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Transkript Podcast HFH Hören Female Longevity Teil 2

(C. Lesniewski) Herzlich willkommen zurück zum Zweiten Teil unseres Gespräches über Langlebigkeit bei Frauen. Mein Name ist Chantal Lesniewski und ich bin wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hamburger Fernhochschule im Fachbereich Gesundheit und Pflege. Auch heute spreche ich wieder mit Frau Dr. Viyan Sido. Sie ist Fachärztin für Herzchirurgie und Allgemeinmedizin sowie Expertin für geschlechtersensible Medizin. Prävention und gesundes Altern bei Frauen. Nachdem wir uns in der ersten Folge mit den Grundlagen von Female Longevity und den verschiedenen Möglichkeiten der Prävention schon so ein bisschen beschäftigt haben, geht es heute noch stärker um die Voraussetzungen, die Frauen auch benötigen, um gute Entscheidungen für ihre eigene Gesundheit treffen zu können. Ich freue mich sehr, liebe Viyan, schön, dass du heute da bist und wir unser Gespräch fortsetzen können.

(Viyan Sido) Ja, danke für die erneute Einladung. Ich freue mich total, dass ich dabei sein darf.

C. Lesniewski) Ich werde auch direkt mit der ersten Frage einfach mal starten. Und zwar die Hamburger Fernhochschule steht für lebenslanges Lernen und dafür, Menschen durch Bildung zu stärken. Welche Rolle spielt Bildung dabei? Dass Frauen ihre Gesundheit aber auch besser verstehen können und auch gesundheitliche Kompetenzen aufbauen können?

(Viyan Sido) Ja, das ist natürlich ein spannender Begriff. Die gesundheitliche Kompetenz. Und ich würde sagen, dass man diese vielleicht in drei Komponenten einteilen könnte. Noch mal wichtig ist, dass wir zum einen natürlich frühzeitig mit Prävention beginnen und damit, uns mit unserer Gesundheit zu beschäftigen und nicht erst, wenn wir krank sind. Und deshalb ist es auch wichtig, schon in der Schule damit zu beginnen, wirklich Grundlagen zu schaffen, aber auch über den weiblichen Körper aufzuklären. Ernährung und Krankheitslehre, das finde ich total wichtig. Dann, wenn wir uns den Arbeitsplatz anschauen, würde ich sagen, dass vielleicht das betriebliche Gesundheitsmanagement stärker auf Frauen ausgerichtet werden sollte. Also auch hier ist Aufklärung natürlich super wichtig. Und als drittes ist da natürlich auch noch die Eigenverantwortung, die bei uns selbst liegt. Also jeder von uns sollte zumindest seine eigenen Risikofaktoren kennen, die eigenen Laborwerte, um auch Informationen kritisch einordnen zu können und eben nicht, sich diesem Gesundheits-Influenzing in den sozialen Medien auszusetzen.

(C. Lesniewski) Das finde ich sehr spannend, weil ich kenne das zum Beispiel noch so früher wurde Wissen vielleicht auch sogar noch heute. Früher wurde Wissen oder bzw. heute über den weiblichen Körper oft mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. Und ich kenne das selbst halt noch von meiner Familie zum Beispiel. Da ist das auch so gewesen. Wie können wir dieses traditionelle Wissen mit moderner Wissenschaft verbinden, um Frauen besser zu empowern?

(Viyan Sido) Ja, das ist auch ein sehr spannender Aspekt. Ich finde ja, dass wir Erfahrungen von Frauen schon sehr ernst nehmen sollten, gleichzeitig aber auch natürlich wissenschaftlich überprüfen müssen. Und ich finde, Wissen zwischen Generationen kann auch sehr wertvoll sein, wenn es zum Beispiel um Symptome geht, Veränderungen oder auch den Umgang mit den Lebensphasen, wenn wir zum Beispiel zurückblicken Wie war das denn vor dreißig Jahren? Wie ist man damit der Menopause umgegangen? Ich glaube schon, dass das uns helfen kann und auch sehr wichtig sein kann. Und gerade wenn wir uns eben die Familienanamnese anschauen, kann die natürlich auch generationenübergreifend Wissen vermitteln. Also ich finde insgesamt, dass man das schon gut verbinden kann, dieses traditionelle Wissen mit moderner Wissenschaft.

(C. Lesniewski) Und wenn ich mal so darüber nachdenke, aus meiner Zeit, damals im Krankenhaus hatte ich das Gefühl, dass viele Frauen Prävention tatsächlich teilweise hinauszögern. Ich weiß nicht, wie du das siehst und dass sie halt auch Symptome eher normalisieren, also so etwas sagen wie „Ach, das gehört halt zum Altern dazu. Das zwickt dann halt auch mal!“ Wie siehst du das?

