungsprojekts steht der Aufbau einer gemeinsamen Datenbasis in Form eines sog. Datawarehouses. Hier sollen Informationen aus verschiedenen Bereichen zusammengeführt werden, u. a. aus
- Pflege und Gesundheitswesen
- Tourismusbezogenen Angeboten und Infrastruktur
- Demographischen Daten und regionalen Entwicklungen
Auf dieser Datengrundlage wollen die Forschenden Analysen und Konzepte entwickeln, die folgende Themen und Fragestellungen adressieren:
- Nutzung und Weiterentwicklung der Kurzzeit- & Verhinderungspflege: Welche Voraussetzungen und Angebote existieren, wo liegen Hürden und Verbesserungsmöglichkeiten?
- Regionale Entwicklungspotenziale: Welche Regionen eignen sich besonders für Angebote an der Schnittstelle von Pflege, Gesundheit und Erholung?
- Regionale Prognose der Entwicklung der Pflegebedürftigkeit: Welche Auswirkungen hat der Trend der Entwicklung der Pflegebedürftigkeit auf die Planung der Angebotsentwicklung?
- Bedarfsermittlung pflegender Angehöriger: Was wird wirklich gebraucht und wie müssen Angebote gestaltet sein, damit sie im Alltag helfen?
Pflegende Angehörige können ihre Erfahrungen in die Forschung einbringen
Damit Entlastungsangebote nicht am Bedarf vorbeigehen, ist die direkte Sicht pflegender Angehöriger zentral. Wenn Sie selbst Angehörige pflegen und bereit sind, Ihre Erfahrungen zu teilen, können Sie die Forschung unterstützen. So sollen Lösungen entwickelt werden, die wirklich im Pflegealltag ankommen.
Die Forschenden arbeiten im Projekt zudem mit Pflegeberatungszentren und weiteren Akteuren zusammen, um Erwartungen, Wünsche und regionale Besonderheiten besser zu verstehen.
Kontakt:
Prof. Dr. Michael Heinrich-Zehm
m.heinrich-zehm@hamburger-fh.de