Ein neuer Studiengang entsteht nicht auf einmal. Er wird fachlich konzipiert, geprüft, ausgearbeitet und für den Start vorbereitet. Gerade im Fernstudium müssen Inhalte, Lernmaterialien, digitale Lernwege und Organisation von Anfang an zusammengedacht werden.
Der Prozess im Überblick
Projektauftakt: Idee und Bedarf
Bei der Entwicklung eines neuen Studiengangs stehen am Anfang immer mehrere Fragen; so z. B.:
- Qualifikationsziele: Welche Kompetenzen vermittelt er und warum werden diese in der Praxis benötigt?
- Zielgruppe: An welche Personen richtet er sich und warum ist er für diese fachlich relevant?
- Organisation: Ist ein Bachelor für Einsteiger*innen oder ein Master für Fortgeschrittene sinnvoll?
Zum Start des Entwicklungsprozesses werden diese und weitere Punkte gesammelt und erörtert. Aus den entwickelten Ideen entsteht so ein gemeinsames Bild davon, wofür der neue Studiengang stehen soll, an wen er sich richtet und wie er aufgebaut wird.
Entwicklung: Konzept und Curriculum
Aus dem Prozess der Ideenentwicklung wird ein konkretes Studienkonzept entwickelt:
- die angestrebten Qualifikationsziele werden ausformuliert,
- das Curriculum und dessen Themenblöcke werden entwickelt,
- die Reihenfolge der Themen und der Aufbau der Module werden festgelegt.
Während der Modulentwicklung werden jeweils die Inhalte, Lernziele, Semesterverteilung und der Workload (ECTS-Punkte) in den Modulbeschreibungen festgelegt. In diesem Zuge entstehen auch Studienablaufpläne und die allgemeine Studiengangsbeschreibung für den neuen Studiengang.
Review: Interne Prüfung und Abstimmung
Das entwickelte Studienkonzept wird im nächsten Schritt hochschulintern abgestimmt und überprüft:
- das Curriculum wird auf Schlüssigkeit, Studierbarkeit und passende Prüfungsformen geprüft,
- personelle, organisatorische und sachliche Voraussetzungen werden abgestimmt,
- die zentralen Unterlagen für den Studiengang werden erstellt und zusammengeführt.
In dieser Phase arbeitet der inhaltlich verantwortliche Fachbereich mit anderen Abteilungen der Hochschule zusammen, etwa mit dem Fachbereichsrat, dem Hochschulsenat, dem Qualitätsmanagement und dem Studierendenservice. So wird sichergestellt, dass der Studiengang inhaltlich stimmig und in der Praxis gut umsetzbar ist – Punkte, die anschließend auch extern im Zuge der Akkreditierung überprüft werden.
Externe Prüfung: Akkreditierung & Qualitätssicherung
Im nächsten Schritt werden die bislang hochschulintern erarbeitete Elemente für den geplanten Studiengang durch externe Verfahren auf Qualität und Studierbarkeit überprüft:
- im Prozess der (Programm-)Akkreditierung wird das Studienkonzept fachlich und strukturell begutachtet,
- mit einer sogenannten Begehung durch die Akkreditierungsagentur werden Rahmenbedingungen vor Ort geprüft,
- für Fernstudienangebote wird zusätzlich die Zulassung durch die ZFU (Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht) initiiert.
Durch diese externen Überprüfungsmechanismen wird die Qualität des Studiengangs unabhängig abgesichert. Dieser Prozess sorgt für Verlässlichkeit und bestätigt, dass das neue Angebot fachlich tragfähig und für Studierende in der angegebenen Zeit umsetzbar ist.
Übersetzung: Ausarbeitung für das Fernstudium
Um aus dem Konzept ein konkretes Fernstudienangebot zu machen, müssen die Inhalte in passende Lernmaterialien übersetzt werden, die ortsunabhängiges und flexibles Lernen unterstützen. Daran arbeiten der Fachbereich sowie externe Lehrbeauftragte und Autor*innen.
- Konkrete Studienmaterialien, wie Studienbriefe, Modulinhalte und andere Aufgabenformate, werden entwickelt und ausgearbeitet.
- Das digitale Lehr- und Lernangebot wird konzipiert und produziert.
- Die digitale und organisatorische Struktur (WebCampus, Moodle) wird etabliert.
Der Studiengang ist damit nicht nur fachlich, sondern auch technisch und organisatorisch startklar.
Planungsabschluss & Studienstart
Aus dem Entwicklungsprozess kann nun ein neues Studienangebot werden: Inhalte, Organisation, Lernumgebung und Kommunikation, alle Bausteine greifen ineinander.
Nun startet auch die Kommunikation zum Studiengang, Studieninteressierte können sich umfassend über das Studienangebot informieren und sich anmelden.
Mit dem Studienstart selbst beginnt dann die Endphase: Konzept, Materialentwicklung, Betreuung und Organisation wirken zusammen und aus der monatelangen Planung wird Realität. Der Studiengang bewährt sich nun in der täglichen Praxis.
Der Prozess zum Reinhören
Am Beispiel des in der Planung befindlichen Studiengangs "Bildung und Management" skizzieren Prof. Dr. Birgit Schröder und Prof. Dr. Benjamin Bohn die Entstehung eines Studiengangs in einer Podcast-Reihe. Seien Sie live dabei und begleiten Sie unsere Dekanin des Fachbereichs Gesundheit und Pflege und den künftigen Studiengangsleiter von der Idee bis zum Studienstart.
Folge 1 - Vom Projektauftakt bis zur internen Freigabe
(Transkript Entstehung neuer Studiengänge Folge 1)
Folge 2 - Über die Entwicklung des Curriculums bis zur internen Prüfung
(Transkript Entstehung neuer Studiengänge Folge 2)
Wer an einem neuen Studiengang mitarbeitet
Ein neuer Studiengang entsteht nicht durch eine einzelne Person. Er ist das Ergebnis gemeinsamer Arbeit aus Fachlichkeit, Qualitätssicherung, Organisation und Umsetzung. Öffentliche Prozessdarstellungen anderer Hochschulen zeigen ebenfalls, dass Studiengangsentwicklung mehrere Akteursgruppen zusammenführt – von Fachvertreterinnen und Fachvertretern über Qualitätsmanagement bis zu externen Gutachtenden.
Professor*innen
Sie prägen das fachliche Profil, formulieren Qualifikationsziele und begleiten die inhaltliche Entwicklung des Studiengangs.
Qualitätsmanagement / Hochschulentwicklung
Hier werden Anforderungen, Unterlagen und Verfahrensschritte zusammengeführt. Ziel ist ein Studiengang, der fachlich überzeugt und formal tragfähig ist.
Autor*innen & Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen
Sie wirken daran mit, dass aus fachlichen Inhalten gut strukturierte Lernmaterialien werden.
Lehrbeauftragte und Lehrende
Sie bringen Praxiserfahrung, Fachperspektiven und didaktische Umsetzung in das spätere Studienangebot ein.
Studienorganisation / Verwaltung
Sie sorgt dafür, dass Studienabläufe, Informationen und organisatorische Prozesse verlässlich vorbereitet werden.
Externe Gutachtende
Sie prüfen den Studiengang aus unabhängiger Perspektive und bewerten, ob die fachlich-inhaltlichen Anforderungen erfüllt sind. Externe Begutachtung ist ein zentraler Bestandteil der Programmakkreditierung.