(Viyan Sido) Also ich finde, das ist eine der problematischsten Sätze überhaupt in der Frauengesundheit. Ja, wir wissen, Altern ist normal und da müssen wir sicher auch alle durch. Aber Beschwerden müssen deshalb nicht automatisch hingenommen werden. Also wenn wir uns zum Beispiel die Menopause anschauen. Ja, Frauen haben Schlafstörungen, können auch vasomotorische Beschwerden haben, Hitzewallungen zum Beispiel, aber auch urogenitale Beschwerden. Aber die können wir eben behandeln. Und hier ist es eben auch deshalb so wichtig zu unterscheiden.

(C. Lesniewski) Und wie können wir dann dieses Mindset bei Frauen ändern? Also braucht es vielleicht auch politische Unterstützung.

(Viyan Sido) Ja, das ist natürlich auch ein wichtiger Faktor. Ich glaube, dass Gesundheit nicht nur persönliche Willenskraft ist, sondern dass die Rahmenbedingungen auch stimmen müssen. Also es ist schon mal ein guter Start, dass wir zumindest kostenlose Gesundheitsvorsorge Untersuchungen haben, die jeder von uns alle drei Jahre wahrnehmen kann ab einem Alter von 35 Jahren. Da reicht es auch wirklich, zum Hausarzt zu gehen. Ja, es ist definitiv ein wichtiger Punkt, dass eben diese politischen Rahmenbedingungen auch stehen.

(C. Lesniewski) Und kommen wir von dem Großen noch mal zum Kleinen wieder zurück. Und zwar habe ich mich dann gefragt hat eine Partnerschaft einen Mehrwert für die Frauengesundheit? Könntest du da noch ein bisschen drauf eingehen?

(Viyan Sido) Also ich glaube, Frauengesundheit ist keine reine Frauensache. Die Partner sollten auf jeden Fall schon mal verstehen, was zum Beispiel in der Peri Menopause oder Menopause eigentlich passiert mit dem Körper einer Frau. Und man sollte versuchen, die Symptome einer Frau natürlich auch nicht zu bagatellisieren und zu sagen das sind halt die Hormone und alles auf die Hormone schieben. Sondern man sollte tatsächlich ein realistisches Verständnis schaffen. Denn wenn wir uns das genauer ansehen, dann stellen wir Frauen ja die Hälfte der Bevölkerung. Und es gibt so Zahlen aus dem Jahr 2024, zum Beispiel haben uns die wechseljahrsbedingten Arbeitsausfälle bei Frauen 40 Millionen Fehltage gekostet und 9,4 Milliarden. Genau. Und wenn man sich diese Zahlen anschaut, dann ist es natürlich auch ein wirtschaftlicher Faktor, der dahinter steht. Also müssen wir alle versuchen, Frauengesundheit besser zu verstehen.

(C. Lesniewski) Danke schön. Und gibt es vielleicht auch Bücher oder Podcasts? Oder vielleicht auch Plattformen? Denen, die du den Zuhörer Zuhörerinnen empfehlen könntest, wo sie sich vielleicht fundiert auch einlesen können?

(Viyan Sido) Ja, definitiv. Also es gibt inzwischen, gerade wenn es um Gesundheit und Langlebigkeit geht, ziemlich viel auf dem Markt und wichtig ist es auf jeden Fall, die Quelle zu überprüfen, meiner Meinung nach. Welche Qualifikation steckt eigentlich dahinter und welche Evidenz? Vorsicht ist geboten bei teuren Longevity Hacks. Die Frage ist, brauchen wir das alles? Also ich habe vorhin von den ganzen wirksamen Maßnahmen gesprochen, die uns nichts kosten. Und wenn wir uns jetzt Bücher oder Podcasts anschauen, dann muss ich ehrlicherweise sagen mein Anspruch an mein Buch war ja wirklich, wissenschaftliche Erkenntnisse so zu übersetzen, dass Frauen auch etwas für ihren Alltag mitnehmen können. also nicht nur die Wissenschaft darunter zu schreiben, denn die kennen wir alle inzwischen, sondern, was bedeutet das jetzt für mich, für meinen Alltag und wie kann ich das am besten umsetzen?

(C. Lesniewski) Also verstehe ich dich richtig, dass dein Anspruch war, nicht noch mehr Druck aufzubauen und Stress zu projizieren, sondern ein Handbuch der Frau mit auf den Weg zu geben, was sie locker lesen kann und sich daraus das mitnehmen kann, was sie für sich für richtig hält, ohne den nächsten Stressfaktor in ihrem Leben zu haben.

(Viyan Sido) Ja, würde ich schon sagen. Wenn ich mir so Freundinnen anhöre oder andere Patientinnen, dann höre ich oft, dass das viele unter Druck stehen, auch aufgrund der sozialen Medien, weil natürlich immer alles so perfekt scheint und als würde es den anderen ja nichts ausmachen. Und jeder ist irgendwie gesund und glücklich. Aber ich wollte eben wie gesagt etwas mit an die Hand geben für den Alltag und ja, das, was man selbst am einfachsten umsetzen kann.

(C. Lesniewski) Ich würde gern noch einen Blick in die Zukunft wagen. Und zwar, wenn du eine Wunschliste für die nächsten zehn Jahre hättest, was bräuchte es, damit Frauen in Deutschland noch gesünder und noch länger leben? Okay, jetzt kommen die ein hundert fünfzig Wünsche, die. Also ich würde sagen, wir sollten Frauengesundheit stärker in die medizinische Ausbildung integrieren. Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich studiert habe. Aber ich muss zugeben, ich hatte das Thema jetzt nicht im Studium. Also wir haben höchstens gelernt, die Definition der Wechseljahre, das war es aber auch schon und das ist schon schade. Also es ist auf jeden Fall nicht mehr zeitgemäß und da müssen wir einiges nachholen. Geschlechtersensible Prävention finde ich wichtig und dass wir gerade hier auch bei den Frauen die Lebensphasen berücksichtigen, durch die die vielen Frauen ja auch gehen, ob Schwangerschaft ist oder Zyklusstörungen oder Menopause eine bessere Versorgung wünsche ich mir. Und wir sollten mehr Frauen in klinischen Studien involvieren, aber auch die Datenauswertung, mehr geschlechterspezifisch natürlich auswerte, ich hätte auch nichts gegen politische Awareness Kampagnen, einfach um Frauen aufzuklären. Zum Beispiel wissen viele gar nicht, dass wir Frauen ja auch andere Symptome haben können bei Krankheiten. Das heißt, um alles jetzt mal zusammenzufassen Wir wollen weg von der Reparaturmedizin und hin zur Präventionsmedizin. Und da kann man einiges ändern mit dieser Wunschliste.

(C. Lesniewski) Und gibt es vielleicht auch Forschungsprojekte oder eine Initiative, die dich gerade besonders hoffnungsvoll stimmt?

(Viyan Sido) Ja, wenn wir uns zum Beispiel Bayern anschauen, die bayerische Gesundheitsministerin, die setzt sich sehr stark für die Wechseljahre ein. Da gibt es zum Beispiel, auch Bayern ist das einzige Land, das gerade eine Wechseljahresvorsorgeuntersuchung, die sogenannte W1, eingeführt hat und Ziel ist es eben, dass die Patientinnen ein strukturiertes Gespräch mit den Ärztinnen führen können, mit ausreichend Zeit. Denn die Zeit, die haben wir meistens im Alltag nicht und das ist wirklich schade. Also ich glaube ja, wir haben sehr viel Wissen heutzutage und auch viel Wissen darüber, was eigentlich unsere Gesundheit und unser gesundes Altern beeinflusst und um das noch mal zu sagen, viele der wirksamsten Faktoren sind erstaunlich unspektakulär und was man auch merkt Frauen interessieren sich natürlich zunehmend für ihre eigenen Körper und fordern dieses Wissen auch ein. Und das ist meiner Meinung nach sehr wichtig.

(C. Lesniewski) Und zum Schluss Was ist dein größter Optimismus in Sachen Female Longevity.

(Viyan Sido) Mein Optimismus ist auf jeden Fall die Tatsache, dass wir, wir die Männer überleben, dass wir länger leben und dadurch auch viel mehr Zeit haben, etwas für unsere Gesundheit zu tun. Also packen wir es an! Und ja, wir müssen jetzt nicht auf die Wunderpille gegen das Altern warten, sondern wir können auch wirklich aktiv werden. Wir können selbst viel mehr dafür tun, länger gesund zu bleiben. Und das lässt mich sehr optimistisch sein.

(C. Lesniewski) Wie schön, liebe Viyan und vielen Dank für die Fortsetzung unseres Gesprächs und für deinen spannenden Einblick. Und ja, an unsere Zuhörerinnen und Zuhörer Wir hoffen, dass es euch gefallen hat und dass sie auch den beiden Folgen etwas für euch mitnehmen könnt. Lass es uns gerne wissen, auch wenn ihr Interesse habt an weiteren solchen Themen. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

(Viyan Sido) Danke.

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